Ruhige Nacht, in der es aber regnete. In der Früh war das Schiff rötlichbraun gesprenkelt – mit dem Regen kam Staub und Sand aus der Sahara mit. Kassieren ist bis dato niemand gekommen, an das könnte ich mich gewöhnen. Noch frisches Brot, Obst und Gemüse eingekauft, von meinen griechisch / englischen Segelkameraden, welche mir so nett geholfen haben, verabschiedet, und los geht es wieder. PATRAS, ich kann es nicht genau erklären warum, aber du hast mir irgendwie gut gefallen!
Kaum aus dem Yachthafen heraußen, beginnt der Stress: Wahrscheinlich durch den Regen in der Nacht spinnt mein Lot – Tiefenmessgerät - schon wieder. Das Gerät war schon einmal defekt und wurde damals, noch in der Garantiezeit, ausgetauscht. Nun tritt derselbe Fehler wieder auf. Diese „NAVMAN“ Sachen sind ein elendiges Glumpert. Ich melde mich mit dem Funkgerät auf Kanal 14 bei „Rion Traffic“ für eine Passage unter der riesigen Hängebrücke hindurch an. Die antworten zwar prompt, aber deren Signal kommt so schwach bei mir an, dass ich nur die Hälfte verstehe. Jedenfalls wollen sie wissen, wie weit ich von der Brücke noch weg bin und wie hoch ich sei. Als ich ihnen mitteile, dass meine Gesamthöhe etwas über neun Meter beträgt, sehe ich vor meinem geistigen Auge ganz deutlich, wie es den Funker vor Lachen vom Hocker schmeißt, denn unter diese Brücke passt sogar die „Queen Mary 2“ durch. (Glaube ich zumindest..) Höflich gibt er mir trotzdem Anweisungen, wahrscheinlich wie und wo ich durchzufahren habe. Ich habe allerdings kein Wort davon verstanden, bedanke mich trotzdem ebenso höflich, passe wie ein Luchs auf die Vorrang habenden Fähren auf, die trotz der Neuerbauten Brücke nach wie vor hin und her wieseln und suche mir einen der seitlichen Pfeiler aus, wo es nicht ganz so hoch ist, und rausche mit heißen 5 Knoten Fahrt daran vorbei. Nachdem mich per Funk niemand anmotzt, werde ich nicht viel falsch gemacht haben. Ich lasse den Funk aufgedreht, um zu hören, wie die großen Schiffe das mit dem Anmelden für eine Passage machen. Im Prinzip genauso wie ich, nur eben routinierter.
Ich bin nun im Golf von KORINTH, habe den Wind genau auf die Nase, sehe es aber sportlich und kämpfe mich stundenlang gegenan. Ich ärgere mich über mich selber, da ich eine (in der Seekarte eingezeichnete!!) Sandbank erst seeeehr spät bemerke…. Gegen Abend treffe ich bei meinem Tagesziel, der Insel TRIZONIA ein. Natürlich ist es wieder stockfinster… Hier gibt es in einer geschützten Bucht eine halbfertige, unbewirtschaftete Marina, die von vielen Yachties zum Überwintern ihrer Schiffe genutzt wird. Ich lege mich an einen freien Platz an einer Mole, mache mir eine Kleinigkeit zum Essen, drehe noch eine Dorfrunde und lasse es dann für heute gut sein.
Fest in Trizonia um 18:30, stockdunkel….
Etmal: 26sm, Position: N 38° 22,13’ / E 022° 04,62’
Freitag, 31. Oktober 2008
Donnerstag, 30. Oktober 2008
Ruhige Nacht, weiterhin starker Wind aus Osten. Ich durchwandere die Stadt, besorge mit meinem Wagerl Benzin, schlichte Sachen im Boot um, führe kleinere Reparatur / Änderungsmaßnahmen durch und ärgere mich mit dem zweiten Laptop herum, der nicht und nicht booten will. Warum weiß ich nicht, an Land hat er doch zuverlässig funktioniert!
Ich kaufe mir eine ganz dünne Stepp – Tuchent, der Schlafsack ist mir nun doch zu unbequem geworden.
Die Stadt ist sehr quirlig, die Leute freundlich, nur genau schauen darf man nicht. Soviel Dreck, abbruchreife Gebäude und versteckte Armut unmittelbar nebeneinander drückt mir ziemlich aufs Gemüt.
Woran erkennt man übrigens in Griechenland einen Touristen? Er hat eine kurze Hose an und bleibt bei einer roten Fußgängerampel stehen…. Ich habe bisher noch keinen einzigen griechischen Mann mit einer kurzen Hose gesehen, obwohl die Temperaturen danach wären. Die moderne griechische Frau fährt häufig mit Moped / Motorrad. Helm hat sie dabei, trotz teilweise abenteuerlichen Fahrstils, natürlich keinen auf, der könnte ja die Frisur zerstören. Dafür sind Sonnenbrillen ein absolutes „must“ - auch wenn keine Sonne scheint…. Apropos Fahrstil: Gegen die Griechen sind die Italiener die reinsten Waisenknaben. Geparkt wird, wo Platz ist, wenn keiner da ist eben in zweiter Spur, auch wenn der Autobus dahinter keinen Platz zum Vorbeifahren hat. Was sich hier teilweise abspielt kann man nicht beschreiben. Aber: Es funktioniert hervorragend, alle denken mit und lassen dem anderen seinen Spielraum. Ich habe zwar haarsträubende Szenen, aber keinen Unfall gesehen, die alten Leute kommen unverletzt und ohne Hast auf die andere Straßenseite, darunter auch ich….
Ich mustere einige Sachen aus, für die ich keine Verwendung habe, (oder die mich zu stark an eine Zeit in meinem Leben erinnern, an die ich nicht mehr erinnert werden will) und deponiere diese neben einem Müllcontainer. Keine fünf Minuten später waren sie weg. Gut zu wissen, ich habe noch was…..
Das Flüchtlingsthema hatte mir keine Ruhe gelassen: In der Früh strömen diese bedauernswerten Männer, meistens gruppenweise, von ihren Schlafstellen am Rande der Stadt oder am Strand, das sind Leerstehende Rohbauten, Parkbänke, Strandpavillons etc. zum Hafen, um dort eine „Mitfahrgelegenheit“ zu ergattern. Wasserflaschen und Brot, viel mehr habe ich bei ihnen nicht gesehen. Handys haben allerdings viele dabei. Gegen Abend geht’s wieder retour. Die dazwischen liegenden Sanitäranlagen schauen dementsprechend aus und sind unbenutzbar.
Gegen Abend beginnt es leicht zu regnen, mein persönlicher Wetterprophet Heli gibt mir Hoffnung, dass es morgen weitergehen kann. Der Wind soll aus SW / W drehen. Das wäre ideal für mich.
Ich kaufe mir eine ganz dünne Stepp – Tuchent, der Schlafsack ist mir nun doch zu unbequem geworden.
Die Stadt ist sehr quirlig, die Leute freundlich, nur genau schauen darf man nicht. Soviel Dreck, abbruchreife Gebäude und versteckte Armut unmittelbar nebeneinander drückt mir ziemlich aufs Gemüt.
Woran erkennt man übrigens in Griechenland einen Touristen? Er hat eine kurze Hose an und bleibt bei einer roten Fußgängerampel stehen…. Ich habe bisher noch keinen einzigen griechischen Mann mit einer kurzen Hose gesehen, obwohl die Temperaturen danach wären. Die moderne griechische Frau fährt häufig mit Moped / Motorrad. Helm hat sie dabei, trotz teilweise abenteuerlichen Fahrstils, natürlich keinen auf, der könnte ja die Frisur zerstören. Dafür sind Sonnenbrillen ein absolutes „must“ - auch wenn keine Sonne scheint…. Apropos Fahrstil: Gegen die Griechen sind die Italiener die reinsten Waisenknaben. Geparkt wird, wo Platz ist, wenn keiner da ist eben in zweiter Spur, auch wenn der Autobus dahinter keinen Platz zum Vorbeifahren hat. Was sich hier teilweise abspielt kann man nicht beschreiben. Aber: Es funktioniert hervorragend, alle denken mit und lassen dem anderen seinen Spielraum. Ich habe zwar haarsträubende Szenen, aber keinen Unfall gesehen, die alten Leute kommen unverletzt und ohne Hast auf die andere Straßenseite, darunter auch ich….
Ich mustere einige Sachen aus, für die ich keine Verwendung habe, (oder die mich zu stark an eine Zeit in meinem Leben erinnern, an die ich nicht mehr erinnert werden will) und deponiere diese neben einem Müllcontainer. Keine fünf Minuten später waren sie weg. Gut zu wissen, ich habe noch was…..
Das Flüchtlingsthema hatte mir keine Ruhe gelassen: In der Früh strömen diese bedauernswerten Männer, meistens gruppenweise, von ihren Schlafstellen am Rande der Stadt oder am Strand, das sind Leerstehende Rohbauten, Parkbänke, Strandpavillons etc. zum Hafen, um dort eine „Mitfahrgelegenheit“ zu ergattern. Wasserflaschen und Brot, viel mehr habe ich bei ihnen nicht gesehen. Handys haben allerdings viele dabei. Gegen Abend geht’s wieder retour. Die dazwischen liegenden Sanitäranlagen schauen dementsprechend aus und sind unbenutzbar.
Gegen Abend beginnt es leicht zu regnen, mein persönlicher Wetterprophet Heli gibt mir Hoffnung, dass es morgen weitergehen kann. Der Wind soll aus SW / W drehen. Das wäre ideal für mich.
Mittwoch, 29. Oktober 2008
Ungestörte Nacht, am Morgen kommt, wie von Heli vorausgesagt, starker Wind auf. Hier im Golf von Patras weht er zurzeit aus Osten, also genau aus der Richtung, in die ich will…. Egal, ich will mir sowieso die Stadt geben und mich frisch verproviantieren.
Durch meinen unkonventionellen Liegeplatz komme ich wegen dem stärker werdenden Wind in Bedrängnis. Ich muss weg. Ein junger Grieche – ZORAN - und ein junger Engländer – CHRIS – helfen mir spontan, besorgen mir einen anderen Liegeplatz und helfen tatkräftig mit beim Verlegen des Schiffes an einen anderen Steg. Danke ihr Beiden! Der Mieter des Liegeplatzes, den ich nun belege, kommt auch vorbei und hat kein Problem damit, dass ich auf seinem Platz liege. Also gut Leute, ihr habt Euch somit ein Fläschchen Schnaps, welches ich aus der alten Heimat mitgenommen habe, wohlverdient! Nun kann ich die Stadt in Ruhe besichtigen. Diese ist ein wahrer Hexenkessel. Verlaufen kann man sich nicht, da alle Strassen rechtwinkelig zueinander angelegt sind. Das macht das Orientieren leicht. Das Hafenviertel ist öde und heruntergekommen, die Stadtmitte voll von Leben und unzähligen kleinen Geschäften. Die Besichtigung der Festung hätte ich mir ersparen können, nur die Aussicht von dort oben war herrlich.
Im Hafen lerne ich dann völlig unvorbereitet und ahnungslos die andere Seite unserer ach so heilen Welt kennen: Eine Menge dunkelfarbiger, hagerer Männer mit scharfem Blick, meist schlecht gekleidet, schleicht um den abgesperrten Bereich des Fährhafens herum, immer auf der Suche nach einer Möglichkeit, ungesehen auf eines dieser Monsterschiffe, und damit in eine andere Welt zu gelangen. Fast chancenlos sind sie dabei, durch ihre Hautfarbe verraten sie sich selbst. Auf der Gegenseite rigorose Absperrmaßnahmen und ein Großaufgebot an Polizisten, auch in Zivil. Sirenen heulen plötzlich auf, laufende Polizisten, über Zäune flüchtende Gestalten, beleben die Szene. Ich bleibe, beobachte die Situation. Ein beklemmendes Gefühl steigt in mir hoch, ich fühle mich irgendwie mitschuldig am Elend dieser Menschen. „Festung Europa“, nun weiß ich genau, was damit gemeint ist…..
Durch meinen unkonventionellen Liegeplatz komme ich wegen dem stärker werdenden Wind in Bedrängnis. Ich muss weg. Ein junger Grieche – ZORAN - und ein junger Engländer – CHRIS – helfen mir spontan, besorgen mir einen anderen Liegeplatz und helfen tatkräftig mit beim Verlegen des Schiffes an einen anderen Steg. Danke ihr Beiden! Der Mieter des Liegeplatzes, den ich nun belege, kommt auch vorbei und hat kein Problem damit, dass ich auf seinem Platz liege. Also gut Leute, ihr habt Euch somit ein Fläschchen Schnaps, welches ich aus der alten Heimat mitgenommen habe, wohlverdient! Nun kann ich die Stadt in Ruhe besichtigen. Diese ist ein wahrer Hexenkessel. Verlaufen kann man sich nicht, da alle Strassen rechtwinkelig zueinander angelegt sind. Das macht das Orientieren leicht. Das Hafenviertel ist öde und heruntergekommen, die Stadtmitte voll von Leben und unzähligen kleinen Geschäften. Die Besichtigung der Festung hätte ich mir ersparen können, nur die Aussicht von dort oben war herrlich.
Im Hafen lerne ich dann völlig unvorbereitet und ahnungslos die andere Seite unserer ach so heilen Welt kennen: Eine Menge dunkelfarbiger, hagerer Männer mit scharfem Blick, meist schlecht gekleidet, schleicht um den abgesperrten Bereich des Fährhafens herum, immer auf der Suche nach einer Möglichkeit, ungesehen auf eines dieser Monsterschiffe, und damit in eine andere Welt zu gelangen. Fast chancenlos sind sie dabei, durch ihre Hautfarbe verraten sie sich selbst. Auf der Gegenseite rigorose Absperrmaßnahmen und ein Großaufgebot an Polizisten, auch in Zivil. Sirenen heulen plötzlich auf, laufende Polizisten, über Zäune flüchtende Gestalten, beleben die Szene. Ich bleibe, beobachte die Situation. Ein beklemmendes Gefühl steigt in mir hoch, ich fühle mich irgendwie mitschuldig am Elend dieser Menschen. „Festung Europa“, nun weiß ich genau, was damit gemeint ist…..
Dienstag, 28. Oktober 2008
In der Nacht frischt es auf, ich liege aber sicher. Ich breche früh auf, denn ich habe einen weiten Weg vor mir: Ich will nach PATRAS, und bis dorthin gibt es nicht viel gute Ankerplätze, also los! Ich runde die Insel OXEIA und biege in den PROKOLPOS PATRON ein, die riesige Einfahrt vor dem Golf von Patras. Hier fand die berühmte Seeschlacht von LEPANTO, dem heutigen NAVPAKTOS, statt. (Der Ort Navpaktos / Lepanto liegt allerdings ein Stück weit entfernt im Golf von Korinth – die Türken hatten dort ihre Flotte liegen. Die Türken bekamen damals von der vereinigten christlichen Flotte unter der Führung von DON JUAN d’AUSTRIA ganz gewaltig eine über die Rübe. Diese Seeschlacht war die letzte, die mit Galeeren ausgefochten wurde. Mit dieser Seeschlacht verloren die Türken auch ihre Vorherrschaft zur See. CERVANTES, der Autor von DON QUICHOTTE nahm an dieser Schlacht teil und verlor dabei seine linke Hand. LORD BYRON, der ebenfalls am griechischen Unabhängigkeitskampf teilnahm, war ebenfalls hier und starb in MESOLONGION den Fiebertod am 19.04.1824.
Der Wind schläft ein, ich muss Motoren. Ich nutze die Zeit, um Wäsche zu waschen und ausgiebig Körperhygiene zu betreiben. Mein Schiff, mit wehenden Höschen, Socken und Leiberln behängt, dazwischen ein nackter Mann, der sich, dabei dreistimmig singend (laut, falsch und mit wachsender Begeisterung), Kübelweise Wasser über den Kopf schüttet. Und wieder niemand da, der fotografiert…. Was glaubt ihr wohl, ist passiert, als ich die Haare voller Schaum hatte? Riiiichtig, es kam Wind auf! Die blaue Blase schnell hoch, damit ja kein Windhauch verloren geht, Patras rückt langsam näher. Die riesigen Fähren allerdings auch. Wo wollen die bloß alle hin? Noch dazu so schnell….Es wird wieder einmal Nacht. Bravo Gerhard, gut gemacht…..Beim Einlaufen in den riesigen Hafen verliere ich endgültig das Vertrauen zu meiner elektronischen Seekarte, diese zeigt Molen an, wo gar keine sind. Ich verlasse mich auf meine Augen und die Hafenbeschreibung von ROD HEIKELL, taste mich vorsichtig hinein, finde zwar den Yachthafen, aber dort keinen Platz mehr. Alles gerammelt voll. Stört mich auch nicht mehr, ich lege mich mit Heckanker schräg zu einem Schwimmsteg, springe auf ein anderes Schiff und von dort an den Steg, wo ich mich verhefte. Zufällig gibt es dort Strom, dass ich sofort ausnutze. Wasser ist auch am Steg, eine Seltenheit in Griechenland. Morgen werde damit den Tank füllen. Hoffentlich ist es trinkbar….
Nur ins Internet kann ich nicht mehr gelangen, meine Verstärkerantenne ist leider kaputtgegangen. Sie hat das Hochziehen in den Mast nicht lange durchgehalten, der Mini – USB Anschluss ist an der Platine gebrochen. Schöner Schaden, nun bin ich auf Internetcafes angewiesen.
Es stinkt hier kräftig nach Abwasserkanal, der Lärm ist auch gewaltig, da der Yachthafen direkt neben einer „ Treffpunktmeile“ mit Tanzcafes liegt. Na gut, schließlich ist PATRAS die drittgrößte Stadt Griechenlands, da kann und soll schon was los sein. Die mächtige Hängebrücke, welche hier die Landenge zwischen dem Festland und dem Peloponnes überspannt, bietet mit ihren vier Pylonen, in der Nacht voll beleuchtet, einen grandiosen Anblick.
