Für etwaige Wünsche, Bitten und Beschwerden bin ich manchmal erreichbar unter:
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Mein Skype - Name: neptun.22



Donnerstag, 30. April 2009

Tasucu

Nachdem der Wind, der zurzeit mit einer gewissen Regelmäßigkeit nach Mittag aus SW einsetzt, daher für mich noch immer aus der falschen Richtung bläst, unternehme ich eine Wanderung durch die Berge. Mit allem hätte ich dabei gerechnet, aber dass mir mitten in der Türkei ein Chamäleon über den Weg läuft, hat mich dann doch stark überrascht:


Eigentlich hätte ich diese Tierart erst im brasilianischen Dschungel erwartet….
Ich besuche einen der großen Marmorsteinbrüche, wo mir das Personal das Fotografieren verbieten will:


Hier wird eine völlig andere Technik als z.B. in Carrara (Italien...) angewandt. Welche der Beiden effizienter ist, kann ich allerdings nicht beurteilen:


Die Aussicht von dort oben war herrlich, leider durch Dunst getrübt:


Wassersorgen gibt es hier, im Gegensatz zu den griechischen Inseln, keine; durch das nahe Taurusgebirge und etliche große Flüsse ist die Versorgung damit gesichert. Darum und durch das heiße Klima sind angeblich bis zu vier Ernten möglich; sagt man mir zumindest, obwohl ich es nicht ganz glauben kann….
Offiziell ausklariert habe ich auch schon. Wiewohl mir dieses Prozedere fürchterlich auf den Geist ging, musste ich dabei manchmal innerlich doch hellauf lachen: Jeder Beamte, den ich mein Transitlog unter die Nase hielt machte daraufhin einen Gesichtsausdruck, als wenn es ein pornographisches Druckwerk gewesen wäre…. Gut zwei Stunden brauchte ich. Das der Hafenmeister am anderen Ende des Hafens, also diametral von Zoll und Polizei entfernt logiert war für mich insofern von Bedeutung, da ich dorthin wieder zurücklatschen musste, weil der gute Mann unbedingt eine von den anderen Behörden abgestempelte Kopie des Transitlog wollte….. Alle waren allerdings sehr freundlich und höflich zu mir, bei besagtem Hafenmeister gab es sogar Tee. Könnte man denn das Ausklarieren nicht ein bisschen anders handhaben? Z.B. so: Ein Offizieller drückt mir die Hand und sagt dabei: „Es hat uns sehr gefreut, dass Sie unser Land besucht haben, hoffentlich haben Sie recht viel Geld hier gelassen, kommen Sie doch bald wieder!“ Das würde doch auch genügen, oder???

Mittwoch, 29. April 2009

Tasucu

Für mich sehr unangenehm ist, dass es in der Türkei keine Konservendosen mit „fleischigem“ Inhalt gibt. Ich bekomme nur Thunfisch (relativ teuer) und diverses Grünzeug. Kein Fleischschmalz, keine Sardinen, nichts. Es wird, wie in südlichen Ländern eben üblich, viel lose Ware angeboten und überhaupt nichts mit Schweinefleisch – verständlich in einem Land, in dem der Glauben den Genuss von Schweinefleisch verbietet. Aber das macht die Bordküche komplizierter, als sie eh schon ist - *Lach*. Was fange ich schon mit einem Sack Hirse an, auch wenn er noch so günstig zu erstehen wäre? Allerdings fasziniert mich die Vielfalt an Gewürzen, Kräutern und unbekannten Früchten, welche in offenen Gebinden oder Säcken angeboten werden, immer wieder. Deren angenehme Geruchsvielfalt lässt meinen Mund jedes Mal aufs Neue wässrig werden.
Heute war Naturkunde angesagt, ich habe das Vogelschutzgebiet im Delta des Göksu durchstreift. Mit rauchenden Schuhsohlen, da ich dessen Größe etwas unterschätzt habe… Obwohl in der Form frappierend ähnlich, stellt sich das bekannte Goldene Horn (kroatisch Zlatni rat) auf der Insel Brač in Kroatien dagegen geradezu minimalistisch dar. Damit man sich die Größe in etwa vorstellen kann: (Links oben ist der Hafen von Tasucu, in dem Sandpiper liegt)


Leider keine Seeschildkröte gesichtet, auch die Vogelwelt hielt sich etwas bedeckt. Dafür hatte ich einen kilometerlangen Sandstrand für mich ganz alleine. (Fast…) unberührte, herrliche Natur, bis auf meine 43er:


Ich bin mir vorgekommen wie Robinson Crusoe – Warten auf Freitag….