Etmal: 41,5sm, Position: N 38° 15,74’ / E021° 44,30’
Der Wind schläft ein, ich muss Motoren. Ich nutze die Zeit, um Wäsche zu waschen und ausgiebig Körperhygiene zu betreiben. Mein Schiff, mit wehenden Höschen, Socken und Leiberln behängt, dazwischen ein nackter Mann, der sich, dabei dreistimmig singend (laut, falsch und mit wachsender Begeisterung), Kübelweise Wasser über den Kopf schüttet. Und wieder niemand da, der fotografiert…. Was glaubt ihr wohl, ist passiert, als ich die Haare voller Schaum hatte? Riiiichtig, es kam Wind auf! Die blaue Blase schnell hoch, damit ja kein Windhauch verloren geht, Patras rückt langsam näher. Die riesigen Fähren allerdings auch. Wo wollen die bloß alle hin? Noch dazu so schnell….Es wird wieder einmal Nacht. Bravo Gerhard, gut gemacht…..Beim Einlaufen in den riesigen Hafen verliere ich endgültig das Vertrauen zu meiner elektronischen Seekarte, diese zeigt Molen an, wo gar keine sind. Ich verlasse mich auf meine Augen und die Hafenbeschreibung von ROD HEIKELL, taste mich vorsichtig hinein, finde zwar den Yachthafen, aber dort keinen Platz mehr. Alles gerammelt voll. Stört mich auch nicht mehr, ich lege mich mit Heckanker schräg zu einem Schwimmsteg, springe auf ein anderes Schiff und von dort an den Steg, wo ich mich verhefte. Zufällig gibt es dort Strom, dass ich sofort ausnutze. Wasser ist auch am Steg, eine Seltenheit in Griechenland. Morgen werde damit den Tank füllen. Hoffentlich ist es trinkbar….
Nur ins Internet kann ich nicht mehr gelangen, meine Verstärkerantenne ist leider kaputtgegangen. Sie hat das Hochziehen in den Mast nicht lange durchgehalten, der Mini – USB Anschluss ist an der Platine gebrochen. Schöner Schaden, nun bin ich auf Internetcafes angewiesen.
Es stinkt hier kräftig nach Abwasserkanal, der Lärm ist auch gewaltig, da der Yachthafen direkt neben einer „ Treffpunktmeile“ mit Tanzcafes liegt. Na gut, schließlich ist PATRAS die drittgrößte Stadt Griechenlands, da kann und soll schon was los sein. Die mächtige Hängebrücke, welche hier die Landenge zwischen dem Festland und dem Peloponnes überspannt, bietet mit ihren vier Pylonen, in der Nacht voll beleuchtet, einen grandiosen Anblick.
Etmal: 41,5sm, Position: N 38° 15,74’ / E021° 44,30’
Montag, 27. Oktober 2008
Von Ithaka zurück ans Festland
Genug von Ithaka gesehen. Ich segle rüber ans Festland, um schön langsam in den Golf von Korinth zu kommen. Am Anfang bewölkt, klart es bald auf, es wird ein wunderschöner Tag, wiederum schwach windig. So dümple ich wieder einmal als eine Art schwimmendes Verkehrshindernis quer über das Ionische Meer. Mehrere große Schwärme von Kormoranen kommen mir im Formationsflug entgegen, als sie mich als Hindernis erkennen bricht ihre schöne Flugordnung zusammen, wildes Geflatter und Ausweichmanöver finden rund um mein Schiff statt. So viele Kormorane auf einmal habe ich noch nie gesehen…..
Mehrmals überfliegen mich Kampfjets der griechischen Luftwaffe im Tiefflug. Ich glaube aber nicht, dass die mich gesucht haben….
Mit Mama telefoniert. Sie klingt sehr positiv, die Schmerzen ich ihrem Fuß sind fast ganz weg, etwas geschwollen dürfte er noch sein. Ich freue mich für sie!
Gegen Abend wird die Stimmung feierlich: Eine leichte, aber konstante Brise schiebt das Schiff seiner Ankerbucht entgegen, ruhig durchschneidet der scharfe Bug das blaue Wasser des ionischen Meeres. Keine Wellen kräuseln das Meer, eine fast unwirkliche Stille herrscht. Das Abendrot beleuchtet die nahende Küste mit einem milden Farbton, am Horizont zieht eine Fähre ihrem mir unbekannten Ziel entgegen. Ich umsegle das dem Kap Vorgelagerte Riff, weiter zu einer Windberuhigten Zone, berge dort die Segel, der Anker fällt bei zwei Meter Wassertiefe. Ich fahre den Anker in den weichen Schlickgrund ein, stecke fünfzehn Meter Kette und versorge das Schiff. Während die Sterne aufgehen und die Lichter an der Küste zu brennen beginnen, bereite ich mein Abendessen zu. Stille um mich herum. Ich bin wieder einmal gut angekommen. Bei Kerzenlicht und leiser Musik lasse ich den Tag Revue passieren. Es war ein guter Tag. Ich bin dankbar dafür und glücklich.
Etmal: 21sm, Position: N 38°23,04’ / E 021° 06,27’
Mehrmals überfliegen mich Kampfjets der griechischen Luftwaffe im Tiefflug. Ich glaube aber nicht, dass die mich gesucht haben….
Mit Mama telefoniert. Sie klingt sehr positiv, die Schmerzen ich ihrem Fuß sind fast ganz weg, etwas geschwollen dürfte er noch sein. Ich freue mich für sie!
Gegen Abend wird die Stimmung feierlich: Eine leichte, aber konstante Brise schiebt das Schiff seiner Ankerbucht entgegen, ruhig durchschneidet der scharfe Bug das blaue Wasser des ionischen Meeres. Keine Wellen kräuseln das Meer, eine fast unwirkliche Stille herrscht. Das Abendrot beleuchtet die nahende Küste mit einem milden Farbton, am Horizont zieht eine Fähre ihrem mir unbekannten Ziel entgegen. Ich umsegle das dem Kap Vorgelagerte Riff, weiter zu einer Windberuhigten Zone, berge dort die Segel, der Anker fällt bei zwei Meter Wassertiefe. Ich fahre den Anker in den weichen Schlickgrund ein, stecke fünfzehn Meter Kette und versorge das Schiff. Während die Sterne aufgehen und die Lichter an der Küste zu brennen beginnen, bereite ich mein Abendessen zu. Stille um mich herum. Ich bin wieder einmal gut angekommen. Bei Kerzenlicht und leiser Musik lasse ich den Tag Revue passieren. Es war ein guter Tag. Ich bin dankbar dafür und glücklich.
Etmal: 21sm, Position: N 38°23,04’ / E 021° 06,27’
Sonntag, 26. Oktober 2008
Nationalfeiertag in Österreich, die Sommerzeit ist zu Ende.
Man glaubt es kaum, aber die Fähre hatte von ca. 17:00 Uhr nachmittags bis heute 07:00 Uhr früh ununterbrochen die Maschine(n) laufen. Der dadurch tyrannisierten Bewohnerschaft der Stadt gehört mein Mitgefühl.
Es ist bewölkt und schwach windig. Ich glaube aber, dass sich das Wetter ändern wird, da das Schiff am Morgen nicht mehr mit Tau bedeckt ist. Wir werden sehen….
Lisa und Charly machen sich auf den Weg, ich mache noch klar Schiff und vertschüsse mich dann ebenfalls. Ich setzt die Segel, um sie nach einer Stunde wieder einzupacken: Schwache bis schwächste Winde aus allen Richtungen, stark drehend….. Na gut, dann eben nicht. Ich suche mir an der Küste der Insel eine nur nach Osten hin offene Bucht, da aus dieser Richtung die wenigsten Winde zu erwarten sind, lege mich dort vor Anker, drehe das Schiff mit dem Heckanker gegen die Wellen und verbringe einen gemütlichen Sonntag. Trotzdem verspüre ich leichte Unruhe in mir: Es ist schon viel zu lange nichts mehr passiert! Ich werde meine Wachsamkeit sicherheitshalber erhöhen. Man weiß ja nie…..
Die Bewölkung lockert auf, ich durchstreife die Insel, wandle somit auf Odysseus Spuren. Falls der Typ wirklich hier gelebt hat, verstehe ich nun voll und ganz, dass er damals mit seinen Saufkumpanen ein Schiff gechartert hat und jahrelang durchs Mittelmeer gezogen ist. Es ist zwar eine „grüne“ Insel, mit dem grün ist nur leider nichts anzufangen, da es faktisch nur aus undurchdringlichem Gestrüpp (Maccia) auf steinigem Untergrund besteht. Zudem ist das Eiland teilweise sehr steil und schroff, nur wenige Täler und Senken sind zum Ackerbau geeignet, Olivenbäume und Zypressen prägen das Bild, der Fischfang an der eher rauen Küste mit seinen zum Ankern oft ungünstigen Tiefen ein schwieriges Unterfangen. Schon Homer beschrieb es in seiner Odyssee / 4. Gesang, Vers 602 – 608 treffend:
„Aber in Ithaka fehlen zur Fahrt die Bahn und die Auen.
Geiß – Land ist es und holder zu schauen denn irgendein Rossland;
Bietet ein Eiland doch, das rings vom Meere bedrängt ist,
Rossen nur wenig Raum, und Ithaka minder denn alle.“
Abseits von „Mainstream“ leben die Menschen hier oft in sehr einfachen, bescheidenen, um nicht zu sagen ärmlichen, Verhältnissen. Die Infrastruktur in den peripheren Gebieten lässt meiner Meinung nach mehr als zu wünschen übrig. Ein Müllproblem ist allgegenwärtig, der Zustand der Kraftfahrzeuge mehr als abenteuerlich. Ich konnte Handwerker bei der Ausübung verschiedener Tätigkeiten beobachten und wundere mich seitdem, bei dem Einsatz der verwendeten Materialien, Hilfsmittel und Arbeitsmethoden, über gar nichts mehr…..
Etmal: 8sm, Position: N 38°22,32’ / E 020° 44,53’
Man glaubt es kaum, aber die Fähre hatte von ca. 17:00 Uhr nachmittags bis heute 07:00 Uhr früh ununterbrochen die Maschine(n) laufen. Der dadurch tyrannisierten Bewohnerschaft der Stadt gehört mein Mitgefühl.
Es ist bewölkt und schwach windig. Ich glaube aber, dass sich das Wetter ändern wird, da das Schiff am Morgen nicht mehr mit Tau bedeckt ist. Wir werden sehen….
Lisa und Charly machen sich auf den Weg, ich mache noch klar Schiff und vertschüsse mich dann ebenfalls. Ich setzt die Segel, um sie nach einer Stunde wieder einzupacken: Schwache bis schwächste Winde aus allen Richtungen, stark drehend….. Na gut, dann eben nicht. Ich suche mir an der Küste der Insel eine nur nach Osten hin offene Bucht, da aus dieser Richtung die wenigsten Winde zu erwarten sind, lege mich dort vor Anker, drehe das Schiff mit dem Heckanker gegen die Wellen und verbringe einen gemütlichen Sonntag. Trotzdem verspüre ich leichte Unruhe in mir: Es ist schon viel zu lange nichts mehr passiert! Ich werde meine Wachsamkeit sicherheitshalber erhöhen. Man weiß ja nie…..
Die Bewölkung lockert auf, ich durchstreife die Insel, wandle somit auf Odysseus Spuren. Falls der Typ wirklich hier gelebt hat, verstehe ich nun voll und ganz, dass er damals mit seinen Saufkumpanen ein Schiff gechartert hat und jahrelang durchs Mittelmeer gezogen ist. Es ist zwar eine „grüne“ Insel, mit dem grün ist nur leider nichts anzufangen, da es faktisch nur aus undurchdringlichem Gestrüpp (Maccia) auf steinigem Untergrund besteht. Zudem ist das Eiland teilweise sehr steil und schroff, nur wenige Täler und Senken sind zum Ackerbau geeignet, Olivenbäume und Zypressen prägen das Bild, der Fischfang an der eher rauen Küste mit seinen zum Ankern oft ungünstigen Tiefen ein schwieriges Unterfangen. Schon Homer beschrieb es in seiner Odyssee / 4. Gesang, Vers 602 – 608 treffend:
„Aber in Ithaka fehlen zur Fahrt die Bahn und die Auen.
Geiß – Land ist es und holder zu schauen denn irgendein Rossland;
Bietet ein Eiland doch, das rings vom Meere bedrängt ist,
Rossen nur wenig Raum, und Ithaka minder denn alle.“
Abseits von „Mainstream“ leben die Menschen hier oft in sehr einfachen, bescheidenen, um nicht zu sagen ärmlichen, Verhältnissen. Die Infrastruktur in den peripheren Gebieten lässt meiner Meinung nach mehr als zu wünschen übrig. Ein Müllproblem ist allgegenwärtig, der Zustand der Kraftfahrzeuge mehr als abenteuerlich. Ich konnte Handwerker bei der Ausübung verschiedener Tätigkeiten beobachten und wundere mich seitdem, bei dem Einsatz der verwendeten Materialien, Hilfsmittel und Arbeitsmethoden, über gar nichts mehr…..
Etmal: 8sm, Position: N 38°22,32’ / E 020° 44,53’
Samstag, 25. Oktober 2008
Vathy auf Ithaka
Wie schön, dass rund um die (große…) Bucht eine Strasse führt. Da kann man so richtig schön Motorrad fahren. Ich sag’ lieber nichts mehr…. Mitten in der Nacht haut es mich aus der Koje: Eine riesige Fähre ist nach FATHY hereingekommen und hat ihren (gewiss nicht kleinen) Anker geschmissen. Das Gepoltere der, dem Anker zwangsweise nachfolgenden, Ankerkette war enorm. Eigentlich müsste die ganze Stadt munter geworden sein. Na ja, vielleicht gibt es ja in ungefähr neun Monaten deshalb einen Babyboom hier…. Die Fähre hatte natürlich Festbeleuchtung wie ein Christbaum am heiligen Abend und ihre Maschine(n) stundenlang laufen. Kann mich aber nicht mehr ärgern, ich habe ja für solche Fälle genügend Ohropax mit. Die Kameraden des Odysseus mussten sich zu diesem Zwecke noch Wachs in die Ohren träufeln, um dem Gesang der Sirenen zu entgehen! Einen, allerdings entscheidenden, Nachteil haben besagte Ohropax, daher setze ich sie nur extrem selten ein: Wenn Wind aufkommt oder sonstige Gefahr droht, schlummere ich mit ihnen in den Ohren ahnungslos weiter, während ich ohne diese Gehörgangschalldämpfer längst munter geworden wäre und eventuell notwendig gewordene Maßnahmen hätte ergreifen können.
Ansonsten eine problemlose Nacht, den Ankerplatz habe ich in der Dunkelheit gar nicht mal so schlecht gewählt, ich bleibe gleich so liegen. Nach einem opulenten Frühstück habe ich die Stadt besichtigt. Diese wurde 1953 durch ein Erdbeben fast vollständig zerstört, daher wurde der größte Teil davon um den Hafen herum zwar neu, aber nicht besonders attraktiv wieder aufgebaut. In den Seitengassen stehen teilweise noch Ruinen, die nicht wieder aufgebaut wurden. Es gibt hier in der Stadt ein kleines archäologisches Museum, welches ich besichtigen möchte. Es bleibt beim „möchte“, denn das Objekt meiner Begierde war ohne Angabe von Öffnungszeiten geschlossen…Die Wassertankstelle war ebenfalls geschlossen….an einer Bäckerei hing ein großes Schild - „Open“ – natürlich war diese ebenfalls geschlossen…..eine teilfertige „Marina“, sprich eine eher ungeschützte Mole, gibt es hier auch, natürlich ohne Mooringleinen, Wasser und WC und die Stromkästen stehen auch nur als Attrappen herum. Bitte, bitte, nervt mich nicht!
Ich verlege meinen Nachen an den Stadtkai, damit ich den, an einer ca. fünfhundert Meter von besagtem Kai entfernten Straßentankstelle, neu befüllten Benzinkanister nicht so weit zu schleppen brauche. Dabei bewährt sich meine in Preveza angeschaffte Klein – Rodel hervorragend. Ich ergänze meine Vorräte und lerne dabei Lisa und Charly Bohne kennen, die mit ihrer Bavaria „BOMIKA“ ebenfalls eine große Reise absolvieren und auf dem Weg via Westküste des Peloponnes in Richtung Kreta unterwegs sind. Zusammen verbringen wir einige nette Stunden, dann trennen sich unsere Wege wieder. Alles Gute und viel Glück, euch Beiden! Hier ihre Internetpräsenz:
www.bomika-sailing.com
Tina und Michi liegen zwischenzeitlich sicher auf den Kanaren, Michi sendet mir Angebote von größeren Schiffen, die mir gefallen könnten. Danke dafür! Ich weiß, du machst dir Sorgen wegen der Seetüchtigkeit meiner Lustbarke!
Ich fahre zum Scheitel der Bucht, lege mich neben der „BOMIKA“ vor Anker und lege mir gleich die Ohropax zurecht, da die Fähre bereits wieder eingelaufen ist….
Ansonsten eine problemlose Nacht, den Ankerplatz habe ich in der Dunkelheit gar nicht mal so schlecht gewählt, ich bleibe gleich so liegen. Nach einem opulenten Frühstück habe ich die Stadt besichtigt. Diese wurde 1953 durch ein Erdbeben fast vollständig zerstört, daher wurde der größte Teil davon um den Hafen herum zwar neu, aber nicht besonders attraktiv wieder aufgebaut. In den Seitengassen stehen teilweise noch Ruinen, die nicht wieder aufgebaut wurden. Es gibt hier in der Stadt ein kleines archäologisches Museum, welches ich besichtigen möchte. Es bleibt beim „möchte“, denn das Objekt meiner Begierde war ohne Angabe von Öffnungszeiten geschlossen…Die Wassertankstelle war ebenfalls geschlossen….an einer Bäckerei hing ein großes Schild - „Open“ – natürlich war diese ebenfalls geschlossen…..eine teilfertige „Marina“, sprich eine eher ungeschützte Mole, gibt es hier auch, natürlich ohne Mooringleinen, Wasser und WC und die Stromkästen stehen auch nur als Attrappen herum. Bitte, bitte, nervt mich nicht!
Ich verlege meinen Nachen an den Stadtkai, damit ich den, an einer ca. fünfhundert Meter von besagtem Kai entfernten Straßentankstelle, neu befüllten Benzinkanister nicht so weit zu schleppen brauche. Dabei bewährt sich meine in Preveza angeschaffte Klein – Rodel hervorragend. Ich ergänze meine Vorräte und lerne dabei Lisa und Charly Bohne kennen, die mit ihrer Bavaria „BOMIKA“ ebenfalls eine große Reise absolvieren und auf dem Weg via Westküste des Peloponnes in Richtung Kreta unterwegs sind. Zusammen verbringen wir einige nette Stunden, dann trennen sich unsere Wege wieder. Alles Gute und viel Glück, euch Beiden! Hier ihre Internetpräsenz:
www.bomika-sailing.com
Tina und Michi liegen zwischenzeitlich sicher auf den Kanaren, Michi sendet mir Angebote von größeren Schiffen, die mir gefallen könnten. Danke dafür! Ich weiß, du machst dir Sorgen wegen der Seetüchtigkeit meiner Lustbarke!
Ich fahre zum Scheitel der Bucht, lege mich neben der „BOMIKA“ vor Anker und lege mir gleich die Ohropax zurecht, da die Fähre bereits wieder eingelaufen ist….
Freitag, 24. Oktober 2008
Von Onassis zu Odysseus....
In der Nacht blieb es ruhig, ein herrlicher Tag beginnt. Ich segle wieder weiter nach Süden, an der Privatinsel der Onassis’, SKORPIOS, vorbei. Dort, an der Südwestseite befindet sich auch jenes einsame, kleine Strandhaus, das Jackie Onassis so liebte. Der schlichte, in Blau / Weiß gehaltene Bau mit dem kleinen Sandstrand davor würde mir auch gut gefallen. Ich versuche, durch die Enge zwischen der Insel LEVKAS und der Insel MEGANISION Hochzukreuzen. Diese Meerenge, STENON MEGANISIOU genannt, ist angeblich eine der schönsten Passagen des ionischen Meeres. Ich kann sie nur nicht richtig genießen, da der Wind genau gegenan steht und ich alle Hände voll zu tun habe, bei dem launisch drehenden Wind. Eine elende Plackerei, die nicht viel bringt. Leicht genervt werfe ich nach zwei Stunden den Motor an, um von der Küste freizukommen und auf bessere Winde zu stoßen. Es gelingt – ich kann bis zur Insel ITHAKA segeln. Natürlich schaffe ich es wiederum, in der Nacht in die Bucht von VAHTY einzulaufen….. Es ist immer wieder spannend, in einer unbekannten Bucht, von der man aber weiß, dass darin mindestens eine unbeleuchtete Tonne lauert, in der Dunkelheit einen Ankerplatz für die Nacht zu suchen. Diesmal hat mich noch dazu meine elektronische Seekarte im Stich gelassen: In der Einfahrt wäre ich, der Karte folgend, voll auf den Strand geknallt. Das muss ich genau untersuchen, dieser Fehler darf nicht sein, der könnte mir das nächste Mal das Schiff kosten!! In einer ruhigen Ecke, zwischen Bojen und verschiedenen Kleinwasserfahrzeugen gehe ich vor Anker, morgen suche ich mir dann einen „richtigen“ Patz, denn ich möchte mir die Insel, auf der ODYSSEUS gelebt haben soll, ein bisschen anschauen. Schließlich haben wir beide ja etwas gemeinsam: Wir irren durch das Mittelmeer!!!
Fest in Vahty um 20:10
Etmal: 29sm, Position: N 38° 22,38’ / E 020° 42,78’
Fest in Vahty um 20:10
Etmal: 29sm, Position: N 38° 22,38’ / E 020° 42,78’
Mittwoch, 22. Oktober 2008
Es ist anscheinend ein Naturgesetz, dass jene Fischer, die am frühesten aus dem Hafen fahren, die lautesten Motoren haben. Ansonsten ruhige Nacht, niemand verjagt mich. Der „alte Schwede“, Stig sein Name, zeigt mir seine als Altteilen gebastelte „Privatdusche“, die er an einen öffentlichen Wasserhahn anschließt. Irre Konstruktion, der Mann wird mir immer sympathischer. Noch dazu hat er einen herzigen, fünf Monate alten Hund. Er lebt seit acht Jahren hier in Griechenland, teilweise auf seinem Boot, teilweise in einem Wohnwagen, welcher am Beginn des Kais steht. Irgendwie geht’s bei ihm arg chaotisch zu. Gleichzeitig ist er so eine Art Stegmechaniker / Booteaufpasser, den der Steg, an dem ich zufällig gelandet bin, ist fest in schwedischer Hand. Von seiner Sammlung an altertümlichen Fahrrädern kann ich mir eines ausborgen, um meine Einkäufe besser erledigen zu können. Das möchte ich gleich dazu ausnutzen, um die altrömischen Ausgrabungen von NIKOPOLIS (nicht zu verwechseln mit Metropolis, das war eine andere Geschichte…) zu besichtigen. Zur Erinnerung: Octavianus, der spätere Kaiser Augustus, ließ diese Stadt zur Erinnerung an seinem Sieg bei der Seeschlacht von AKTIUM (liegt in der Ansteuerung von PREVEZA) über Marcus Antonius (der Haberer von der hübschen Ägypterin Kleopatra, die während der Schlacht mit ihren Schiffen abhaute) erbauen. Das war so um 31 v. Chr. Hier verbrachte der Apostel Paulus einen Winter. Gegen Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr. Wurde die Stadt von den Goten unter Alerich zerstört. Mit dem Mitleidserregenden, verrosteten, quietschenden und halb auf der Felge daherkommenden Dreigangbike machte ich mich auf den Weg. Ein Spießrutenlauf zwischen Lkws, meinen Freunden den Mopeds, in zweiter Spur abgestellter Pkws, Schlaglöchern und unleserlichen Straßenschildern begann. Es wurde ein herrlicher Tag! Das Wetter passte, niemand fuhr mich über den Haufen, die Ausgrabungen waren auch so la la. Bei der Rückfahrt kaufte ich mir noch so einen kleinen, zusammenlegbaren Handwagen für den Benzinkanistertransport, damit ist dieses Problem auch gelöst.
Dienstag, 21. Oktober 2008
Vom Lärm der Motorräder und eines laufenden Aggregates genervt, aber sonst ungestörte Nacht. Der Wind hat auf NO gedreht, bleibt aber sehr, sehr schwach. Ein schöner Tag beginnt. Ich beschließe für mich, doch Benzin zu bunkern, da die nächste Versorgungsstation einfach zu weit entfernt ist. Sicherheit geht eben vor, überhaupt in einem Revier, wo man noch nie war und vor Überraschungen nicht sicher sein kann. Außerdem schadet ein bisschen Muskeltraining nicht, ganz im Gegenteil. Hab’ ich meinen Kunden schließlich auch immer gesagt. Gott, ist das schon lange her! Übrigens streiken heute die Fluglinien, etc. Na hoffentlich hat wenigstens die Tankstelle offen….. Ich bringe an meinem 20 Liter Blechkanister rucksackähnliche Tragegurte (Die von meinem Laptop Rucksack – Fürnweger Peter sei dafür nochmals gedankt!) mit ein paar Schnürln und Karabiner an und rudere an Land. Frohen Mutes mache mich auf die Socken, in der Hoffnung, dass die Tankstelle nicht bestreikt wird. Ich habe Glück, sie wird es nicht. Ich schultere meinen nun vollen Kanisterrucksack und marschiere zurück. Das System bewährt sich so gut, dass ich gleich noch einmal gehe. Zwischenzeitlich grüssen mich am Weg die Einheimischen schon, wenn ich, unter der Last meiner Bürde ächzend, keuchend und schwitzend, vorbeischlurfe. Bei einer Schule bemerke ich, leicht überrascht und konsterniert, wie im Schulhofareal klassenweise, und offensichtlich unter Anleitung des Lehrpersonals, die Kids kommandomässig marschieren und exerzieren. Fast im Stechschritt… Hä? In welcher Zeit leben die hier eigentlich? Im Zeitalter der EU und der Völkerverständigung sollte doch so etwas längst der Vergangenheit angehören?? Nachdenklich geworden bringe ich das mühsam transportierte Benzin an Bord, mache das Schiff startklar und verziehe mich. Das Städtchen an sich hat mir gut gefallen, nur der Lärm war mir etwas zu viel.
Ich nehme wieder Kurs Richtung Süden, der Küste entlang, schneide großräumig Buchten ab und kann zeitweise sogar den Blister setzen. Leider ist nach einiger Zeit wieder Schluss mit lustig, die „eiserne Genua“, mein braver (bisher…) Motor muss wieder ran. Ist ja keine Kunst, Benzin ist ja nun genug vorhanden. Geh sparsam damit um, mein Freund, einiges an Müh und Plag steht hinter seiner Beschaffung!
Während ich diese Zeilen schreibe brennt mir die Sonne auf den Rücken, die Küste gleitet langsam vorbei, ich sitze nackt am Vorschiff, nuckle an einem Softdrink, eine sanfte Brise umschmeichelt meinen nahtlos braungebrannten Körper und ich fühle mich, sorry, sauwohl….
Das dürfte Äolus, der Gott der Winde, gehört haben, denn er nimmt sich meiner an und schickt mir sofort einen kräftigen Westwind, der meinen Blister ordentlich füllt und mich bei fünf bis sechs Knoten Fahrt gehörig fordert. Nix ist mehr mit nackig am Vorschiff, stattdessen ist nun ein kräftiges und gefühlvolles Handerl an der Pinne gefragt. Es wird Nacht, ein traumhafter Sonnenuntergang macht mein Herz weit. Ich steuere die Einfahrt von PREVEZA, das liegt am Beginn des AMBRAKISCHEN GOLFES, unter Blister an. Ein Traum für jeden Segler! Die schwierige Einfahrt, gut betonnt aber technisch gefinkelt, fahre ich mit Hilfe der digitalen Seekarte meines Laptops durch – alles unter Blister. Ich bin so was von aufgekratzt, dass ich erst ganz kurz vor der Marina das Segel berge. In derselben drehe ich dann eine Runde, bevor ich ein Platzerl finde. Ein perfektes Anlegemanöver bei Dunkelheit, denn der Mond ist noch nicht aufgegangen, beschließt einen herrlichen Segeltag. Personal zeigt sich keines, morgen wird mich halt jemand verjagen oder eben auch nicht. Warten wir es ab. Ein schwedischer Skipper, wie sich später herausstellt im wahrsten Sinne ein „alter Schwede“, erklärt mir, dass es hier keine Duschen und an diesem Steg auch keinen Strom gibt. Na bravo. Egal, jetzt will ich erst mal schlafen. Geschützt liege ich ja, allerdings stinkt es erbärmlich nach Heizöl und ein Aggregat läuft auch in der Nähe. Zum Glück habe ich Ohropax mit!
Etmal: 28,5sm, Position: N 38° 57,60’ / E 020° 45,43’
Ich nehme wieder Kurs Richtung Süden, der Küste entlang, schneide großräumig Buchten ab und kann zeitweise sogar den Blister setzen. Leider ist nach einiger Zeit wieder Schluss mit lustig, die „eiserne Genua“, mein braver (bisher…) Motor muss wieder ran. Ist ja keine Kunst, Benzin ist ja nun genug vorhanden. Geh sparsam damit um, mein Freund, einiges an Müh und Plag steht hinter seiner Beschaffung!
Während ich diese Zeilen schreibe brennt mir die Sonne auf den Rücken, die Küste gleitet langsam vorbei, ich sitze nackt am Vorschiff, nuckle an einem Softdrink, eine sanfte Brise umschmeichelt meinen nahtlos braungebrannten Körper und ich fühle mich, sorry, sauwohl….
Das dürfte Äolus, der Gott der Winde, gehört haben, denn er nimmt sich meiner an und schickt mir sofort einen kräftigen Westwind, der meinen Blister ordentlich füllt und mich bei fünf bis sechs Knoten Fahrt gehörig fordert. Nix ist mehr mit nackig am Vorschiff, stattdessen ist nun ein kräftiges und gefühlvolles Handerl an der Pinne gefragt. Es wird Nacht, ein traumhafter Sonnenuntergang macht mein Herz weit. Ich steuere die Einfahrt von PREVEZA, das liegt am Beginn des AMBRAKISCHEN GOLFES, unter Blister an. Ein Traum für jeden Segler! Die schwierige Einfahrt, gut betonnt aber technisch gefinkelt, fahre ich mit Hilfe der digitalen Seekarte meines Laptops durch – alles unter Blister. Ich bin so was von aufgekratzt, dass ich erst ganz kurz vor der Marina das Segel berge. In derselben drehe ich dann eine Runde, bevor ich ein Platzerl finde. Ein perfektes Anlegemanöver bei Dunkelheit, denn der Mond ist noch nicht aufgegangen, beschließt einen herrlichen Segeltag. Personal zeigt sich keines, morgen wird mich halt jemand verjagen oder eben auch nicht. Warten wir es ab. Ein schwedischer Skipper, wie sich später herausstellt im wahrsten Sinne ein „alter Schwede“, erklärt mir, dass es hier keine Duschen und an diesem Steg auch keinen Strom gibt. Na bravo. Egal, jetzt will ich erst mal schlafen. Geschützt liege ich ja, allerdings stinkt es erbärmlich nach Heizöl und ein Aggregat läuft auch in der Nähe. Zum Glück habe ich Ohropax mit!
Etmal: 28,5sm, Position: N 38° 57,60’ / E 020° 45,43’
Montag, 20. Oktober 2008
Ungestörte Nacht, ich will weg von dem Kaff hier und schaue, dass ich Raum nach Süden machen kann. Unter Maschine, da (wieder einmal….) kein Wind. Dieser Küstenabschnitt gefällt mir sehr, er ist stark gegliedert, steil, felsig und doch stark bewachsen, von kleinen, fast intim anmutenden Sandstränden aufgelockert. Ich komme bis PARGA, einem Touristenort mit (noch) griechischem Flair. Es herrscht herrliches Wetter, es ist heiß. Ich lege mich vor Anker und kontrolliere durch mehrere Tauchgänge mein Unterwasserschiff auf Schäden: Im Bugbereich backbordseitig im Unterwasserbereich finde ich einige böse, tiefe Kratzer, die tun weh. Die vordere Kielunterkante schaut ziemlich „angebumst“ und zerkratzt aus, was aber nicht weiter tragisch ist. Die Rudervorderkante / unten zerkratzt, auch weiter nicht tragisch. Ruderwelle nicht verbogen, Ruder leichtgängig. Nach wie vor kein Wassereintritt im Ruderlagerbereich. Alles in allem bin ich noch einmal gut davongekommen. Keine gravierenden oder „lebensbedrohlichen“ Beschädigungen, bei der nächsten Antifoulingerneuerung werden diese Schäden repariert.
Es gibt hier einen wunderschönen, sehr langen Sandstrand und ein altes Kastell normannischen Ursprungs - was haben denn die hier verloren gehabt ?? Angeblich erbaut um 1337. Die Venezianer, Franzosen, Briten und Ali Pasha (keine Ahnung wer das war, angeblich war er sehr berüchtigt – warum weiß ich auch nicht) residierten darin. Jetzt war ich da und habe mir beim Anblick des gigantischen, halbwegs geometrisch angelegten Steinhaufens Gedanken über die Diskrepanz der Etats von Wehrausgaben und Sozialleistungen, auch schon in Altväterzeit, gemacht. Es hat sich anscheinend nichts geändert….
Der Anzahl der Lokale, Pensionen und Hotels nach zu schließen muss in der Saison hier die Hölle los sein. Auch hier wieder die, anscheinend unvermeidlich lauten, Mopeds / Motorräder mit ihren Kamikazepiloten. Durch so viele winkelige und schmale Gässchen, bergauf, bergab, bin ich schon lange nicht mehr gelatscht. Eine Tankstelle habe ich gefunden, leider fast einen Kilometer von meinem Schiff entfernt. Also kein Benzin. Schön langsam wird er knapp…. Ich muss mir so ein kleines, zusammenlegbares Transportwagerl oder einen dieser, vor kurzem bei uns noch toppaktuellen, klappbaren Roller als Transportmittel besorgen, denn mit Tankstellen am Wasser sieht es in Griechenland mehr als schlecht aus.
Im Gegensatz zu Kroatien sind die Olivenbäume hier wesentlich größer (und wahrscheinlich auch älter) Für die Ernte der Oliven werden große, schwarze Kunststoffnetze unter den Bäumen ausgelegt. Nach der Ernte verbleiben besagte Netze beim Baum, sie werden nur etwas zusammengebunden.
Etmal: 14,5sm, Position: N 39° 16,95’ / E 020° 24,23’
Es gibt hier einen wunderschönen, sehr langen Sandstrand und ein altes Kastell normannischen Ursprungs - was haben denn die hier verloren gehabt ?? Angeblich erbaut um 1337. Die Venezianer, Franzosen, Briten und Ali Pasha (keine Ahnung wer das war, angeblich war er sehr berüchtigt – warum weiß ich auch nicht) residierten darin. Jetzt war ich da und habe mir beim Anblick des gigantischen, halbwegs geometrisch angelegten Steinhaufens Gedanken über die Diskrepanz der Etats von Wehrausgaben und Sozialleistungen, auch schon in Altväterzeit, gemacht. Es hat sich anscheinend nichts geändert….
Der Anzahl der Lokale, Pensionen und Hotels nach zu schließen muss in der Saison hier die Hölle los sein. Auch hier wieder die, anscheinend unvermeidlich lauten, Mopeds / Motorräder mit ihren Kamikazepiloten. Durch so viele winkelige und schmale Gässchen, bergauf, bergab, bin ich schon lange nicht mehr gelatscht. Eine Tankstelle habe ich gefunden, leider fast einen Kilometer von meinem Schiff entfernt. Also kein Benzin. Schön langsam wird er knapp…. Ich muss mir so ein kleines, zusammenlegbares Transportwagerl oder einen dieser, vor kurzem bei uns noch toppaktuellen, klappbaren Roller als Transportmittel besorgen, denn mit Tankstellen am Wasser sieht es in Griechenland mehr als schlecht aus.
Im Gegensatz zu Kroatien sind die Olivenbäume hier wesentlich größer (und wahrscheinlich auch älter) Für die Ernte der Oliven werden große, schwarze Kunststoffnetze unter den Bäumen ausgelegt. Nach der Ernte verbleiben besagte Netze beim Baum, sie werden nur etwas zusammengebunden.