Dienstag, 28. April 2009

Tasucu

Hafentag, es ist nichts Besonderes los. Da ich kostenlosen Internetzugang habe, verbringe ich viel Zeit am Schiff mit dem Herunterladen von Wetterberichten, Einreisebestimmungen etc. Spezifische Länderinformationen von Syrien und Zypern werden gesichtet, Mails geschrieben und mein Blog aktualisiert. Die Stadt wird durchwandert, meine Begeisterung hält sich allerdings dabei wieder einmal in Grenzen - besonders wenn man so ein Bild sieht:


Warum dem Tier das Euter abgedeckt wird - damit das Kitz nicht trinken trinken kann - bleibt mir ein Rätsel...
Am Nachmittag kommt stärkerer Südwind auf – leider ist das die verkehrte Richtung für mich.

Vom 11. Juli 1988 bis 9. Juli 1990 umsegelte Gudrun Calligaro Einhand - auf der Route der alten Windjammer - mit ihrer Yacht "Mädchen", einer 9,35 Meter langen Slup des Typs Arpege, die Welt. Das waren 31.834 Seemeilen in 338 Seetagen mit sieben Zwischenstopps. Ihr (lesenswertes) Buch „Ein Traum wird wahr“ - als erste Deutsche Einhand um die Welt, gibt es z.B. hier: http://www.freytagberndt.at/rtc-freytagberndt/de_DE/841/SESSION/155?page=2 Auf den Seiten von Gudrun - http://www.gudrun-calligaro.de/ - fand ich folgende "Märchengeschichte", die meine Eigene sein könnte. Sie beschreibt darin Gedanken, Ängste und Hoffnungen jedoch weit besser, als ich es je könnte:

DER KLEINE SEEMANN:

Ein kleiner Seemann hatte einmal einen Traum,
den Traum von Freundschaft und Liebe unter den Menschen,
der Traum von Achtung der Menschen untereinander,
den Traum vom Erkennen der Schönheit und der Vollkommenheit der Natur,
den Traum vom Erfassen der Dinge, die wichtig sind für die Menschen.

Als der kleine Seemann begann erwachsen zu werden, geschah etwas Merkwürdiges. Es schien, als spräche er eine andere Sprache als die Menschen um ihn. Selten gelang es ihm zu vermitteln, dass er nur zufrieden und fröhlich leben wollte. Dass es dazu für ihn wichtig war zu staunen, aufzunehmen und den schönen Dingen Raum zu geben. Immer weniger Menschen hatten Verständnis für seine Gedanken und Fragen. So versuchte er, wie die anderen zu sein. Dabei wurde er immer trauriger und wusste bald gar nicht mehr, was richtig für ihn war, denn nun bestimmten andere, was er tat. Ihm war als wäre er zwei Menschen. Der, der tat was erwartet und verlangt wurde und der, der es verstand in seinen Träumen mit Tieren, Pflanzen und Dingen zu reden. Der kleine Seemann beschloss, wieder wie ein Kind zu werden. Er wollte seine Freude, seine Liebe, sein Glück, aber auch seine Bestürzung und seine Trauer leben und zeigen dürfen.