Etmal: 14,5sm, Position: N 39° 16,95’ / E 020° 24,23’
Sonntag, 19. Oktober 2008
Ungestörte Nacht, leider Null Wind, der Himmel ist bewölkt, ich lege einen Wander – u. Servicetag ein. Die Gegend hier ist nicht beredenswert, der Ort auch nicht.
Als Entschädigung biete ich einen (tatsächlich passierten) Schwank aus meinem „früheren“ Leben an:
Grüß Euch!
Ich sag Euch, ich bin ja so was von frustriert. Das letzte Mal bin ich vor ca. 18 Jahren mit einer „Mayflower“ - Jolle bei Split gekentert, und jetzt das. Also, es war vorletzten Donnerstag (hab’ erst jetzt genügend Zeit für eine Beichte), als es bei uns im Wald4tel ganz schön aus Nordwest blies. Also nichts wie raus zum Stausee. Meine Lieblingsfrau wollte zwar mit, musste aus familiären Gründen aber dann doch abwinken. Eine Delphino war bald aufgetakelt, aber dann kam es, wie es kommen musste: Nach einigen Kabellängen schlief der Wind ganz einfach ein, dafür näherte sich eine ziemlich große und dunkle Wolke, deren Geschwindigkeit und Inhalt ich leider ganz gewaltig falsch einschätzte. Meine Stimmung sank auf null, so wie der Wind. Mist, dachte ich, kein Wind, aber dafür werde ich waschelnass. Das hab’ ich wieder notwendig gehabt. Der Gedanke war noch nicht zu Ende gedacht, als mich die erste Böe gleichzeitig mit einem heftig einsetzenden Regenschauer erwischte. Aber wie!! Meine 85 Kilo Kampfgewicht ( Tendenz leicht steigend…. ) reichten gerade noch einmal aus, das anscheinend nicht ganz gut durchkonstruierte Kleinwasserfahrzeug in den Wind zu drehen und aufzurichten, obwohl die Baumnock schon durchs Wasser gezogen wurde. Und dann kam es zu einem fatalen Denkfehler meinerseits: In mir jubelte eine Stimme: „Endlich Wind, los, abfallen und die Schot dicht, dann geht die Post ab!!!“ Was ich dann auch prompt tat….. Die zweite Stimme, die entsetzt „ mach das ja nicht, du Blödel“ aufschrie, hörte ich leider zu spät, denn da hatte mich die zweite Böe schon flach gelegt. Sch…., bloß nicht durchkentern, durchzuckte es mich. Also die Beine über die Bordwand geschwungen und schnell raus aufs Schwert….. Dass da aber leider gar kein Schwert mehr da war merkte ich erst, als ich haltlos in den braunen Fluten des Ottensteiner Stausees kurzfristig versank. Als Brillenträger immer eine blöde Situation. Anscheinend hatte ich das Schwertfall nicht fest genug in seine Kammklemme gedrückt, daher war das damit verbundene Schwert beim Kentern in den Bootsboden verschwunden. Hilflos musste ich mit ansehen, wie sich die Jolle nun langsam, fast majestätisch, in die stabile Rückenlage drehte. Während der Regen wie wild auf mein graues (und nun auch patschnasses) Haupt trommelte und der Wind heulte und pfiff drängte sich mir die Frage auf, ob ich das in meinem Alter noch notwendig hätte…Na ja, wenigstens war das Wasser halbwegs warm. Nach dem bei den herrschenden Verhältnissen an ein Aufrichten der Jolle nicht zu denken war, schnappte ich mir die Vorleine und schwamm, das Boot hinter mir herziehend, zu einem nahe gelegenen Steg, wo die Wassertiefe ausreichend war, um den Mast nicht zu beschädigen. Dann schwamm ich zu einer anderen Jolle hinaus, welche ebenfalls durchgekentert war, um zu helfen. Zwischenzeitlich war die Gewitterfront durchgezogen und Franz, unser „Vercharterer“ kam uns, trotz seinem verletzten und bandagierten Knie, mit seinem Gummiwutzler zu Hilfe. Wir mussten allerdings unter die Boote tauchen, um zu den Schwertfallen zu gelangen und die Schwerter ausfahren zu können. Wie gesagt, mit meinem Nasenfahrrad irgendwie eine unangenehme Angelegenheit. Das Aufrichten verlief dann planmäßig, nur der Wind war (natürlich…) wieder einmal eingeschlafen, darum schleppte uns Franz motorisch zum Steg zurück. Segel abgeschlagen und zum Trocknen unters Dach gebracht, mit dem Nasssauger die Jollen leergesaugt, noch schnell einen heißen Kaffee hinter die bibbernde Binde gegossen, dann ab nach Hause. Gefroren hat es mich wie einen nassen Hund, wie man bei uns so sagt. Meine Lieblingsfrau richtete mich dann freundlicherweise wieder moralisch auf, und nach einer ausgiebigen heißen Dusche habe ich diesem kippeligen und übertakelten Kunststoffgebilde Rache geschworen, denn beim nächsten Mal werde ich ihm kompromisslos und beinhart zeigen, wer hier der Herr in der Jolle ist, bei meiner Ehr’……
Die Geschichte birgt aber noch einige Feinheiten:
1.: Erstaunlicher Weise funktioniert die Fernsteuerung meines Pkws weiterhin einwandfrei, obwohl sie ja eine halbe Stunde unter Wasser war…
2.: Nachdem ich nasse Kleider am Körper nicht mag, hab' ich die Klamotten in den Kofferraum gelegt und bin nackt, nur mit Sandalen und Sicherheitsgurt bekleidet, nach Hause gefahren. Nicht auszumalen, wenn ich in eine Polizeikontrolle geraten wäre.... Ich sehe die Schlagzeilen vor meinem geistigen Auge: "einem fünfzigjährigen Wüstling konnte im Waldviertel das Handwerk gelegt werden. Der bisher als unbescholten bekannte Gerhard K. wurde völlig (!!!) nackt am Steuer seines Pkws angetroffen. Der durchnässte und offenbar unter Schock stehende Mann versuchte den Diensthabenden Beamten eine unglaubwürdige Geschichte aufzutischen, in der angeblich äußerst widrige Umstände sein Verhalten rechtfertigen sollen. Die Behörden ermitteln weiter und bitten eventuelle Augenzeugen, sich zu melden. Vertraulichkeit wird zugesagt..... "
Glücklicherweise bin ich "unertappt" zu Hause angelangt, und dank des elektrischen Garagentorantriebes konnte nicht einmal die Nachbarschaft einen negativen Eindruck von mir bekommen......
…….Ist schon einige Zeit her, diese Geschichte, denn meine „Lieblingsfrau“ ist schon lange nicht mehr meine „Lieblingsfrau“……
Als Entschädigung biete ich einen (tatsächlich passierten) Schwank aus meinem „früheren“ Leben an:
Grüß Euch!
Ich sag Euch, ich bin ja so was von frustriert. Das letzte Mal bin ich vor ca. 18 Jahren mit einer „Mayflower“ - Jolle bei Split gekentert, und jetzt das. Also, es war vorletzten Donnerstag (hab’ erst jetzt genügend Zeit für eine Beichte), als es bei uns im Wald4tel ganz schön aus Nordwest blies. Also nichts wie raus zum Stausee. Meine Lieblingsfrau wollte zwar mit, musste aus familiären Gründen aber dann doch abwinken. Eine Delphino war bald aufgetakelt, aber dann kam es, wie es kommen musste: Nach einigen Kabellängen schlief der Wind ganz einfach ein, dafür näherte sich eine ziemlich große und dunkle Wolke, deren Geschwindigkeit und Inhalt ich leider ganz gewaltig falsch einschätzte. Meine Stimmung sank auf null, so wie der Wind. Mist, dachte ich, kein Wind, aber dafür werde ich waschelnass. Das hab’ ich wieder notwendig gehabt. Der Gedanke war noch nicht zu Ende gedacht, als mich die erste Böe gleichzeitig mit einem heftig einsetzenden Regenschauer erwischte. Aber wie!! Meine 85 Kilo Kampfgewicht ( Tendenz leicht steigend…. ) reichten gerade noch einmal aus, das anscheinend nicht ganz gut durchkonstruierte Kleinwasserfahrzeug in den Wind zu drehen und aufzurichten, obwohl die Baumnock schon durchs Wasser gezogen wurde. Und dann kam es zu einem fatalen Denkfehler meinerseits: In mir jubelte eine Stimme: „Endlich Wind, los, abfallen und die Schot dicht, dann geht die Post ab!!!“ Was ich dann auch prompt tat….. Die zweite Stimme, die entsetzt „ mach das ja nicht, du Blödel“ aufschrie, hörte ich leider zu spät, denn da hatte mich die zweite Böe schon flach gelegt. Sch…., bloß nicht durchkentern, durchzuckte es mich. Also die Beine über die Bordwand geschwungen und schnell raus aufs Schwert….. Dass da aber leider gar kein Schwert mehr da war merkte ich erst, als ich haltlos in den braunen Fluten des Ottensteiner Stausees kurzfristig versank. Als Brillenträger immer eine blöde Situation. Anscheinend hatte ich das Schwertfall nicht fest genug in seine Kammklemme gedrückt, daher war das damit verbundene Schwert beim Kentern in den Bootsboden verschwunden. Hilflos musste ich mit ansehen, wie sich die Jolle nun langsam, fast majestätisch, in die stabile Rückenlage drehte. Während der Regen wie wild auf mein graues (und nun auch patschnasses) Haupt trommelte und der Wind heulte und pfiff drängte sich mir die Frage auf, ob ich das in meinem Alter noch notwendig hätte…Na ja, wenigstens war das Wasser halbwegs warm. Nach dem bei den herrschenden Verhältnissen an ein Aufrichten der Jolle nicht zu denken war, schnappte ich mir die Vorleine und schwamm, das Boot hinter mir herziehend, zu einem nahe gelegenen Steg, wo die Wassertiefe ausreichend war, um den Mast nicht zu beschädigen. Dann schwamm ich zu einer anderen Jolle hinaus, welche ebenfalls durchgekentert war, um zu helfen. Zwischenzeitlich war die Gewitterfront durchgezogen und Franz, unser „Vercharterer“ kam uns, trotz seinem verletzten und bandagierten Knie, mit seinem Gummiwutzler zu Hilfe. Wir mussten allerdings unter die Boote tauchen, um zu den Schwertfallen zu gelangen und die Schwerter ausfahren zu können. Wie gesagt, mit meinem Nasenfahrrad irgendwie eine unangenehme Angelegenheit. Das Aufrichten verlief dann planmäßig, nur der Wind war (natürlich…) wieder einmal eingeschlafen, darum schleppte uns Franz motorisch zum Steg zurück. Segel abgeschlagen und zum Trocknen unters Dach gebracht, mit dem Nasssauger die Jollen leergesaugt, noch schnell einen heißen Kaffee hinter die bibbernde Binde gegossen, dann ab nach Hause. Gefroren hat es mich wie einen nassen Hund, wie man bei uns so sagt. Meine Lieblingsfrau richtete mich dann freundlicherweise wieder moralisch auf, und nach einer ausgiebigen heißen Dusche habe ich diesem kippeligen und übertakelten Kunststoffgebilde Rache geschworen, denn beim nächsten Mal werde ich ihm kompromisslos und beinhart zeigen, wer hier der Herr in der Jolle ist, bei meiner Ehr’……
Die Geschichte birgt aber noch einige Feinheiten:
1.: Erstaunlicher Weise funktioniert die Fernsteuerung meines Pkws weiterhin einwandfrei, obwohl sie ja eine halbe Stunde unter Wasser war…
2.: Nachdem ich nasse Kleider am Körper nicht mag, hab' ich die Klamotten in den Kofferraum gelegt und bin nackt, nur mit Sandalen und Sicherheitsgurt bekleidet, nach Hause gefahren. Nicht auszumalen, wenn ich in eine Polizeikontrolle geraten wäre.... Ich sehe die Schlagzeilen vor meinem geistigen Auge: "einem fünfzigjährigen Wüstling konnte im Waldviertel das Handwerk gelegt werden. Der bisher als unbescholten bekannte Gerhard K. wurde völlig (!!!) nackt am Steuer seines Pkws angetroffen. Der durchnässte und offenbar unter Schock stehende Mann versuchte den Diensthabenden Beamten eine unglaubwürdige Geschichte aufzutischen, in der angeblich äußerst widrige Umstände sein Verhalten rechtfertigen sollen. Die Behörden ermitteln weiter und bitten eventuelle Augenzeugen, sich zu melden. Vertraulichkeit wird zugesagt..... "
Glücklicherweise bin ich "unertappt" zu Hause angelangt, und dank des elektrischen Garagentorantriebes konnte nicht einmal die Nachbarschaft einen negativen Eindruck von mir bekommen......
…….Ist schon einige Zeit her, diese Geschichte, denn meine „Lieblingsfrau“ ist schon lange nicht mehr meine „Lieblingsfrau“……
Samstag, 18. Oktober 2008
Abschied von Korfu
Ungestörte Nacht, bis auf ein paar, scheinbar auspufflose, Motorräder, welche offenbar von Spätpubertierenden, waghalsig über die Küstenstrasse pilotiert wurden.
Helis Wetterbericht stimmt, leider. Fast kein Wind und der kommt noch dazu aus der falschen Richtung….
Ich verlasse Korfu / Corfu / Kerkyra, das Scheria der Odyssee, um das griechische Festland anzusteuern. Vorher setze ich das Schiff in der riesigen Sandbucht, diesmal aber ganz an der Ostseite, der seichtesten Stelle, vorsichtig auf Grund – damit ich mein Lot (Tiefenmessgerät) überprüfen kann. Siehe da, es zeigt um einen halben Meter zu viel an. Ich justiere es neu, setze den Nullpunkt auf den tiefsten Punkt des Schiffes, der Ruderunterkante. Das Schwert reicht zwar im ausgefahrenen Zustand noch etwas tiefer, weicht aber bei einem Aufsetzer nach oben hin aus, ohne Schaden zu nehmen.
Ich nehme Kurs auf LIMIN MOURTOU, einem kleinen, durch vorgelagerte Inseln geschützten, Ort. Leider alles unter Maschine. Ich lege mich in einer geschützten Bucht vor Anker, gehe in den Ort einkaufen, wobei mich die Verkäuferin gewaltig übers Ohr hauen will. Ich bin zwar ein Mann, aber sooo blöd bin ich nun auch wieder nicht. Misstrauisch bin ich geworden, als sie mit einem Taschenrechner addierte, statt mit der Registrierkassa. Für zwei Plastiksackerln Ware will sie mir 67,- € abnehmen. Überschlagsmäßig habe ich ja im Kopf mitgerechnet – Mäderl, so leicht nimmst du mich nicht mit der Germ – Protest, alles nochmals raus, Neuberechnung. Siehe da, auf einmal waren es nur mehr 39,- €. Als „Entschuldigung“ bekomme ich zwei Zuckerln geschenkt…… Die Stimmung ist jedenfalls verdorben, der Ort, ganz auf Fremdenverkehr orientiert, ist auch nicht ganz das Meine, im Hafen nur heruntergekommene Charterschiffe, meistens belegt mit Engländer. Das sind übrigens die mit Abstand hässlichsten Menschen, die ich je gesehen habe. Ich kehre auf mein Schiff zurück und mache mir einen gemütlichen Abend mit Feta, Oliven, Sardinen, Brot, Milch, Joghurt mit Marillenmarmelade, türkischem Honig, Kerzenlicht und romantischer Musik.
Etmal: 13sm, Position: N 39° 24,27’ / E 020° 14,07’
Helis Wetterbericht stimmt, leider. Fast kein Wind und der kommt noch dazu aus der falschen Richtung….
Ich verlasse Korfu / Corfu / Kerkyra, das Scheria der Odyssee, um das griechische Festland anzusteuern. Vorher setze ich das Schiff in der riesigen Sandbucht, diesmal aber ganz an der Ostseite, der seichtesten Stelle, vorsichtig auf Grund – damit ich mein Lot (Tiefenmessgerät) überprüfen kann. Siehe da, es zeigt um einen halben Meter zu viel an. Ich justiere es neu, setze den Nullpunkt auf den tiefsten Punkt des Schiffes, der Ruderunterkante. Das Schwert reicht zwar im ausgefahrenen Zustand noch etwas tiefer, weicht aber bei einem Aufsetzer nach oben hin aus, ohne Schaden zu nehmen.
Ich nehme Kurs auf LIMIN MOURTOU, einem kleinen, durch vorgelagerte Inseln geschützten, Ort. Leider alles unter Maschine. Ich lege mich in einer geschützten Bucht vor Anker, gehe in den Ort einkaufen, wobei mich die Verkäuferin gewaltig übers Ohr hauen will. Ich bin zwar ein Mann, aber sooo blöd bin ich nun auch wieder nicht. Misstrauisch bin ich geworden, als sie mit einem Taschenrechner addierte, statt mit der Registrierkassa. Für zwei Plastiksackerln Ware will sie mir 67,- € abnehmen. Überschlagsmäßig habe ich ja im Kopf mitgerechnet – Mäderl, so leicht nimmst du mich nicht mit der Germ – Protest, alles nochmals raus, Neuberechnung. Siehe da, auf einmal waren es nur mehr 39,- €. Als „Entschuldigung“ bekomme ich zwei Zuckerln geschenkt…… Die Stimmung ist jedenfalls verdorben, der Ort, ganz auf Fremdenverkehr orientiert, ist auch nicht ganz das Meine, im Hafen nur heruntergekommene Charterschiffe, meistens belegt mit Engländer. Das sind übrigens die mit Abstand hässlichsten Menschen, die ich je gesehen habe. Ich kehre auf mein Schiff zurück und mache mir einen gemütlichen Abend mit Feta, Oliven, Sardinen, Brot, Milch, Joghurt mit Marillenmarmelade, türkischem Honig, Kerzenlicht und romantischer Musik.