Oft saß er an seinem Lieblingsplatz am äußersten Ende der Mole. Während der alte Leuchtturm seinen Lichtfinger über das Meer gleiten ließ, überlegte er, wie das wohl ginge: als Erwachsener wie ein Kind unter Erwachsenen zu leben. Eine helle, klare Stimme unterbrach sein Grübeln. Guten Abend! Rief ihm ein kleines Segelboot zu, das alleine und ohne Führung auf die Mole zuschipperte. Willst du mit mir reisen? Der kleine Seemann glaubte zu träumen und drückte mehrmals seine Augen zu. Das kleine Segelboot indes war ganz wirklich. Erneut frage ihn eine klare Stimme: Willst du mit mir kommen? Es gibt viele schöne Dinge zu entdecken, lass sie uns gemeinsam erleben. Der kleine Seemann kletterte zum Wasser hinunter und betrat zögernd das Schiffchen, das inzwischen sachte an der Mole angelegt hatte. Schüchtern befühlte er die Planken, den Mast und die Segel. Sein Herz klopfte laut, als sich seine Hände um das Steuerrad schlossen und sie dem offenen Meer entgegen segelten.
Es ist schön, dass du mir hilfst den Kurs zu halten, meinte das Schiffchen. Ich bin auf meinen langen Reisen etwas müde geworden. Erst jetzt bemerkte der kleine Seemann, dass sein Gefährte, den er für so stark und schön hielt, einige Blessuren hatte. Eine Planke war eingedrückt, im Rumpf sicherte durch einen Riss Wasser ein. Und wenn der Wind die Segel aufblähte, waren auch dort kleine Löcher zu sehen. Muss man, um Schönes zu erleben, solche Wunden davontragen? Auf seine ängstliche Frage erhielt der kleine Seemann keine Antwort. Er spürte jedoch wie das Schiffchen als Dank für seine Aufmerksamkeit hurtig durch die Wellen glitt und das Meeresleuchten anlockte. Drei Schleppen aus Silber, in Luv und Lee und achteraus strahlten in geheimnisvollem Licht. Das Leuchten und Glitzern wiederholte sich in tausendfacher Weise am inzwischen aufgezogenen Sternenhimmel. Der Passatwind schob die Beiden in schneller Fahrt nach Westen und wurde so heftig, dass das Schiffchen zu ächzen begann. Der kleine Seemann gab ihm kleinere Segel und bat den Wind, nicht so kraftvoll zu blasen. Er hatte Sorge, dass seinem Freund noch mehr Schaden zugefügt würde.
Sei unbesorgt, ertönte die tiefe Stimme des Windes. Ich habe zwar große Kraft, aber ich bin achtsam – ich trage euch voran, vertraut mir. Aber du hast auch schon Boote kaputtgedrückt! Entgegnete heftig der kleine Seemann. Beruhige dich, ertönte die Stimme des Windes, meine Kraft muss nicht gefährlich sein. Unglück geschieht nur, wenn die Menschen sich gegen mich stemmen, mich glauben bändigen zu können. Wir Winde sind nicht zerstörerisch. Unser Los ist es, ständig die Erde zu umhasten, ruhelos und getrieben vom Zwang der Naturgesetze. Auf unseren Reisen begegnen wir Not, Hunger und Leid – diese Entwürdigung der Menschen brüllen wir dann hinaus und erscheinen ungestüm. Wir können uns aber auch freuen über Menschlichkeit, Liebe und Freundschaft. Dies besänftigt unser Toben und wir werden still. Du siehst, wir wenden unsere Kräfte nicht böswillig an. Richtet euch nach uns und es wird alles leichter gehen. Seht die Zeichnungen, die wir in den Himmel malen und ihr werdet verstehen, wie wir uns fühlen.
Der kleine Seemann hatte aufmerksam zugehört. Er spürte, dass es ihm manchmal ähnlich ging. „Sich nach der Natur richten“ murmelte er und schickte sich an, dem Schiffchen noch kleinere Segel zu geben. Danke! Sagte das Schiffchen. Du hast großen Druck von mir genommen. Ich werde dich deshalb nicht langsamer vorantragen – im Gegenteil! Zu viel Belastung erdrückt und lähmt mich. Ich kann dann meine Energie nur noch für das Überleben einsetzen und nicht mehr empfinden, was um mich herum geschieht oder gar aus mir heraus handeln. Das Schiffchen hatte jetzt eine gewaltige Fahrt, denn nicht nur der Wind trieb es voran, sondern auch die Wellen, die von hinten anrollten. Der kleine Seemann, der zunächst sehr damit beschäftigt war, das ihm Gesagte zu begreifen, starrte entsetzt auf die sich auftürmenden Wellenberge. Sie trugen weiße Kronen und ließen die Gischt wie einen Schleier über ihren Kämmen wehen. Nein, nein, schrie der kleine Seemann, seht doch, was ihr anrichtet! Das Schiffchen wird ständig mit Wasser überspült. Es vibriert am ganzen Rumpf und stöhnt