Etmal: 13sm, Position: N 39° 24,27’ / E 020° 14,07’
Freitag, 17. Oktober 2008
Ungestörte Nacht, es geht wieder weiter. Zwei Tage „High Live“ genügen mir. Noch Wasser gebunkert und dann die Ostküste Korfus runter Richtung Süden. Steifer, gleich bleibender Wind, leider genau aus Süden, dort wo ich gerne hin möchte…. Gegenan aufkreuzen ist also angesagt. Den ganzen lieben Tag lang. Zur Anschauung: Zurückgelegt habe ich (im Zick – Zack Kurs) 29sm, Luftlinie waren es aber nur knapp 12sm…. Wiederum ernährte sich das Eichhörnchen mühsam. Alles verläuft nach Plan, nichts Außergewöhnliches passiert. Was ist los? Das macht mich zwar misstrauisch, es bleibt aber bis am Abend so. In der riesigen Bucht ORMOS LEVKIMMI am Südostende von Korfu lege ich mich vor Anker. Hier finde ich einen gut haltenden Sandgrund vor, außerdem bin ich ein bisschen geschützt vor dem zurzeit herrschenden Südwind, der allerdings am Abend sowieso einschläft.
Meinem Finger geht es schon besser, das Ankeraufholen gestaltet sich nun wieder fast normal.
Einige Anrufe und sms’s aus der Heimat erhalten – das hebt die Stimmung ganz gewaltig – Danke!
Endlich das Buch „Drei Kameraden“ von Erich Maria Remarque zu Ende gelesen. Wiederum hat mich dieses, eigentlich als Zeitdokument anzusehendes Werk, zutiefst berührt und nachdenklich gestimmt. Entfernt erkenne ich mich selbst und mein eigenes Leben darin wieder……
Etmal: 29sm, Position: N 39° 26,2’ / E 020° 00,7’
Meinem Finger geht es schon besser, das Ankeraufholen gestaltet sich nun wieder fast normal.
Einige Anrufe und sms’s aus der Heimat erhalten – das hebt die Stimmung ganz gewaltig – Danke!
Endlich das Buch „Drei Kameraden“ von Erich Maria Remarque zu Ende gelesen. Wiederum hat mich dieses, eigentlich als Zeitdokument anzusehendes Werk, zutiefst berührt und nachdenklich gestimmt. Entfernt erkenne ich mich selbst und mein eigenes Leben darin wieder……
Etmal: 29sm, Position: N 39° 26,2’ / E 020° 00,7’
Donnerstag, 16. Oktober 2008
Ungestörte Nacht, obwohl in den kleinen Hafen doch der Schwell der großen Fähren reinsteht und selbst die größeren Schiffe zum Schaukeln bringt. Heute habe ich mir Korfu – Stadt nochmals live gegeben. Alte Festung rauf, alte Festung runter, neue Festung rauf, neue Festung runter, 2x quer durch die Stadt, Hafen besichtigt, einkaufen, ich bin geschlaucht. Ich möchte meine Ansicht bez. der Stadt etwas zurücknehmen, sie hat sich mir heute von ihrer schönsten Seite repräsentiert. Gut, das traumhafte Wetter mag dabei etwas mitgespielt haben, vielleicht war ich heute auch nur etwas entspannter….
Morgen ziehe ich wieder weiter, obwohl Südwind angesagt ist. Nun gut, kreuzen wir eben ein bisschen!!
Morgen ziehe ich wieder weiter, obwohl Südwind angesagt ist. Nun gut, kreuzen wir eben ein bisschen!!
Mittwoch, 15. Oktober 2008
Korfu Stadt….
Herrlich ungestörte Nacht, Wetter wunderschön, leider kein Wind. Gestern Abend bin ich noch in ein Strandrestaurant essen gegangen. Das erste anständige Essen seit längerer Zeit…. Allerdings hat mich der Preis desselben leicht schockiert: Fischsuppe, Meeresfrüchterisotto, gemischter Salat, als Nachspeise Joghurt mit Früchten der Saison, zum trinken Orangenjuice mit Mineralwasser. Kosta quanta 31,- Teuro. Das hat meiner Bordkassa wieder einen herben Schlag versetzt. Gut war’s aber schon…..
Ich motore, da leider noch immer kein Wind, nach KORFU – Stadt rüber. Was mir da streckenweise an schwimmenden Müll entgegenkommt, mag ich gar nicht beschreiben. Während dieser Fahrt entferne ich mit archaischen Methoden den Gips von meiner Hand. Die Zeit dazu ist reif. Der Finger ist nun steif, ich kann ihn nicht ganz abbiegen, aber so kurz nach der Gipsabnahme möchte ich noch keine Prognose stellen. Bewegungs- u. Entstauungstherapie ist nun angesagt, zum Glück verstehe ich davon ja ein bisschen was….
Riesige Fähren kreuzen meinen Weg zum Hafen, ein russisches Kriegsschiff, über alle Toppen beflaggt, liegt an einer Mole. Ich lege mich in den kleinen Hafen MANDRAKI des „Corfu Sailing Club“, wo ich freundlich aufgenommen werde. Hier liege ich direkt unter der alten Festung, Wasser ist am Steg vorhanden, trinken würde er es aber nicht, sagt der Marinero sicherheitshalber. Strom gibt es leider keinen, dafür verrät er mir den Code zum (ziemlich langsamen….) Internetzugang. Für zwei Nächte - Morgen gebe ich mir die Stadt noch mal – nimmt er mir 35,- € ab.
Das Einklarieren (Der Hafen von Korfu ist ein „Port of entry“) entbehrt nicht einer gewissen Komik: Anscheinend wird das hier nicht oft gemacht, die handelnden Personen sind zwar sehr freundlich, haben aber, so wie ich, keine Ahnung, wie ich zu dem Objekt meiner Begierde, dem „Private pleasure maritime traffic document“ kommen kann. Nach einigem hin und her ging’s dann doch, ich war um 45,- € ärmer, dafür offiziell im Land. Nun kann ich mich frei bewegen und hinfahren wohin ich will. Als wenn ich das sonst nicht auch gemacht hätte…..
Diese Sprache hier macht mich noch kirre. Nicht nur, dass ich kein Wort verstehe, die Menschen reden hier so schnell, als wenn sie ein Maschinengewehr abfeuern würden! Noch dazu kann ich die Schriftzeichen (noch) nicht zuordnen, darum bleibt mir auch das geschriebene Wort unverständlich. Ich komme mir vor wie damals vor mehr als zwei Jahrzehnten in Moskau, als ich mit dem Stadtplan - deutscher Schriftsatz - vor den Straßenschildern – kyrillischer Schriftsatz – gestanden bin…..
Irgendwie bin ich von Korfu – Stadt leicht enttäuscht. Verlässt man(n) die touristischen Trampelpfade, begegnet man, höflich ausgedrückt, mehr und mehr „morbiden Charme“. Abgesehen davon, dass es hier mit dem Müll gröbere Probleme gibt, ist die Anzahl an mehr als baufälligen Gebäuden auffällig. Fußgängerübergänge haben, genauso wie die Ampeln, höchstens Symbolcharakter. Und wer glaubt, die Italiener seien beim Autofahren leicht irre, der soll einmal hierher kommen….
Trotz Nachsaison pulsiert das Leben, anscheinend überwiegen z.Zt. die englischen Touristen. Morgen werden wir weitersehen.
Etmal: 10sm unter Maschine, Position: N 39° 37,50’ / E 19° 55,70’
Ich motore, da leider noch immer kein Wind, nach KORFU – Stadt rüber. Was mir da streckenweise an schwimmenden Müll entgegenkommt, mag ich gar nicht beschreiben. Während dieser Fahrt entferne ich mit archaischen Methoden den Gips von meiner Hand. Die Zeit dazu ist reif. Der Finger ist nun steif, ich kann ihn nicht ganz abbiegen, aber so kurz nach der Gipsabnahme möchte ich noch keine Prognose stellen. Bewegungs- u. Entstauungstherapie ist nun angesagt, zum Glück verstehe ich davon ja ein bisschen was….
Riesige Fähren kreuzen meinen Weg zum Hafen, ein russisches Kriegsschiff, über alle Toppen beflaggt, liegt an einer Mole. Ich lege mich in den kleinen Hafen MANDRAKI des „Corfu Sailing Club“, wo ich freundlich aufgenommen werde. Hier liege ich direkt unter der alten Festung, Wasser ist am Steg vorhanden, trinken würde er es aber nicht, sagt der Marinero sicherheitshalber. Strom gibt es leider keinen, dafür verrät er mir den Code zum (ziemlich langsamen….) Internetzugang. Für zwei Nächte - Morgen gebe ich mir die Stadt noch mal – nimmt er mir 35,- € ab.
Das Einklarieren (Der Hafen von Korfu ist ein „Port of entry“) entbehrt nicht einer gewissen Komik: Anscheinend wird das hier nicht oft gemacht, die handelnden Personen sind zwar sehr freundlich, haben aber, so wie ich, keine Ahnung, wie ich zu dem Objekt meiner Begierde, dem „Private pleasure maritime traffic document“ kommen kann. Nach einigem hin und her ging’s dann doch, ich war um 45,- € ärmer, dafür offiziell im Land. Nun kann ich mich frei bewegen und hinfahren wohin ich will. Als wenn ich das sonst nicht auch gemacht hätte…..
Diese Sprache hier macht mich noch kirre. Nicht nur, dass ich kein Wort verstehe, die Menschen reden hier so schnell, als wenn sie ein Maschinengewehr abfeuern würden! Noch dazu kann ich die Schriftzeichen (noch) nicht zuordnen, darum bleibt mir auch das geschriebene Wort unverständlich. Ich komme mir vor wie damals vor mehr als zwei Jahrzehnten in Moskau, als ich mit dem Stadtplan - deutscher Schriftsatz - vor den Straßenschildern – kyrillischer Schriftsatz – gestanden bin…..
Irgendwie bin ich von Korfu – Stadt leicht enttäuscht. Verlässt man(n) die touristischen Trampelpfade, begegnet man, höflich ausgedrückt, mehr und mehr „morbiden Charme“. Abgesehen davon, dass es hier mit dem Müll gröbere Probleme gibt, ist die Anzahl an mehr als baufälligen Gebäuden auffällig. Fußgängerübergänge haben, genauso wie die Ampeln, höchstens Symbolcharakter. Und wer glaubt, die Italiener seien beim Autofahren leicht irre, der soll einmal hierher kommen….
Trotz Nachsaison pulsiert das Leben, anscheinend überwiegen z.Zt. die englischen Touristen. Morgen werden wir weitersehen.
Etmal: 10sm unter Maschine, Position: N 39° 37,50’ / E 19° 55,70’
Dienstag, 14. Oktober 2008
Bis auf ein paar quer daher kommende Wellen, die mich fast aus der Koje geworfen haben, eine ungestörte Nacht. Leider kein Wind. Ich motore ein paar Buchten weiter, versuche dabei aus dem Windschatten der Insel zu kommen, es nutzt nichts, zu wenig Wind. Na gut, ich bin ja nicht auf der Flucht, also suche ich mir eine ruhige Bucht und faulenze eben. Ich wähle dazu ORMOS AGIOS STEFANOS an der Nordostseite von Korfu aus, wo ich mich vor Anker lege. Hier betrete ich das erste Mal griechischen Boden! Kalimera, Gerhard! Als Erstes lege ich gleich einmal einen Fußmarsch um einen Berg hin, um meine eingerosteten Glieder wieder in Schwung zu bringen, dann gönne ich mir einen Kaffee und ein Mineral. Gut, dass die Griechen schon den Euro haben, so erspare ich mir die lästige Umwechslerei, die ja immer mit Verlusten verbunden ist…. Die Uhren muss ich auch eine Stunde vorstellen, schließlich bin ich schon in der nächsten Zeitzone. Übrigens ist die albanische Küste von dieser Bucht nur knapp 2Km entfernt. So nahe werde ich Albanien, dem Land der Skipetaren, wohl nicht mehr kommen. Man sieht neben Ortschaften (Städte?) mit überwiegend Flachdach – Plattenbauten in Streusiedlungsanordnung auch Radaranlagen, militärische Befestigungen und Bunker, genauso wie auch auf der griechischen Seite. Alles Zeichen der „Freundschaft“ beider Länder zueinander….
Etmal: 6sm unter Maschine, Position: N 39° 45,90’ E 19° 57,10
Etmal: 6sm unter Maschine, Position: N 39° 45,90’ E 19° 57,10
Montag, 13. Oktober 2008
Eine ruhige, ungestörte Nacht, in der aber der Wind auf Süd gedreht hat. Nun lag ich in der nach Süden völlig offenen Bucht auf Legerwall. Allerdings blieb der Wind so schwach, dass ich mir deshalb keine Sorgen zu machen brauchte. Ich klarte das Schiff trotzdem „fluchtbereit“ auf, falls der Wind übermäßig zulegen sollte.
Seit der Abfahrt von Kroatien am 07.10. war ich noch kein einziges Mal an Land, von den paar „Ausfallschritten“, um mein Schiff zu retten, einmal abgesehen. Das ist immerhin schon eine ganze Woche. Ein gutes Training für lange Ozeanpassagen! Nur das Brot ist mir leider ausgegangen, ebenso die Milch für den Kaffee. An Gemüse habe ich noch einen Paprika, an Obst noch zwei Äpfel und zwei Zitronen. Wegen Skorbut brauche ich mir also noch keine Sorgen zu machen.
Ich schaue, dass ich rüber nach KORFU / KERKIRA komme. Das es anders auch gehen kann, zeigen mir die Götter heute: Für die 16sm treibe ich mit lächerlichen 2,2 Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit den ganzen Tag über ein spiegelglattes Meer. Richtiges Altherrensegeln. Der Miniwind hat wieder auf Nord gedreht, ich setze mein Sensibelchen, den Blister, um wenigstens halbwegs voranzukommen. Dabei mache ich mich hoffentlich bei den vorbeifahrenden Fischern und sonstigen Freizeitkapitänen beliebt, denn besagter Blister ist in den Nationalfarben Griechenlands, Blau und weiß gefertigt worden. Es ist ein herrlicher Tag, richtig heiß ist es wieder geworden. Ich dusche ausgiebig mit Meerwasser, verwende dabei mein Salzwassershampoo und gönne meinem gebrochenen Ringfinger zum ersten Mal Freiheit vom Gips, massiere in gut und bewege ihn etwas, bevor ich ihn wieder sicher verwahre. Bald werde ich ja den Gips entfernen.
Ich runde (gemütlich….) den nördlichsten Punkt von KORFU / KERKIRA, KAP AIKATERINI, und suche mir dann eine halbwegs sichere Ankerbucht. Hier erlebe ich eine atemberaubende Kulisse, die albanischen Berge im Hintergrund leuchten blassrosa im Abendrot, und der am wolkenlosen, nun dunkelblauen Himmel, hell strahlende Vollmond zaubert ein unwirkliches Licht. Ein herrlicher Anblick, den ich in völliger Lautlosigkeit genießen darf. Friede kehrt ob diesen Anblick in meinem Herzen ein. Ich rufe Mama an, es geht ihr gut, der Zustand ihres Fußes bessert sich kontinuierlich. Ich bin glücklich und zufrieden.
Etmal: 16sm unter Segel, Position: N 39°48’ / E 19°53’
Seit der Abfahrt von Kroatien am 07.10. war ich noch kein einziges Mal an Land, von den paar „Ausfallschritten“, um mein Schiff zu retten, einmal abgesehen. Das ist immerhin schon eine ganze Woche. Ein gutes Training für lange Ozeanpassagen! Nur das Brot ist mir leider ausgegangen, ebenso die Milch für den Kaffee. An Gemüse habe ich noch einen Paprika, an Obst noch zwei Äpfel und zwei Zitronen. Wegen Skorbut brauche ich mir also noch keine Sorgen zu machen.
Ich schaue, dass ich rüber nach KORFU / KERKIRA komme. Das es anders auch gehen kann, zeigen mir die Götter heute: Für die 16sm treibe ich mit lächerlichen 2,2 Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit den ganzen Tag über ein spiegelglattes Meer. Richtiges Altherrensegeln. Der Miniwind hat wieder auf Nord gedreht, ich setze mein Sensibelchen, den Blister, um wenigstens halbwegs voranzukommen. Dabei mache ich mich hoffentlich bei den vorbeifahrenden Fischern und sonstigen Freizeitkapitänen beliebt, denn besagter Blister ist in den Nationalfarben Griechenlands, Blau und weiß gefertigt worden. Es ist ein herrlicher Tag, richtig heiß ist es wieder geworden. Ich dusche ausgiebig mit Meerwasser, verwende dabei mein Salzwassershampoo und gönne meinem gebrochenen Ringfinger zum ersten Mal Freiheit vom Gips, massiere in gut und bewege ihn etwas, bevor ich ihn wieder sicher verwahre. Bald werde ich ja den Gips entfernen.
Ich runde (gemütlich….) den nördlichsten Punkt von KORFU / KERKIRA, KAP AIKATERINI, und suche mir dann eine halbwegs sichere Ankerbucht. Hier erlebe ich eine atemberaubende Kulisse, die albanischen Berge im Hintergrund leuchten blassrosa im Abendrot, und der am wolkenlosen, nun dunkelblauen Himmel, hell strahlende Vollmond zaubert ein unwirkliches Licht. Ein herrlicher Anblick, den ich in völliger Lautlosigkeit genießen darf. Friede kehrt ob diesen Anblick in meinem Herzen ein. Ich rufe Mama an, es geht ihr gut, der Zustand ihres Fußes bessert sich kontinuierlich. Ich bin glücklich und zufrieden.