beim Eintauchen in die Wellen! Ihr macht mir Angst! Deine Furcht ist unbegründet – beschwichtigte ihn eine mächtige Welle, die das Schiffchen kraftvoll in die Höhe hob und es dann den Wellenberg hinunter rauschen ließ. Auch wir ziehen nur mit dem Wind um die Erde und wollen euch nichts Böses. Wir wollen euch erfreuen, mit euch spielen. Helfe dem Schiffchen wieder beim Steuern und fahre mit, nicht gegen uns. Verwirrt und aufgeregt darüber, dass das Meer zu ihm sprach, umklammerte der kleine Seemann das Steuerrad und versuchte das zu tun, was ihm Wind und Wellen geraten hatten. Sachte, mahnten die Wellen, als der kleine Seemann zu hart ins Ruder griff. Du sollst das Schiffchen nur in seiner Fahrt etwas unterstützen. Der kleine Seemann versuchte die Furcht und Aufregung abzuschütteln und das Richtige für das Schiffchen zu tun. Er begriff, dass er den Gleichklang der anrollenden Wasserberge erfühlen und in der Bewegung aufgehen musste, um eine Hilfe sein zu können. Als ihm dies gelang spürte er mit tiefer Freude, dass sie eine Verschwörung waren: Das Schiffchen, der Wind, die Wellen und er. Er fühlte sich als Teil eines ungeheueren Geschehens. Und auch jetzt erst sah er, mit welch wundervollen Farben sich das Meer kleidete und wie zauberhaft sich der Himmel schmückte.
Ein feiner Silberstreifen durchzog den Horizont, der Tag löst die Nacht ab - noch waren beide gleichzeitig da. Mit großen Augen erlebt der kleine Seemann, wie sich der östliche Teil des Himmels lichtgelb färbt, die Sonne als strahlender Bogen erscheint und ihre belebenden Strahlen über das Wasser gleiten lässt. Die See nimmt, als wäre sie dankbar für die Wärme, froh Farbe und Stimmung auf und glitzert dem Morgen entgegen. Am westlichen Teil des Firmaments verabschiedet sich die Nacht mit dem immer blasser werdenden Mond. Die Dunkelheit beginnt sich aufzulösen. Auch das Meer unter diesem Teil des Himmels entgleitet der bleiernen Schwärze. Deine Sorgen waren unbegründet, meinte das Schiffchen. Hier draußen brauchst du nicht zu kämpfen, nimm einfach die Geschenke der Natur an – sie sind gut und richtig. Der kleine Seemann, der sich noch immer nicht von dem faszinierenden Schauspiel des Tag - Werdens lösen konnte, merkte gar nicht, wie er vor Müdigkeit auf der Steuerbank zusammengesunken war und ihm die Augen zufielen. Schlaf ruhig, flüsterte das Schiffchen, du wirst noch viele Sonnenaufgänge erleben und doch wird jeder einzig sein in seiner Art. Dieser heute war besonders schön, weil wir ihn gemeinsam erleben durften.
Das Schiffchen zog weiter nach Westen. Der Lauf der Wellen und der Stand der Sonne zeigten ihm die Richtung an. Einen Kompass wie andere Boote brauchte es nicht. Als die Sonne ihren höchsten Stand erreicht hatte, ging auch der Wind schlafen und die Wellen verwandelten sich in eine sachte Dünung. Auch das Schiffchen hatte nun Zeit auszuruhen. Es ließ sich sanft vom Meer schaukeln. Es begannen schöne Stunden und Tage. Die Sonne wärmte die Glieder des kleinen Seemanns und die Planken des Schiffchens. Das kleine Boot zog seine kleine, so vergängliche Furche in die inzwischen wieder fröhlich plätschernden Wellen. Verstehen und Harmonie begleiteten die weitere Fahrt. Der kleine Seemann lernte auf seiner Reise noch vieles was geschah neu und anders zu sehen. Er war erfüllt von Freude und Ruhe und er fühlte sich stark genug wieder unter Menschen zu gehen. Er spürte den Wunsch, das Erlebte mitzuteilen. Der Abschied vom Schiffchen fiel ihm dennoch schwer. Und doch wusste er, dass irgendwo gerade jetzt ein Mensch von diesem Schiffchen und einer solchen Reise träumte. Die Wirklichkeit hatte den kleinen Seemann rasch wieder eingefangen und forderte ihn. Das äußere Leben schien unverändert. Doch er erkannte in den Menschen um sich viele „kleine Seemänner“. Jeder mit seinem eigenen Traum und seinen Vorstellungen, diesen in die Wirklichkeit zu holen.
Manches Mal ist es für den kleinen Seemann schwierig, seinen Weg durch die Wirren des Alltags zu finden. Und mitunter geschieht es, dass er an sich selbst und seinem Glauben zweifelt. Er geht jedoch unbeirrbar weiter. Mit wachen Augen und offenem Herz begegnen ihm viele kleine Wunder die er dankbar in sein Leben verwebt.