Etmal: 16sm unter Segel, Position: N 39°48’ / E 19°53’
Sonntag, 12. Oktober 2008
Von Italien nach Griechenland
In der Nacht hat es mich ganz schön durchgebeutelt. Den Zweitanker hatte ich anscheinend nicht richtig positioniert, das Schiff rollt und lässt mich nicht richtig schlafen. An dieser Technik muss ich also auch noch was ändern…. In der Früh bin ich ziemlich durchgebeutelt. Der Wind stand die ganze Nacht aus Norden durch und frischt noch etwas auf. Mein Freund Heli, der mich freundlicherweise mit Wetterinformationen aus dem Internet versorgt, gibt grünes Licht für die Überfahrt durch die Strasse von OTRANTO nach Griechenland. So nach dem Motto: Jetzt oder nie! Nachdem mir die Küste Apuliens sowieso nicht gefällt, erspare ich mir die Fahrt nach OTRANTO hinunter und starte in der Früh gleich von PUNTA SAN CATALDO aus direkt nach Griechenland. Kurs, mit etwas Vorhalten, 120 Grad. Als Zielpunkt wähle ich die Insel EREIKOUSSA, nicht weit nördlich von KORFU, aus. Warum gerade diese Insel? Nun, deren Südbucht verspricht guten Schutz vor den zurzeit herrschenden nördlichen Winden, und da ich bei Dunkelheit ankommen werde, verspricht der dortige rifflose, weitgezogene Sandstrand einen guten Ankerplatz, und ganz wichtig, da ich nach der langen Fahrt müde und nicht mehr ganz hellwach sein werde, eine gefahrlose Anlandung!! Am Beginn der Fahrt weht es mit 20 Knoten, die von schräg achtern kommenden Wellen zeigen kein einheitliches Bild, ich steuere einen wilden Zick – Zackkurs. Ein starkmotorisiertes Schlauchboot holt langsam auf und nähert sich mir. Es sind Carabinieres. Das fehlt mir gerade noch, jetzt, beim Verlassen von Italien! Ich habe nämlich gar nicht einklariert (War ja auch nicht wirklich an Land…), bin offiziell also gar nicht im Land…. Einer der beiden uniformierten schreit etwas zu mir herüber, was ich bei den herrschenden Windverhältnissen nicht verstehen kann. Daraufhin spreche ich ihn auf Englisch mit dem Funkgerät auf Kanal 16 an. Sichtlich überrascht antwortet er mir. Ich erkläre ihm ihn kurzen Worten woher ich komme und wohin ich will. Nach einer offensichtlichen Schrecksekunde wünscht er mir gute Fahrt und dreht ab. Wieder einmal Glück gehabt….. Eine lange Fahrt beginnt. Je weiter ich aufs offene Meer komme, umso konstanter wird der Wind, das Wellenbild wird zwar höher aber auch gleichmäßiger. Herrlicher Nordwind mit 15 – 20 Knoten treibt mich stetig voran. Artig hebt SANDPIPER ihr Popscherl, um die von achtern heranrollenden Wellen durchrauschen zu lassen. Stundenlang rausche ich mit mehr als sechs Knoten Fahrt, das ist fast Rumpfgeschwindigkeit, dahin. Ein strahlend blauer Himmel, um mich herum nichts als wild bewegtes Wasser, ab und zu eine Möwe, sonst nichts. Das Schiff wiegt sich sicher ein seinem Element, ich bin glücklich. Die Großschifffahrt verschont mich, auf der ganzen Überfahrt sichte ich nur sieben dieser „Pötte“, alle aber weit entfernt. Mein Radarwarngerät „A.I.S RADAR“ warnt mich zuverlässig. Am Nachmittag tauchen die schroffen, kahlen, und scheinbar direkt aus dem Meer aufsteigenden Berge von ALBANIEN auf. Sie erreichen hier immerhin eine Höhe von gut 2000 Metern. Die Dunkelheit bricht mit einer atemberaubenden Schönheit über mich herein: Der Mond, fast schon voll, beleuchtet die Szene, während die Sonne blutrot im Westen untergeht, das Meer verändert seine Farbe, genauso wie der Himmel, die ersten hellen Sterne erstrahlen am Firmament. Auf der schon in Sichtweite liegenden Insel glänzen wie Diamanten die ersten Lichter, vermitteln ein Gefühl von Geborgenheit, Leuchtfeuer zeigen mir den Weg. Ich runde das Kap, berge die Segel, laufe unter Maschine in die weitläufige Bucht ein und lasse bei drei Meter Wassertiefe den Anker ins Wasser. Geschafft, ich bin zum ersten Mal, noch dazu mit eigenem Kiel, in Griechenland!! Ich bin glücklich wie schon lange nicht mehr, bedanke mich bei den Göttern für die vom Wetter begünstigte Überfahrt und bei meinem braven Schiff, welches mich sicher von Eiland zu Eiland brachte.
Ich legte bei einer Fahrzeit von knapp zwölfeinhalb Stunden eine Strecke von 68 Seemeilen, das sind 126 Kilometer, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5,6 Knoten zurück. Das sind, für so ein kleines Schiff, hervorragende Werte, wie ich meine.
Und jetzt: Ausschlafen!!!!
Etmal: 68sm, alles unter Segel, Position: N 39°52,71’ / E 19°34,97’
Ich legte bei einer Fahrzeit von knapp zwölfeinhalb Stunden eine Strecke von 68 Seemeilen, das sind 126 Kilometer, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5,6 Knoten zurück. Das sind, für so ein kleines Schiff, hervorragende Werte, wie ich meine.
Und jetzt: Ausschlafen!!!!
Etmal: 68sm, alles unter Segel, Position: N 39°52,71’ / E 19°34,97’
Samstag, 11. Oktober 2008
Ungestörte Nacht, der Wind bläst konstant aus NW, also der Küste entlang, genau richtig für mich. Ich haue zeitig ab, das Wetter muss ausgenutzt werden. Die Küste wird immer flacher und konturloser, die Fischer werden immer weniger, es gibt hier einfach keine Häfen, die Zuflucht bieten könnten. Gefährlich seicht ist es hier auch. Die ganze Zeit schon fällt mir auf, dass ich so ziemlich als Einziger unterwegs bin. Kein Segel weit und breit zu sehen. Warum wohl…. Die Römer haben entlang dieser, in Sichtweite zueinander, mächtige Wehrtürme errichtet, Viele davon sind erhalten geblieben. Bei BRINDISI komme ich in leichte Bedrängnis, da der (wirklich) mächtige Wellenbrecher des riesigen Industriehafens eine konfuse Hacksee aufwirft und ich natürlich wieder einmal zu nahe dran bin…. Riesige Industrieanlagen umgeben den Hafen, ich bin daran nicht interessiert und segle vorbei. Kurz nachher bemerke ich noch rechtzeitig ein Riff, das (laut Seekarte) daraufstehende Feuer ist einfach nicht vorhanden!! Unglaublich!! Ein in der Nähe liegendes Wrack spricht Bände. Wenn ich da in der Nacht vorbeikomme - ich will gar nicht daran denken… In Sausefahrt geht’s weiter, ich erreiche eine Durchschnittsgeschwindigkeit von immerhin 4,55 Knoten, und dass über einen Zeitraum von neuneinhalb Stunden hinweg! So lange war ich heute unterwegs, und legte dabei sagenhafte 44,5sm zurück. Gegen Abend dann das nächste Horrorszenario: Ich habe PUNTA SAN CATALDO als Ankerplatz ausgewählt. Bei der Fahrt zu dem mächtigen, weithin sichtbaren Leuchtturm bemerke ich Steuerbordseitig eine abgewinkelte Mole, welche mit rotem und grünem Feuer gekennzeichnet ist. Auf meiner Seekarte ist zwar nichts eingezeichnet, aber was kann das schon anderes sein als ein Hafen oder eine Neugebaute Marina? Also nichts wie hin, die Sonne geht bereits unter. Als ich dann, schon nahe am Ufer, quer in die Einfahrt einbog, denke mir noch, eine verdammt schmale Einfahrt für eine Hafeneinfahrt ist das schon, als mich auch schon die erste Grundsee breitseits erwischt und halb umwirft. Verdammt, nicht schon wieder! Zum Umkehren ist es natürlich schon zu spät, die Wassertiefe beträgt auch nur mehr eineinhalb Meter. Was soll’s, bevor mich die nächste Welle erwischt lieber rein in den Kanal, dort lockt ruhiges Wasser, dann sehen wir weiter. Vollgas und rein – das war leichter gesagt als getan, den genau bei der Einfahrt, welche geschätzte zehn Meter breit war, hatte sich eine Barre aufgebaut, in der ich (natürlich…) stecken blieb. Da ich den ganzen Tag gesegelt bin, hatte ich das Schwert noch unten, welches nun festsaß. Die brechenden Wellen erwischten nun nur mehr das Heck, die vordere Hälfte des Schiffes war schon im Kanal. Die Leute liefen zusammen und schrieen, ich wusste nicht recht, was ich machen sollte. Wieder so eine blöde Situation. Durch das Auftreffen der Wellen am Heck erhoffte ich mir so eine Art „Losrütteleffekt“, den ich mit Vollgas zu unterstützen gedachte. Tatsächlich kam ich so langsam über die Barre. Gleich darauf stoppte ich aber auf, da die Wassertiefe, selbst für einen Kielschwerter, beängstigend gering war. Ich versuchte von den Leuten zu erfahren, wie es denn mit der Wassertiefe im Kanal so stünde, aber die konnten noch schlechter englisch als ich. Allerdings waren sie sich offenbar einig darüber, dass es zuwenig für mein Schiff sei. Auch gut. Ich drehte das Schiff mit Hilfe der Leinen vom Ufer aus (Merke: Ich betrete zum zweiten Male, wiederum nur kurzzeitig, italienischen Boden…) um 180 Grad herum, um in Vorausfahrt aus dem verdammten Kanal zu kommen. Einer der Zuschauer gab mir durch Zeichensprache den Rat, sofort nach der Ausfahrt scharf nach Backbord abzudrehen, um die sich im flachen Wasser brechenden Wellen frontal nehmen zu können. Nach Steuerbord war nicht mehr viel Platz, nach ca. 50 Meter war da schon der Strand. Mit gut 20 Meter Anlauf und Vollgas (Da waren die 15PS Gold wert….) preschte ich über die Barre, ein kurzes Rucken ging durch das Schiff und ich war drüber, die Pinne hart nach Steuerbord gelegt drückte sich der Bug genau rechtzeitig nach Backbord in die nächste Welle hinein, durchschnitt sie elegant, genauso noch eine Zweite, und draußen waren wir. Uff, wieder einmal gut gegangen. Ich winkte noch dankend zurück, rundete unter Maschine das Kap des Leuchtturms, wich zwei nicht in der Karte eingezeichneten Riffe aus ( wird schon zur Routine bei mir…) und legte mich in die dort beginnende große Sandbucht bei zwei Meter Wassertiefe so halbwegs vor der Dünung geschützt vor Anker. Leider begann hier wieder das alte Spiel: Wind und Wellen kommen nicht aus der gleichen Richtung, ich bringe den Zweitanker seitlich aus usw. Zusätzlich riecht es hier wie am Neusiedlersee nach faulen Eiern (Ich weiß, Schwefel….), offensichtlich handelt es sich hier um einen Kurort. Zwar mit einem schönen Sandstrand, leider aber ohne Hafen. Mein liebes Apulien, schön langsam reicht es mir mit deiner Küste……
Etmal: 44,5sm, alles unter Segel. Position: N 40° 23,2’ E 18°18,4’
Etmal: 44,5sm, alles unter Segel. Position: N 40° 23,2’ E 18°18,4’
Freitag, 10. Oktober 2008
Bei Tagesanbruch haue ich ab, hier reichts mir. Der Wind weht entlang der Küste, passt also genau. Nachdem ich noch leicht Groggy bin, segle ich nur unter ausgebaumter Genua, ich will mir z.Zt. den Stress mit „Butterfly“ segeln nicht antun. Es geht trotzdem mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 3,8 Knoten flott dahin. Die Wellen kommen von schräg achtern, heben das Boot in einem sanften Rhythmus, wollen es aber auch aus der Bahn werfen, der Autopilot hat einiges zu tun. Ich versuche das Chaos der vergangenen Nacht wegzuräumen, Ordnung in das Schiff zu bekommen und die Blutspuren wegzuwischen. Beim Kochen passierte es dann wieder, ich traue es mir fast nicht zu sagen: Der Topf mit den Spaghettis kocht über, beim wegnehmen desselben vom Kocher rutscht er mir aus der Hand, alles fliegt (wieder einmal…) auf den Boden. Es ist zum Heulen. Ab sofort wird nur mehr im Cockpit oder im Waschbecken gekocht, sonst nirgends mehr!! Der Rest des Tages verläuft harmonisch, zwei Kaffee richten mich moralisch wieder auf, als „Glückshormone“ vernasche ich ganzes Glas von Mamas guter Marillenmarmelade. Am Nachmittag laufe ich den Hafen von KASTELL VILLANOVA, westlich von BRINDISI gelegen, an. Niemand weist mir einen Platz zu, zwischenzeitlich ist mir das aber schon Wurscht, ich suche mir eine geeignete Stelle im Hafenbecken und werfe bei zwei Meter Wassertiefe mein Schlickhakerl in den Grund. Wenn’s nicht passt wird mir das schon jemand sagen…..
Noch immer habe ich italienischen Boden nicht betreten!! Seit LASTOVO in Kroatien habe ich das Schiff noch nicht verlassen. Doch, einmal: Als ich ins Wasser sprang, um es vom Riff zu ziehen. Also doch schon italienischen Boden berührt – allerdings nur am Meeresgrund, und das gilt nicht.
Etmal: 32sm, alles unter Segel. Position: N 40° 47,5’ E 17° 35,2’
Noch immer habe ich italienischen Boden nicht betreten!! Seit LASTOVO in Kroatien habe ich das Schiff noch nicht verlassen. Doch, einmal: Als ich ins Wasser sprang, um es vom Riff zu ziehen. Also doch schon italienischen Boden berührt – allerdings nur am Meeresgrund, und das gilt nicht.
Etmal: 32sm, alles unter Segel. Position: N 40° 47,5’ E 17° 35,2’
Donnerstag, 9. Oktober 2008
An sich eine ruhige und ungestörte Nacht, nur die Werft beginnt um halb sieben mit ihrem lärmenden Betrieb. Merke: Wenn du deine Ruhe haben willst, lege dich nicht unmittelbar vor eine Werft. Zumindest Wochentags nicht. Das Leuchtfeuer auf der Untiefe mitten im Hafenbecken war übrigens defekt. Stört anscheinend niemanden. Möchte gerne wissen, wie viele Boote und Schiffe hier bereits aufgelaufen sind. Ich bin jedenfalls nur knapp daran vorbeigeschrammt….Niemand kümmert sich um mich, also dürfte ich niemanden stören. Habe hier vom Schiff aus Internetverbindung und aktualisiere mein Tagebuch, schreibe Mails. Beim Ablegen dann der erste Schreck des Tages: Mit einem trockenem „Tock“ bleibt der Motor urplötzlich stehen. Ich schnell nach vorne, den Anker wieder ins Hafenbecken geschmissen. Fünf Meter vor der Slipbahn der Werft komme ich zum Stehen. Das war knapp, uff. Was war da bloß geschehen? Nun, ich selber bin schuld, da ich an der Mineralwasserflasche, die ich im Wasser neben dem Motor (zwecks „kühlem Getränk“) stehen habe, eine dünne Leine befestigt habe, um die Flasche leichter zu erreichen. Diese Leine hat sich ungewollt und unbemerkt, wahrscheinlich durch die Motorvibrationen, durch den nach unten offenen Motorschacht geschlängelt, sich um die Propellernabe gewickelt und dadurch den Motor abgewürgt. Wenn mir das beim Einlaufen in der Nacht passiert wäre, daran will ich lieber gar nicht denken. Was nun folgte, war wiederum einmal Kabarettreif: Gerhard in Badehose und Gipshand versucht durch abenteuerliche Verrenkungen, leicht verkrampft auf der Badeplattform liegend, die Leine vom Propeller abzubekommen. Noch dazu war die Farbe des Wassers im Hafen nicht sehr einladend. Na ja, jedenfalls hatten die Werftarbeiter ein bisschen Abwechslung… Die Prozedur gelang, ich konnte meine Fahrt fortsetzen, noch dazu passte der Wind, welcher die Küste entlang wehte. Hier gefällt es mir allerdings überhaupt nicht, die ganze Küste ist flach, ungegliedert, völlig allen Winden ausgesetzt und ohne auch nur einzige schützende Bucht oder Vorgelagerte Insel. Noch dazu total verbaut (Inder Nacht eine durchgehende Lichtermeerkette) mit einem abenteuerlichen Mixstil aus mittelalterlichen Bauten in Kombination mit heruntergekommenen Plattenbauten. Dass entlang der Küste eine Bahnlinie und eine vielbefahrene Straße führt, ist auch klar. Entsetzlich ist die Unmenge (wirklich Unmengen) an terrestrischen Antennen, welche wie Schwanenhälse meterhoch in die Luft ragen. Ein furchtbarer Anblick. Überhaupt gibt es hier auffallend viele Antennenmasten, auch mitten in den Städten. Bei BARI ist die Hölle los. Ich komme mir vor wie in einem schlechten Film: Hubschrauber zischen hin und her, Flugzeuge starten und landen und ein Heer von Hobby – Fischern versperrt mir den Weg. Im Unterschied zu Kroatien sind diese hier meistens mit modernen Booten unterwegs. Scheinbar planlos werden Netze ausgelegt, natürlich unbeleuchtet. Ich möchte nach TORRE A MARE kommen, wo ein Hafen in der Karte eingezeichnet ist. Der Wind schläft ein, ich verschätze mich und komme erst bei Dunkelheit dorthin. Ich finde die Einfahrt nicht gleich, da beide (!!) Feuer nicht brennen. Noch dazu handelt es sich um einen Minihafen, welcher mit Kleinfahrzeugen überfüllt ist. Ich drehe einige (kleine…) Runden darin, doch ich finde keinen Platz für mich. O doch, dort an der Kaimauer, gleich neben der Einfahrt! Warum dort allerdings keiner liegt wird mir schnell klar, als ich auf der Fahrt dorthin aufsitze. Ich sitze mitten im Hafen im Schlick fest! Ich fasse es nicht. Mit etwas Glück, schaukeln und brachialem Motoreinsatz komme ich wieder frei. Leicht genervt verlasse ich die ungastliche Stätte. Wind kommt wieder auf, Dünung steht zur Küste. Kurz nach besagtem Hafen entdecke ich eine Minibucht, worin ich mich mittig legen möchte, da ich schon ziemlich müde, hungrig und durchfroren bin. Dass mitten in diesem „Buchterl“ ein Unterwasserriff auf uns lauerte, konnte ich nicht ahnen, da es weder in der Karte eingezeichnet, noch in der Finsternis sichtbar war. Mit einigen unangenehmen „Rumplern“ lief ich auf, mir blieb fast das Herz dabei stehen. Das arme Schiff! Sofort Maschine retour (Leider entwickelt der SchXXX Motor retour fast keinen Schub), Gewichtsverlagerungen, seitliches Schaukeln, nichts half mehr, ich saß fest. Das darf doch wohl nicht wahr sein! Angst kam in mir hoch, dass die Wellen das Schiff noch höher aufs Miniriff werfen würden. Ein Fischerboot mit zwei Männern kam vorbei und diese boten mir ihre Hilfe an. Dabei ergaben sich gleich mehrere Probleme: Ich außer „Amore mio“ und „Ciao Bella“ kein Wort italienisch, die beiden Fischer kein Wort österreichisch und leider auch kein Wort englisch. Noch dazu war deren Fischernachen nur mit einem 2 - 3 PS „starken“ Motörchen ausgerüstet, der meine „Sandpiper“ leider nicht dazu bewegen konnte, sich vom Riff wieder runter zu begeben. Was blieb mir also anderes übrig, als dürftig bekleidet und mit Badeschlapfen ins Wasser zu gehen? Mit den Füssen lotete ich den Grund aus, versuchte die beste Stelle zu finden, um das Schiff möglichst unbeschädigt wieder runter zu bekommen. Das ich dabei mindestens fünfmal stolperte, mit der Gipshand unter Wasser kam und mir bei der Badeleiter eine böse Schnittwunde an der (diesmal rechten…) Hand zuzog, war vorauszusehen…. Dazu Wellen, Finsternis und Wind, mir war axxxkalt, die Stimmung dementsprechend. Ein Szenario wie in einem Horrorfilm. Fehlte nur noch eine Haiattacke – ihr wisst ja, Haie sind nachtaktive Oberflächenräuber…. Die Fischer boten mir nach mehreren fehlgeschlagenen Bergungsversuchen an, in den Minihafen zu fahren und eine „Barka“ mit einem stärkeren Motor zu organisieren. Dankend nahm ich das Angebot an, ohne zu fragen, was das wohl kosten würde… Während die beiden weg waren ging ich die Sache logisch an, nutzte die Wellen schamlos aus, um, dabei im Wasser stehend, mit Muskelkraft und Technik, leise vor mich hin fluchend, mein Schiff von den, zum Glück dick bewachsenen, Felsen runterzuhebeln. Es gelang mir tatsächlich!! Retourgang rein, nichts wie weg hier! War ich froh, ich kann es gar nicht beschreiben!!! Schnell ein Stück von der Untiefe weg, dann Kreise drehend, auf die beiden Fischer gewartet, die mir ja Hilfe versprochen hatten. Nach kurzer Zeit (ich bin zwischenzeitlich halb erfroren) kamen sie tatsächlich zurück, im Gefolge wirklich eine „Barka“! Statt enttäuscht zu sein, mit mir kein Geschäft machen zu können, freuten sich die beiden ehrlich mit mir über die Rettung des Schiffes. Fand ich unglaublich nett von ihnen! Natürlich gab ich ihnen trotzdem Geld, das sie allerdings erst nach einigem Sträuben annahmen. Danke nochmals, ihr Beiden, ihr habt was gut bei mir! Ich nahm wieder Kurs der Küste entlang, zog mir trockenes Gewand an und versuchte das entstandene Chaos und meine leicht strapazierten Nerven zu ordnen. Während der Fahrt räumte ich die Backskiste und die Bilge aus, um eventuellen Wassereintritt feststellen zu können. Aber alles war dicht, nochmals Glück gehabt! Ein Stück weiter finde ich den Strand einer Badeanstalt als Ankerplatz zumindest halbwegs geeignet. Wie man(n) sich täuschen kann... Bei zwei Meter Tiefe rauscht der Anker ins Wasser, ich stecke 15 Meter Kette raus und will nur mehr schlafen. Der Hunger ist mir zwischenzeitlich sowieso vergangen. Doch denkste, Wind und Wellen kommen aus verschiedenen Richtungen. Die seitlich auftreffenden Wellen bringen das Schiff derart zum Rollen, dass es mich aus der Koje haut. Was tun? Die einzige Möglichkeit ist, einen zweiten Anker seitlich auszubringen, um mich an dessen Leine im rechten Winkel zu den heranrollenden Wellen zu ziehen. Das Schlauchboot ist zusammengelegt unter Deck, ins Wasser möchte ich nicht noch mal. Da kommt mir die rettende Idee: Mit dem ausziehbaren Ausbaumer, mit dem ich den Grund erreiche, drücke ich das Schiff von der Badeplattform aus so weit seitlich, bis es passt. Schnell den Heckanker geworfen, zur Sicherheit noch ein Reitgewicht aufgesetzt und ab in die Koje. Nun treffen die Wellen von vorne das Schiff, die nunmehrige auf und ab Bewegung ist erträglich. Der Schlaf, mehr ein Dösen, ist trotzdem keine Erholung, da der nasse Gips unangenehm auf der Haut ist, die Wunde schmerzt und die Höhe der Wellen beunruhigend ist.
Merke: In einen unbekannten Hafen, wenn irgendwie möglich, vor Einbruch der Dunkelheit einlaufen!!! Und vor allem den alten Spruch immer im Hinterkopf behalten, als das Schiff zum Skipper sprach:“ Beschütz du mich vor dem Land, dann beschütz ich dich vor der See!“ Da ist fürwahr was Wahres dran.
Etmal: 23sm / Position (Speziell für ZELJKO): N 41° 5,4’ E 17° 0,0’
Merke: In einen unbekannten Hafen, wenn irgendwie möglich, vor Einbruch der Dunkelheit einlaufen!!! Und vor allem den alten Spruch immer im Hinterkopf behalten, als das Schiff zum Skipper sprach:“ Beschütz du mich vor dem Land, dann beschütz ich dich vor der See!“ Da ist fürwahr was Wahres dran.
Etmal: 23sm / Position (Speziell für ZELJKO): N 41° 5,4’ E 17° 0,0’
Mittwoch, 8. Oktober 2008
Über die Adria, zweiter Tag.
Der zweite Tag auf See. Alles Paletti, die Müdigkeit hält sich in Grenzen. Die Gipshand behindert mich beim Segeln weniger als ich geglaubt habe. Alles nur eine Frage der Technik….. Der Wind lässt nach, als ich in das Verkehrstrennungsgebiet westlich von PALAGRUZA komme. Nun kommen die großen Frachter, Tanker und Fähren angerauscht, die mir keine Zeit zum entspannen lassen. Was wollen die von mir, wieso visieren die mich alle an? Oder bilde ich mir dass nur ein? Diese großen Schiffe kann man gut einschätzen, da sie Kurs und Geschwindigkeit konstant beibehalten. Gefährlicher sind da schon die Fischer, die oft auf nicht vorhersehbaren Zick – Zackkurs unterwegs sind und ihre Netze oder Leinen nachziehen.
Der Wind frischt auf und dreht. Ich beschließe, gleich den Golf von MANFREDONIA auch zu durchsegeln. Damit gewinne ich Raum nach Süden. Werden es eben statt der geplanten 60sm so um die 100sm werden. Der Wind wird stärker, ich binde das erste Reff ein, lasse aber die große Genua, welche ich in der Früh gesetzt habe, stehen. Dann gibt’s wieder was zum Lachen: Bei 15 Knoten Wind, einer Wellenhöhe von knapp einem Meter und 20 Grad Schräglage versuche ich zu kochen. Schade, dass niemand da war, der diese Szene bildlich festgehalten hat. Es reichte zwar nur zu einer Eierspeise, allerdings ohne Hoppallas, möchte ich festhalten!
Es wird wieder Abend, ich erreiche bei stürmischen Wind um ca. 20 Uhr den Hafen von MOLFETTA, diese Stadt liegt zwischen VIESTE und BRINDISI auf der Position N 41° 12,5’ und E16° 35,5’. Beim Einlaufen habe ich noch Glück, da mitten im Hafenbecken eine Untiefe ist. Ich verwendete den Laptop mit seiner digitalen Seekarte, welche mir beim Ansteuern des unbekannten Hafens sehr hilfreich war. Von der Marina beachtet mich niemand, daher suche ich mir neben der Werft einen Ankerplatz, denn jetzt will ich nur noch meine Ruhe haben und schlafen….
Fazit: Quer über die Adria von der Insel LASTOVO nach MOLFETTA in 33 Stunden, dabei insgesamt 111sm (205Km) zurückgelegt, nur zwei Stunden Motorlaufzeit, Durchschnittsgeschwindigkeit 3,2 Knoten. Keine gröberen Probleme. Schön war’s!
Vielleicht kindisch, aber trotzdem: Ich bin froh, stolz und dankbar zugleich….
Der Wind frischt auf und dreht. Ich beschließe, gleich den Golf von MANFREDONIA auch zu durchsegeln. Damit gewinne ich Raum nach Süden. Werden es eben statt der geplanten 60sm so um die 100sm werden. Der Wind wird stärker, ich binde das erste Reff ein, lasse aber die große Genua, welche ich in der Früh gesetzt habe, stehen. Dann gibt’s wieder was zum Lachen: Bei 15 Knoten Wind, einer Wellenhöhe von knapp einem Meter und 20 Grad Schräglage versuche ich zu kochen. Schade, dass niemand da war, der diese Szene bildlich festgehalten hat. Es reichte zwar nur zu einer Eierspeise, allerdings ohne Hoppallas, möchte ich festhalten!
Es wird wieder Abend, ich erreiche bei stürmischen Wind um ca. 20 Uhr den Hafen von MOLFETTA, diese Stadt liegt zwischen VIESTE und BRINDISI auf der Position N 41° 12,5’ und E16° 35,5’. Beim Einlaufen habe ich noch Glück, da mitten im Hafenbecken eine Untiefe ist. Ich verwendete den Laptop mit seiner digitalen Seekarte, welche mir beim Ansteuern des unbekannten Hafens sehr hilfreich war. Von der Marina beachtet mich niemand, daher suche ich mir neben der Werft einen Ankerplatz, denn jetzt will ich nur noch meine Ruhe haben und schlafen….
Fazit: Quer über die Adria von der Insel LASTOVO nach MOLFETTA in 33 Stunden, dabei insgesamt 111sm (205Km) zurückgelegt, nur zwei Stunden Motorlaufzeit, Durchschnittsgeschwindigkeit 3,2 Knoten. Keine gröberen Probleme. Schön war’s!
Vielleicht kindisch, aber trotzdem: Ich bin froh, stolz und dankbar zugleich….
Dienstag, 7. Oktober 2008
Über die Adria...
Herrlich ungestörte Nacht. Fast schon unheimlich. Kein Laut war in der von Bergen umgebenen Bucht zu hören, das Wasser glatt und unbeweglich, wie Öl. Aufgetankt und zum ersten Mal in meinem Leben bei einem Hafenkapitän mein eigenes Schiff ausklariert! Für den war es aber nur lästige Arbeit, für mich eine Premiere. Dass die Polizei, zu der man bei dem Prozedere auch muss, genau gegenüber an der anderen Seite des Hafenbeckens lag, erwähne ich nur der Ordnung halber…..
Es geht los: Es ist bald Mittag, das Wetter passt, ich laufe aus. Kurs VIESTE / ITALIEN. Adieu Kroatien, ob ich dich mit deiner herrlichen Küste wohl je wieder sehen werde? Wehmütig richte ich meinen Bug Richtung Südwesten und setze die Segel, Vollzeug. Eine lange Fahrt quer über die Adria beginnt, ich bin aber gut vorbereitet, das Schiff in einem Toppzustand (und bis jetzt noch dicht…) Querab taucht an der Kimm ein großes und Schnelllaufendes Fischereiboot, geschätzte 7-8m hoch, auf. Wobei ich die zuerst sichtbaren Aufbauten mit 2-3m schätze. Ich stoppe die Zeit, bis das Schiff meinen Kurs kreuzt: 23 Minuten nur! So lange also kann ich mein Schiff unbeaufsichtigt lassen, bevor Kollisionsgefahr mit einem anderen Schiff besteht. Das werden kurze Schlafperioden…..Ich kann meinen Kurs nicht ganz halten, der Wind schralt etwas, ich komme zu weit südlich. Die Küste Kroatiens ist am Abend immer noch sichtbar, gleichzeitig kann ich aber die Kontur von Italien schon deutlich erkennen. Ich weiß, es ist kindisch, aber irgendwie bin ich darüber ein bisschen enttäuscht. Der Tag endet mit einem atemberaubenden Abendrot, welches schönes Wetter verspricht. Der halbvolle Mond und die Sterne gehen auf, ruhig zieht meine „Sandpiper“ am Wind ihre Bahn. Ein lästiger Fischer kreuzt 50m vor meinem Bug meinen Kurs, und das mitten am offenen Meer! Die fischen u.a. mit Leuchtköder, die beim versinken ein grünliches Licht abgeben. Fast unheimlich, wenn man darüber hinwegsegelt und es in der Tiefe leuchtet. Ich lege mich ins Cockpit und betrachte die Sterne. Fünf Minuten später trifft mich fast der Schlag, als ich knapp an einer rot blinkenden Boje vorbeirausche. Die hat wohl der Fischer gesetzt, damit er sein Netz wieder findet. Andere wiederum befestigen Radarreflektoren an den Netzen, um sie wieder zu finden. Ich sehe die Sterne wandern und den Mond wieder untergehen. Ein herrliches Bild. Das Leuchtfeuer von PALAGRUZA, der wuchtige Felsen mitten in der Adria, erscheint in der Ferne. Auf einmal wird jäh die Stille unterbrochen, es klatscht neben mir im Wasser, als wenn jemand einen Pflasterstein hinein geschmissen hätte. Was ist das bloß? Das unheimliche Geräusch wiederholt sich und kommt näher. Ich kann aber in der Dunkelheit nichts erkennen. Will mich gar der Klabautermann holen? Ich hab doch gar nichts angestellt! Dann endlich kann ich es erkennen: Delfine umkreisen mein Boot und schnellen dabei mit ihren schlanken Körpern aus dem Wasser. Ein herrlicher Anblick! Ich versuche mit ihnen zu kommunizieren, klatsche, singe und pfeife, aber nach einiger Zeit verschwinden sie in den Weiten des Meeres. Vielleicht habe ich zu falsch gesungen….Ich lege mich im 25 Minuten Rhythmus in die Koje, wobei ich feststelle, dass der neue Kurzzeitmesser (Eieruhr….) nicht funktioniert. Zum Glück hat eines meiner Handys diese Funktion. Gegen Morgen schläft der Wind fast ein, ich krieche nur mehr dahin, kann VIESTE sicher nicht erreichen ohne aufzukreuzen.
Es geht los: Es ist bald Mittag, das Wetter passt, ich laufe aus. Kurs VIESTE / ITALIEN. Adieu Kroatien, ob ich dich mit deiner herrlichen Küste wohl je wieder sehen werde? Wehmütig richte ich meinen Bug Richtung Südwesten und setze die Segel, Vollzeug. Eine lange Fahrt quer über die Adria beginnt, ich bin aber gut vorbereitet, das Schiff in einem Toppzustand (und bis jetzt noch dicht…) Querab taucht an der Kimm ein großes und Schnelllaufendes Fischereiboot, geschätzte 7-8m hoch, auf. Wobei ich die zuerst sichtbaren Aufbauten mit 2-3m schätze. Ich stoppe die Zeit, bis das Schiff meinen Kurs kreuzt: 23 Minuten nur! So lange also kann ich mein Schiff unbeaufsichtigt lassen, bevor Kollisionsgefahr mit einem anderen Schiff besteht. Das werden kurze Schlafperioden…..Ich kann meinen Kurs nicht ganz halten, der Wind schralt etwas, ich komme zu weit südlich. Die Küste Kroatiens ist am Abend immer noch sichtbar, gleichzeitig kann ich aber die Kontur von Italien schon deutlich erkennen. Ich weiß, es ist kindisch, aber irgendwie bin ich darüber ein bisschen enttäuscht. Der Tag endet mit einem atemberaubenden Abendrot, welches schönes Wetter verspricht. Der halbvolle Mond und die Sterne gehen auf, ruhig zieht meine „Sandpiper“ am Wind ihre Bahn. Ein lästiger Fischer kreuzt 50m vor meinem Bug meinen Kurs, und das mitten am offenen Meer! Die fischen u.a. mit Leuchtköder, die beim versinken ein grünliches Licht abgeben. Fast unheimlich, wenn man darüber hinwegsegelt und es in der Tiefe leuchtet. Ich lege mich ins Cockpit und betrachte die Sterne. Fünf Minuten später trifft mich fast der Schlag, als ich knapp an einer rot blinkenden Boje vorbeirausche. Die hat wohl der Fischer gesetzt, damit er sein Netz wieder findet. Andere wiederum befestigen Radarreflektoren an den Netzen, um sie wieder zu finden. Ich sehe die Sterne wandern und den Mond wieder untergehen. Ein herrliches Bild. Das Leuchtfeuer von PALAGRUZA, der wuchtige Felsen mitten in der Adria, erscheint in der Ferne. Auf einmal wird jäh die Stille unterbrochen, es klatscht neben mir im Wasser, als wenn jemand einen Pflasterstein hinein geschmissen hätte. Was ist das bloß? Das unheimliche Geräusch wiederholt sich und kommt näher. Ich kann aber in der Dunkelheit nichts erkennen. Will mich gar der Klabautermann holen? Ich hab doch gar nichts angestellt! Dann endlich kann ich es erkennen: Delfine umkreisen mein Boot und schnellen dabei mit ihren schlanken Körpern aus dem Wasser. Ein herrlicher Anblick! Ich versuche mit ihnen zu kommunizieren, klatsche, singe und pfeife, aber nach einiger Zeit verschwinden sie in den Weiten des Meeres. Vielleicht habe ich zu falsch gesungen….Ich lege mich im 25 Minuten Rhythmus in die Koje, wobei ich feststelle, dass der neue Kurzzeitmesser (Eieruhr….) nicht funktioniert. Zum Glück hat eines meiner Handys diese Funktion. Gegen Morgen schläft der Wind fast ein, ich krieche nur mehr dahin, kann VIESTE sicher nicht erreichen ohne aufzukreuzen.
Montag, 6. Oktober 2008
Ungestörte Nacht, der Wind hat wieder auf Süd gedreht und schlief am Vormittag ganz ein. Ich dümpelte wieder einmal so vor mich hin, erledigte einige längst fällige Arbeiten am Schiff und verstaute das Schlauchboot unter Deck, da ich mich schön langsam auf die Überfahrt nach Italien bereitmache. Am Nachmittag frischt es etwas auf, ich komme bis zur Insel LASTOVO, wo ich im Nordwestzipfel einer vom Militär verlassenen Bucht namens JURJEVA LUKA sicher wie in Abrahams Schoß vor Anker liege. Nur Fallwinde könnten mir gefährlich werden, da der höchste Berg hier immerhin 417m misst. Die Insel ist landschaftlich sehr reizvoll, bewaldet und stark gegliedert, leider hat das, großteils abgezogene, Militär eine Menge baufälliger Anlagen hinterlassen, die den guten Eindruck doch etwas trüben.
Wenn das Wetter passt (Laut Helis Wetterbericht – danke dafür - soll es so sein) ergänze ich morgen früh noch meinen Benzinvorrat, klariere beim Hafenkapitän aus und mache mich auf den Weg nach Vieste / Italien. Das wären ca. 60sm, also rund 111km. Ein langer Schlag, noch dazu quer durch ein vielbefahrenes Verkehrstrennungsgebiet. Eine Nachtfahrt ist also angesagt. Wir werden sehen….
Wenn das Wetter passt (Laut Helis Wetterbericht – danke dafür - soll es so sein) ergänze ich morgen früh noch meinen Benzinvorrat, klariere beim Hafenkapitän aus und mache mich auf den Weg nach Vieste / Italien. Das wären ca. 60sm, also rund 111km. Ein langer Schlag, noch dazu quer durch ein vielbefahrenes Verkehrstrennungsgebiet. Eine Nachtfahrt ist also angesagt. Wir werden sehen….
Sonntag, 5. Oktober 2008
In der Nacht sind noch etliche Charteryachten eingelaufen und haben sich teilweise auf abenteuerliche Art und Weise vor Anker gelegt. Die Crews waren gut drauf und hatten anscheinend schon dem Alkohol zugesprochen. Das ging so lange gut, bis der Wind zunahm….. Was dann passierte kann man mit Worten gar nicht beschreiben: Ein Geschrei, Getrampel, Taschenlampengefuchtel, Krachen, wildes herumkurven um schlierende Anker zum Eingraben zu bewegen, etc., begann. Und das stundenlang! Der Wirt und ich schüttelten nur mehr den Kopf ob solcher Hirnlosigkeit. Was machen die eigentlich, wenn wirklich Starkwind aufkommt?
Für mich aber beginnt ein abenteuerlicher Tag: Die Nacht war kalt, der Wind hat auf Nord gedreht, stahlblauer Himmel, wolkenlos. Typische Bura - Lage. Ich lege zeitig ab, um die Gunst der Stunde zu nutzen. Kaum aus der Bucht heraußen, legt der kleine Gerhard (wieder einmal….) die Ohren an. Ein bisschen viel Wind für ein kleines Schiff…. Um es auf den Nenner zu bringen: Ich rauschte von der Insel SOLTA weg, übers offene Meer an der Westküste der Insel HVAR vorbei, um am Abend an der Süd -Westküste der Insel KORCULA, in der Bucht „TRI LUKE“, müde aber Happy, meinen Anker ins glasklare Wasser fallen zu lassen. Die Entfernung betrug sagenhafte 38,7sm (= 71,7km) bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 4,2 Knoten. Wobei die Maximalgeschwindigkeit im Surf laut meinem GPS bei 9,6 Knoten lag!!! (Obwohl ich das nicht ganz glauben kann…) Unbeschreiblich für eine 22er Neptun – manchmal habe ich mich nur angehalten, wenn’s die Wellen runterging. Wie in der Hochschaubahn, nur eben auf dem Wasser! Meine Gefühlswelt kann ich gar nicht beschreiben, die Spannbreite reichte von der Panikattacke bis zur höchsten Stufe des Entzückens.
Als ich an der Insel VIS, dem ehemaligen LISSA, vorbeirauschte, überquerte ich historisches Terrain: Hier, im Norden der Insel, fand am 20. Juli 1866 die berühmte Seeschlacht zwischen Österreich und Italien statt, die mit dem Sieg der technisch und zahlenmäßig weit unterlegenen österreichischen Flotte unter dem Kommando von Wilhelm Freiherr v. Tegetthof (1827 – 1871) endete. Die Italiener standen unter dem Kommando des glücklosen Conte di Persano (1806 – 1883). Mein Weg führte ziemlich genau über das damals versenkte Flaggschiff der Italiener, der „Re d`Italia“ hinweg, die in etwa 100m Tiefe liegt. Ein Gefühl von Trauer kam in diesem Moment in mir hoch. Trauer über die toten Seeleute, die hier ihr nasses, kaltes Grab finden mussten. Sinnlos gestorben, wie alle Toten in einem Krieg sinnlos sterben müssen. Ob wir das wohl je begreifen werden? Ich gebe die Hoffnung nicht auf....
Ich aber segelte weiter - Immer weiter von dort weg, wo mir einmal alles lieb und teuer war........
Für mich aber beginnt ein abenteuerlicher Tag: Die Nacht war kalt, der Wind hat auf Nord gedreht, stahlblauer Himmel, wolkenlos. Typische Bura - Lage. Ich lege zeitig ab, um die Gunst der Stunde zu nutzen. Kaum aus der Bucht heraußen, legt der kleine Gerhard (wieder einmal….) die Ohren an. Ein bisschen viel Wind für ein kleines Schiff…. Um es auf den Nenner zu bringen: Ich rauschte von der Insel SOLTA weg, übers offene Meer an der Westküste der Insel HVAR vorbei, um am Abend an der Süd -Westküste der Insel KORCULA, in der Bucht „TRI LUKE“, müde aber Happy, meinen Anker ins glasklare Wasser fallen zu lassen. Die Entfernung betrug sagenhafte 38,7sm (= 71,7km) bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 4,2 Knoten. Wobei die Maximalgeschwindigkeit im Surf laut meinem GPS bei 9,6 Knoten lag!!! (Obwohl ich das nicht ganz glauben kann…) Unbeschreiblich für eine 22er Neptun – manchmal habe ich mich nur angehalten, wenn’s die Wellen runterging. Wie in der Hochschaubahn, nur eben auf dem Wasser! Meine Gefühlswelt kann ich gar nicht beschreiben, die Spannbreite reichte von der Panikattacke bis zur höchsten Stufe des Entzückens.
Als ich an der Insel VIS, dem ehemaligen LISSA, vorbeirauschte, überquerte ich historisches Terrain: Hier, im Norden der Insel, fand am 20. Juli 1866 die berühmte Seeschlacht zwischen Österreich und Italien statt, die mit dem Sieg der technisch und zahlenmäßig weit unterlegenen österreichischen Flotte unter dem Kommando von Wilhelm Freiherr v. Tegetthof (1827 – 1871) endete. Die Italiener standen unter dem Kommando des glücklosen Conte di Persano (1806 – 1883). Mein Weg führte ziemlich genau über das damals versenkte Flaggschiff der Italiener, der „Re d`Italia“ hinweg, die in etwa 100m Tiefe liegt. Ein Gefühl von Trauer kam in diesem Moment in mir hoch. Trauer über die toten Seeleute, die hier ihr nasses, kaltes Grab finden mussten. Sinnlos gestorben, wie alle Toten in einem Krieg sinnlos sterben müssen. Ob wir das wohl je begreifen werden? Ich gebe die Hoffnung nicht auf....
Ich aber segelte weiter - Immer weiter von dort weg, wo mir einmal alles lieb und teuer war........
Samstag, 4. Oktober 2008
In der Nacht fing es zu pfeifen an, Gewitter zogen durch. Ich liege sicher. Die wirklichen Helden, obwohl nicht immer meine Freunde, sind die Fischer. Mitten in der Nacht, so gegen Morgen zu, besteigen sie ihre kippeligen Kleinwasserfahrzeuge um trotz Wind, Kälte und Regen ihrem gefährlichen Handwerk nachzugehen. Am Vormittag kommen sie dann, in Regenkleidung gehüllt und durchfroren, mit ihrer kärglichen Beute zurück. Bemerkenswerterweise sind auch Frauen dabei. Meine Hochachtung haben sie alle.
Es regnet, ein Reparaturtag ist angesagt, denn ein Wegfahren bei dem Wetter muss ja nicht unbedingt sein. Im Ösiland sinkt die Schneefallgrenze auf 1200m….
Das mit dem Radio ist bald erledigt, ein Kabel hat sich gelockert. Das mit dem Batterieladegerät wird länger dauern. Nicht das Ladegerät ist defekt, sondern der Stromgenerator, ein Honda EX500, schaltet nach ca. 20 min. Betriebszeiten die 220 Volt Spannungsversorgung ab. Warum er das tut, ist mir bislang noch ein Rätsel. Da das Gerät von Robert stammt, gibt es natürlich kein Manual dazu….
Nach längerem Herumsuchen habe ich den, von mir nachträglich angebrachten, verlängerten Auspuff entfernt, und siehe da, es funktioniert auf einmal. Weiß der Kuckuck warum, vielleicht erzeugte der lange Auspuff einen Hitze – Rückstau und das Gerät schaltete deshalb sicherheitshalber ab.
Auf der Insel herumgestrolcht, es war aber nichts Erwähnenswertes dabei zu sehen.
Es regnet, ein Reparaturtag ist angesagt, denn ein Wegfahren bei dem Wetter muss ja nicht unbedingt sein. Im Ösiland sinkt die Schneefallgrenze auf 1200m….
Das mit dem Radio ist bald erledigt, ein Kabel hat sich gelockert. Das mit dem Batterieladegerät wird länger dauern. Nicht das Ladegerät ist defekt, sondern der Stromgenerator, ein Honda EX500, schaltet nach ca. 20 min. Betriebszeiten die 220 Volt Spannungsversorgung ab. Warum er das tut, ist mir bislang noch ein Rätsel. Da das Gerät von Robert stammt, gibt es natürlich kein Manual dazu….
Nach längerem Herumsuchen habe ich den, von mir nachträglich angebrachten, verlängerten Auspuff entfernt, und siehe da, es funktioniert auf einmal. Weiß der Kuckuck warum, vielleicht erzeugte der lange Auspuff einen Hitze – Rückstau und das Gerät schaltete deshalb sicherheitshalber ab.
Auf der Insel herumgestrolcht, es war aber nichts Erwähnenswertes dabei zu sehen.
Freitag, 3. Oktober 2008
Ungestörte Nacht, noch ist angenehmes Wetter, die Vorhersagen verheißen allerdings nichts Gutes. Zum ersten Mal werfe ich den Stromgenerator an um meine Batterien aufzuladen. Durch meine Abwesenheit und allgemein zu wenig Sonne sind sie fast leer. Und ich muss doch mein Tagebuch schreiben…..
20 Minuten später: Ein ungewohntes Geräusch lässt mich nachsehen, was ist passiert? Das Ladegerät hat seinen Geist aufgegeben!!! Jetzt habe ich wirklich ein Problem, da die Stromversorgung für die Batterieladung nur über die Solaranlage jetzt im Herbst nicht ausreichen wird…. Noch dazu ist das Mistding gut versteckt eingebaut. Der Radio hat auch seinen Geist aufgegeben. Vielleicht habe ich ihm aber auch nur die Stromversorgung beim Ausbau des defekten Barometers gekappt. Sei’s wies sei, Wind kommt auf, das muss genützt werden. Ein Tag mit allen seglerischen Höhen und Tiefen beginnt. Leider wieder Südwind. Aber was soll’s, ich kämpfe mich eben etappenweise gen Süden – mühsam ernährt sich das Eichhörnchen…. Ich komme bis zur Insel SOLTA, wo ich mich in die Bucht SESULA, gleich nach dem Ort MASLINICA, an eine Boje lege. Ein geschäftstüchtiger Wirt passt mich mit seinem Fischernachen ab, lobpreist die Qualität seiner Speisen und die Schönheit seiner Frau und hilft mir beim Anlegen. Als Dank dafür fahre ich ihn halb über den Haufen, da ich mich beim aufstoppen wieder einmal verschätzt habe. Er Trugs mit Fassung, ich schob die Schuld auf meine temporäre Behinderung durch den Gips…. Wir verstanden uns dann ganz gut (die Wirtin war übrigens wirklich fesch..) und das Essen bei ihm war zwar nicht billig, hat aber gepasst.
Das Highlight des Tages war aber das Treffen mit einer anderen 22er Neptun. Ein junger Kroate überholte mich damit unter Maschine, als ich gerade in einer Flaute dümpelte. Beim obligaten Seglergruß erkannte er das „Schwesterschiff“. Das Hallo war groß, ein Plauscherl auf Englisch mitten am Meer war angesagt. Er war zu einer Regatta in Split unterwegs, darum hatte er es eilig. Er nahm daran mit seiner N22 teil!! Ich werde zwar nie erfahren, welchen Platz er belegen wird, drücke ihm aber ganz fest die Daumen für eine gute Platzierung.
Etmal 21sm. (Ich schreibe die tatsächlich gesegelte Strecke über Grund auf, wie weit ich wirklich (Luftlinie….) gekommen bin, ist durch das Aufkreuzen, Abdrift, etc. meistens - oft wesentlich, da Situationsabhängig - weniger)
20 Minuten später: Ein ungewohntes Geräusch lässt mich nachsehen, was ist passiert? Das Ladegerät hat seinen Geist aufgegeben!!! Jetzt habe ich wirklich ein Problem, da die Stromversorgung für die Batterieladung nur über die Solaranlage jetzt im Herbst nicht ausreichen wird…. Noch dazu ist das Mistding gut versteckt eingebaut. Der Radio hat auch seinen Geist aufgegeben. Vielleicht habe ich ihm aber auch nur die Stromversorgung beim Ausbau des defekten Barometers gekappt. Sei’s wies sei, Wind kommt auf, das muss genützt werden. Ein Tag mit allen seglerischen Höhen und Tiefen beginnt. Leider wieder Südwind. Aber was soll’s, ich kämpfe mich eben etappenweise gen Süden – mühsam ernährt sich das Eichhörnchen…. Ich komme bis zur Insel SOLTA, wo ich mich in die Bucht SESULA, gleich nach dem Ort MASLINICA, an eine Boje lege. Ein geschäftstüchtiger Wirt passt mich mit seinem Fischernachen ab, lobpreist die Qualität seiner Speisen und die Schönheit seiner Frau und hilft mir beim Anlegen. Als Dank dafür fahre ich ihn halb über den Haufen, da ich mich beim aufstoppen wieder einmal verschätzt habe. Er Trugs mit Fassung, ich schob die Schuld auf meine temporäre Behinderung durch den Gips…. Wir verstanden uns dann ganz gut (die Wirtin war übrigens wirklich fesch..) und das Essen bei ihm war zwar nicht billig, hat aber gepasst.
Das Highlight des Tages war aber das Treffen mit einer anderen 22er Neptun. Ein junger Kroate überholte mich damit unter Maschine, als ich gerade in einer Flaute dümpelte. Beim obligaten Seglergruß erkannte er das „Schwesterschiff“. Das Hallo war groß, ein Plauscherl auf Englisch mitten am Meer war angesagt. Er war zu einer Regatta in Split unterwegs, darum hatte er es eilig. Er nahm daran mit seiner N22 teil!! Ich werde zwar nie erfahren, welchen Platz er belegen wird, drücke ihm aber ganz fest die Daumen für eine gute Platzierung.
Etmal 21sm. (Ich schreibe die tatsächlich gesegelte Strecke über Grund auf, wie weit ich wirklich (Luftlinie….) gekommen bin, ist durch das Aufkreuzen, Abdrift, etc. meistens - oft wesentlich, da Situationsabhängig - weniger)
Donnerstag, 2. Oktober 2008
In der Nacht noch bekomme ich eine sms, dass Hermann und sein treuer Gefährte Joefloki, ein tibetanischer undwasweißichnoch Hunderüde, (Hermann würg mich bitte nicht, ich weiß es nicht besser….) gut in Wien angekommen sind. Ich bin froh, dass für die Beiden alles gut gegangen ist.
Natürlich habe ich Südwind, ich laufe dennoch aus, ein mühsamer Tag beginnt. Dieser Südwind baut eine unangenehme Welle auf, manchmal stampft sich mein altes Mädchen sich so fest, dass es fast zum Stehen kommt. Resümee am Tagesende: 23sm gesegelt, aber nur 12sm Entfernung geschafft! Tja, gegenan aufkreuzen war immer schon eine mühsame Angelegenheit, besonders mit einer Neptun……
Ich suche mir eine geschützte Ankerbucht in der Nähe der Marina ROGOZNICA. Bin hundemüde aber zufrieden. Alles gut gegangen heute. Nur die Manöver und das Segelbergen mit der Gipshand ist mühsam….
Natürlich habe ich Südwind, ich laufe dennoch aus, ein mühsamer Tag beginnt. Dieser Südwind baut eine unangenehme Welle auf, manchmal stampft sich mein altes Mädchen sich so fest, dass es fast zum Stehen kommt. Resümee am Tagesende: 23sm gesegelt, aber nur 12sm Entfernung geschafft! Tja, gegenan aufkreuzen war immer schon eine mühsame Angelegenheit, besonders mit einer Neptun……
Ich suche mir eine geschützte Ankerbucht in der Nähe der Marina ROGOZNICA. Bin hundemüde aber zufrieden. Alles gut gegangen heute. Nur die Manöver und das Segelbergen mit der Gipshand ist mühsam….
Mittwoch, 1. Oktober 2008
Ungestörte Nacht, Südwind. Wir fahren weiter in die Marina Solaris, zu meinem Schiff. Nach dem Ausladen meiner Sachen kehrt Hermann nach Österreich zurück. Ich schaue ihm traurig nach, da mit ihm auch mein braves Auto in der Ferne entschwindet. Ob ich wohl mit ihm noch einmal fahren werde? Dieser Skoda Octavia war das bisher beste Fahrzeug, das ich je hatte.
Ich räume das Schiff ein und mache es startklar, denn wenn das Wetter morgen passt, geht es los gen Süden. Hoffentlich kein Südwind so wie heute, denn gegenan muss ja nicht unbedingt sein.
Der Gips behindert mich zwar, bis jetzt geht’s aber so la la.
Ich räume das Schiff ein und mache es startklar, denn wenn das Wetter morgen passt, geht es los gen Süden. Hoffentlich kein Südwind so wie heute, denn gegenan muss ja nicht unbedingt sein.
Der Gips behindert mich zwar, bis jetzt geht’s aber so la la.
Abonnieren
Posts (Atom)