Dem ist nichts hinzuzufügen....

Montag, 27. April 2009

Tasucu

Mein Ankerplatz mitten im Hafen scheint hier offensichtlich niemanden zu stören – auch gut, dann bleib ich einfach mal so liegen:


Es gibt in der Nähe einige gut sortierte Supermärkte, ich fülle die Vorratskammern von Sandpiper auf und hole mit meinem Wägelchen von der ca. 1Km entfernten Tankstelle Benzin und Öl. Obwohl die dort kein Wort Englisch konnten, bekam ich schließlich doch mein Zweitaktöl – und ein Tässchen Tee.
Der Ort an sich liegt an der Hauptverkehrsader Antalya – Mersin und gibt nicht viel her:







Zwei Seitenstraßen von der Hauptstraße entfernt sieht man erst das wahre Gesicht einer Stadt…. Ich kann aber noch nicht weg, es herrscht totale Flaute. Der Wetterbericht spricht von wenig Wind, noch dazu aus der falschen Richtung. Ich glaube, ich muss den Göttern doch mal was opfern…
Tasucu ist ein „Port of entry“, hier muss ich nun eine Entscheidung treffen: Syrien oder Zypern. Für Syrien brauche ich ein Visum vor der Einreise, die Preise sind dort hoch, an der Küste gibt es nichts Besonderes zu sehen, außerdem kenne ich das Land ein bisschen - ich war 1975 schon mal dort. Ich glaube, ich werde mir doch lieber Nordzypern geben….
Rund fünf Meilen entfernt liegt die Stadt Silifke, das antike Seleucia. Hier ertrank 1190 auf dem dritten Kreuzzug Kaiser Friedrich Barbarossa im Fluss Saleph, der nun Göksu genannt wird. (Seinen Beinamen Barbarossa (barba „Bart“, rossa „rot/rötlich“) erhielt er in Italien wegen seines rötlich schimmernden Bartes) Das Delta des Göksu, welches hier gleich um die Ecke liegt, mit den Lagunen bei Akgöl und Paradeniz, ist eines der wichtigsten Brutgebiete im Nahen Osten. Über 300 Vogelarten wurden angeblich hier beobachtet. Unter anderem brüten hier Flamingos, Reiher, Bienenfresser, Eisvögel, Lachmöwen, Nachtigallen und Baumläuferwaldsänger. Die bedrohte Seeschildkröte (Caretta caretta) und die Blaukrabbe legen hier ihre Eier ab. Es gibt weltweit nur noch wenige Nistplätze dieser Tierarten.

Sonntag, 26. April 2009

Von Yesilovacik nach Tasucu

Das Wetter ist passabel, schon zeitig laufe ich aus. Am Anfang passt der Wind, Sandpiper wieselt mit vier Knoten durch die Wellen – leider nicht lange. Ich muss kreuzen, bei immer weniger werdenden Wind. Das wird mit der Zeit fad, da dabei fast kein Weg nach Luv zu machen ist. Widerwillig motore ich an einer herb – schönen Landschaft vorbei nach Tasucu hoch. Hier sind keine der endlosen Treibhausanlagen mehr zu sehen, die schon seit geraumer Strecke die Landschaft verunziert hatten. Dafür trüben die Abraumhalden zweier großer Steinbrüche den ersten Eindruck dieser Gegend. Mir kann man es aber auch gar nicht recht machen, ich weiß…. Kurz vor Tasucu gibt es einen Hafen für Nato – Kriegsschiffe (Nato Limani), umzäunt, mit Wachtürmen und Scheinwerfern gesichert, aber kein Schiff ist weit und breit zu sehen - außer dieser Fähre:


Die Hafenanlage von Tasucu besteht aus zwei Teilen, welche räumlich etwas voneinander getrennt sind: Der kommerzielle Teil für die Frachter und großen Fähren, der Stadthafen für die kleinen Fähren (nach Zypern) und das gewöhnliche Fußvolk. Dieser Hafen ist (wieder einmal …) derartig blöd angelegt, dass ich mich an einer halbwegs geeigneten Stelle ganz einfach vor Anker lege.
Ich lerne ein deutsches Ehepaar kennen, welche mit ihrer 28er Contest hier schon jahrelang Dauerlieger sind. Von ihnen bekomme ich wertvolle Erstinformation. Danke dafür! Offensichtlich sind Susi und Alex mit ihrer „Stella“ vor rund einer Woche, von Syrien kommend, hier durchgekommen – wir sind wohl aneinander vorbeigesegelt….
Ich erstverproviantiere mich, besorge mir in einem Kaffee einen Internetcode und lasse den Tag gemütlich schaukelnd an Bord ausklingen.

Etmal: 22sm, Position: N 36° 19,04’ / E 033° 52,86

Samstag, 25. April 2009

Yesilovacik

Die Fischer liefen gestern nicht aus, zu viel Wind und Wellen…. Alle grüßen freundlich, ich werde auf ein Schiff eingeladen, wo ich dem Eigner, der etwas Englisch spricht, meine Geschichte in Kurzformat erzählen muss. Die Toiletten im Hafenareal übertreffen alles bisher Gesehene (im absolut negativen Sinn…) Die Ortschaft ist ebenfalls eine mittlere Katastrophe, die Menschen sind hier großteils arm, gebrauchte Waren werden hier in Läden verkauft, die Nebenstraßen im Ort sind Sandstraßen, Tiere und Menschen wohnen teilweise zusammen. Kein Restaurant, keine Dönerbude, aber eine Tankstelle in erreichbarer Entfernung. Wenigstens etwas. Das Dumme ist nur, ich habe nur mehr wenig Geld, es gibt aber hier keinen Bankomat. Der nächste ist 25 Kilometer entfernt. Aber ich habe noch genug Nahrungsmittel und Benzin bis zum nächsten Hafen, also no Problem!
Wie man sich täuschen kann: Beim Herannahen sah der Ort ganz brauchbar aus, leider sind die Hotels nie fertig gestellte Bauruinen oder schon seit Jahren geschlossen. Die Infrastruktur ist, falls überhaupt vorhanden, ziemlich desolat, Internet ist ein Fremdwort, ziemlich dreckig ist es auch. Der Hafen, obwohl gut geschützt, kann nur als Nothafen bezeichnet werden. Bei viel Wind und Welle kann wegen der Grundsee die Ein- oder Ausfahrt zum Problem werden. Ehemals von einer Kolchose bewirtschaftet, verkommt nun alles. Bootstourismus ist hier unbekannt:


Ich latsche wieder einmal stundenlang in der Gegend herum, meine Begeisterung hält sich aber in Grenzen. Wenn das Wetter es morgen zulässt, bin ich wieder eine Wolke….

Freitag, 24. April 2009

Von Bozyazi nach Yesilovacik

Die Motoren des Schiffes der Küstenwache wecken mich, das kurz darauf ausläuft. Windmäßig ist leider (noch…) absolut tote Hose. Na, wird schon werden! Die Verabschiedung vom Hafenkapo verläuft fast herzlich, dann bin ich wieder alleine auf See – Kurs Ost:


Die ersten sieben Meilen muss ich motoren, dann füllt ein leichter Wind meine Segel. Es wird ein herrlicher Segeltag! Der Wind legt langsam, aber kontinuierlich zu, Sandpiper wird immer schneller, ich freue mich, schließlich habe ich bis zum ersten Schutzhafen knapp 40 Seemeilen zurückzulegen! Als die Genua zu flattern beginnt, da der der Wind nach achtern gedreht hat, hole ich das Groß nieder und baume die Genua aus. Den halben Nachmittag rauschen wir so dahin, dann mache ich meinen alten Fehler: Ich habe wieder einmal die Grenze zwischen „Wau, ist das geil“ und „Mami, Hilfe!“ überschritten…. Der Autopilot schafft es nicht mehr, ich muss ran, um ein Querschlagen zu verhindern. Jetzt ist es natürlich fatal, dass die Genua ausgebaumt ist. Die Wellen werden immer höher, ich bewege mich schon des Öfteren über der Rumpfgeschwindigkeit. Es nützt alles nichts, ich muss nach vorne, den Ausbaumer abschlagen. Der Autopilot schafft es natürlich nicht, wir schlagen quer, ich habe am Vordeck alle Hände voll zu tun… Leicht geschlaucht denke ich dann im Cockpit über die nächsten Schritte nach. Die Genua muss schnellstens runter, das ist klar. In einiger Entfernung, schon in der großen Bucht von Yesilovacik, meinem geplanten Tagesziel, möchte ich im Lee einer kleinen Bucht das Segel bergen. Bis dahin wird es ein Extremritt. Das habe ich noch nicht erlebt: Das GPS zeigt mir einen Maximalspeed von 11,2 Knoten an!!!! Das gibt’s doch gar nicht!!! Auf den Wellen, auf denen ich dahinsurfe, gehen die Anzeigewerte des Gerätes öfters auf 8 bis 9 Knoten hoch!!! Ich kann es kaum glauben. Ich mag schon gar nicht mehr nach hinten schauen, was da herangerauscht kommt schaut mehr als bedrohlich aus. So hohe Wellen in Küstennähe! Meine Knöchel sind weiß, so fest führe ich die Pinne. Konzentriert versuche ich Sandpiper auf Kurs zu halten. Aus dem bisherigen Hochgefühl wird langsam Beklemmung…. So knapp vor dem Ziel in so eine Situation zu kommen! Nur weil es dir wieder einmal nicht schnell genug gehen konnte, du verdammter Speedjunkie… Die kleine Bucht kommt näher, es ist nicht mehr weit! Da passiert es – die Böe kommt so unerwartet und so heftig, dass es mich in den Lifebelt haut, Sandpiper luvt um 90 Grad an und legt sich flach, ich klammere mich an der Reling an, Wasser schießt über das Süll ins Cockpit, die Seekarte schwimmt plötzlich, mein Sonnenhut geht über Bord, unter Deck nimmt alles Ungesicherte wieder einmal blitzartig die stabile Seitenlage ein. Hoffentlich folgt jetzt keine zu große Welle, das könnte fatal werden. Endlich kriege ich die Schot aus der Klemme, Sandpiper richtet sich wieder auf. Der Schreck ist mir tief in die Glieder gefahren. Kaum habe ich Sandpiper wieder auf Kurs gebracht, faucht die nächste Böe heran. Fliegendes Wasser um mich herum, das gleiche Spiel noch mal – jetzt reichts mir aber! Ich stürme aufs Vordeck und hole das Segel runter, stopfe es durch die Luke ins Vorschiff. Seit der Geschichte vor Paros versuche ich ja gar nicht mehr, bei Starkwind ein Segel wegzurollen – das bringt nur Ärger… Zu meinem Erstaunen treibt nun Sandpiper ohne Segel mit einer Geschwindigkeit von knapp 4 Knoten (!!!) dem Ziel entgegen. Das am Heck quer hochgebundene Schlaucherl wird dabei kräftig mitgeholfen haben…. Sogar der Autopilot kann das Schiff so steuern. Ich lasse es dabei bewenden und erspare mir das Setzen der Sturmfock. So treiben wir vor Topp und Takel einem Hafen entgegen, von dem ich nicht weiß, was mich dort erwartet. Delfine tauchen kurz vor dem Ziel auf, spielen in den Wellen. Tut mir leid Freunde, heute keine Fotosession, mein Adrenalinspiegel ist noch zu hoch…..
Die Grundsee kurz vor der Einfahrt muss ich noch quer nehmen, kann mich aber nicht mehr schrecken, dann bin ich im ruhigen Wasser. Was ich sehe gefällt mir - ein großer Hafen mit viel freiem Platz:


Ich suche mir eine günstig erscheinende Anlegestelle - neiiin, dass waren nicht wir, der ist schon vor unserer Ankunft gesunken gewesen, Ehrenwort!



Freundliche Hände helfen mir beim Anlegen. Der Hafen ist sicher, kein Schwell, der Schutzwall ist ziemlich hoch. Mein Schiff wird leicht skeptisch begutachtet, leider kann hier niemand Englisch. Aber alle sind freundlich, das ist die Hauptsache.
Ich klare das Schiff auf, unter Deck ist nichts kaputt gegangen. Auch sonst ist alles in Ordnung, kein Segel gerissen. nur der Skipper ist wieder einmal ein bisschen gestaucht worden.
Danke, Sandpiper….

Etmal: 38sm, Position: N 36° 11,09’ / E 033° 39,56’

Donnerstag, 23. April 2009

Bozyaci

Ich will zeitig Auslaufen, Starkwind aus Westen ist angesagt. Diese Windrichtung passt genau in mein Konzept, also nichts wie los, weg aus diesem internetlosen Kaff! Doch leider, der Kapo ist nicht aufzufinden. Ich bin völlig alleine in dem umzäunten Hafengelände – nicht zu fassen. Ich wechsle von Genua auf Fock, binde das erste Reff ein und schere das Zweite ein, sichere den Buganker, mache Sandpiper starkwindfest. Der Kapo ist immer noch nicht da… Ich frage den vor dem Zaun die Straßenkehrenden Matrosen kontrollierenden Offizier, ob er vielleicht etwas über den Verbleib des Hafenkapos weiß? Das hätte ich lieber lassen sollen…. Der gute Mann setzt daraufhin nämlich alle Hebel in Bewegung, um mir zu helfen. Er telefoniert, jagt Matrosen zu den großen Trawlern um dort nachzufragen, bittet mich zum (sehr sauberen) Stützpunkt, berät sich dort mit anderen Offizieren, bietet mir Kaffee und Tee an. Mir ist der Wirbel schon ziemlich peinlich, den ich da heraufbeschworen habe… Es hilft aber alles nichts, der Mann bleibt unauffindbar. Auf die Frage, warum ich ihn denn überhaupt suche, antworte ich mit „Ich möchte meinen Liegeplatz bezahlen, damit ich auslaufen kann“ Daraufhin kriegen die Jungs große Augen und fragen mich, ob ich denn nicht wüsste, dass „Gale warning“ angesagt sei? Hä? Wieso Sturmwarnung? Die Vorhersage spricht von 22 Knoten Wind und max. 2m hohen Wellen. Das ist doch kein Sturm, oder? Für die türkische Küstenwache offensichtlich schon….Nachdem nun alle auf mich aufmerksam geworden sind, kann ich nicht ganz einfach abhauen. Ist ja auch nicht meine Art, aber um den herrlichen Wind ist ewig schade…. Ich bedanke mich ganz herzlich bei den hilfsbereiten Männern von der Küstenwache und beschließe, da ich offenbar nicht weg kann, die Burgruine Mamure zu besuchen:


Ich hatsche zu fuß dorthin, fünf staubige Kilometer auf einer vielbefahrenen Hauptverkehrsroute sind zu Bewältigen. Eine wirklich sehenswerte und mächtige Wehranlage mit Wassergraben, direkt am Meer gelegen, ist der Lohn dafür:


Sie liegt etwa 7km östlich von Anamur, hat drei Höfe und 39 (!!!) Türme. (ich habe nicht nachgezählt…) Angeblich wurde sie von den Römern im 3.Jhdt.n.Chr. erbaut, später von Byzantinern und Seldschucken erobert. Im Wassergraben rund um die Burg tummeln sich eine Vielzahl von Schildkröten. Obwohl als reiner Zweckbau gedacht, hat mich dieses Bauwerk ästhetisch doch sehr angesprochen und durch seine Größe und Mächtigkeit beeindruckt:


Zurück suche ich mir einen Pfad durch den Wald und stoße dabei zufällig auf einen schönen Weg, der mich auf halber Höhe des Bergrückens zurück zum Hafen führt:


Der Wald, der mich stark an meine Heimat erinnert, erstrahlt in voller Blütenpracht, seine vielfältigen Gerüche sind betörend. Die Luft ist rein, der Verkehr kaum hörbar, weit unter mir. Glücklich und zufrieden durchwandere ich diese wunderschöne Landschaft.
Zurück beim Schiff treffe ich endlich den Kapo, der gerade seine Schuhe putzt und sich dabei einen Sexfilm ansieht…. Ich bezahle meinen Liegeplatz (20,- Teuro für zwei Nächte….), wobei der Hafenkapo eine bemerkenswerte kleinkriminelle Energie an den Tag legt. Was der Knilch alles aufführt, nur damit er mir keine Rechnung ausstellen muss, ist sagenhaft. Mir ist schon klar, dass er meinen Obolus in seine eigene Tasche stecken will, nur zu leicht will ich es ihm auch nicht machen…
Dann bereite ich mich für den morgigen Tag vor, denn wieder ist Starkwind angesagt…

Mittwoch, 22. April 2009

Von Anamur nach Bozyazi

Es war eine ruhige Nacht, durch das Schaukeln der Wellen habe ich wie ein Murmeltier geschlafen….
Ich besuchte das antike Anemurion, erste Siedlungsspuren stammen aus dem 8. Jahrhundert vor Christus:


Schätzungsweise lebten dort bis zu 20.000 Einwohner. Die Wasserversorgung wurde durch ein Erdbeben zerstört, eine Wiederherstellung der Aquädukte wurde nicht mehr durchgeführt, die Stadt existierte aber noch bis ins 7. Jhdt. n. Chr. Eine große Nekropole weist etwa 350 Gräber aus dem 1. bis 4. Jahrhundert auf. Zu sehen war auch ein Theater, ein Odeon, drei Bäder und eine Säulenstraße. Eine ziemlich beeindruckende Ruinenstadt:


Natürlich erstieg ich den Burgberg wieder einmal quer durch die Pampas, diesmal führte aber wirklich kein Weg nach oben! Ich musste ja unbedingt Kap Anamur von oben fotografieren:


Die Dohlen haben nicht schlecht gestaunt, als ich auf einmal über ihnen war! Ich konnte dort oben eine Weihe (vermutlich) bei einem (erfolglosen) Angriff auf eine Seeschwalbe (wiederum vermutlich) aus nächster Nähe beobachten: Das Rauschen der Schwingen beim Sturzflug und beim Abfangen desselben war beachtlich!
Die Stadt Anamur, ich durchstreifte allerdings nur einen kleinen Randteil, gibt nicht viel her, gesichtslose Plattenbauten und Einheitssiedlungen in einer sumpfigen Ebene vor einem endlos langen Sandstrand beherrschen das Bild:


Nach der Rückkehr auf das Schiff werden die Wellen unangenehm, ich motore nach NO hoch, an der schönen Burgruine Mamure vorbei bis in die große Bucht Bozyazi Limani, wo ich den einzigen Schutzhafen weit und breit aufsuche. Dort drehe ich eine langsame Erkundungsrunde und lege mich in einer ruhigen Ecke vor Anker. Natürlich kommt eine Viertelstunde später der Hafenkapo mit dem Auto angebraust und will unbedingt, dass ich an der Mole anlege - dabei bewährt sich mein adaptierter Wasserschi als Hilfe:


Dabei war mein Anker so schön eingefahren! Zähneknirschend folge ich dem Typ, was bleibt mir denn auch anderes übrig…. Das Kasperltheater geht dann allerdings weiter, er will meine Papiere sehen. Kein Problem, alles vorhanden. Nur, er versteht kein Wort Englisch und kann offensichtlich nicht einmal etwas mit dem türkischen Transitlog etwas Anfangen. Ich sitze in einem vor Dreck starrenden, fast nackten Kammerl und weiß nicht recht, wie ich mich Verhalten soll. Er auch nicht…. So quälen wir uns durch eine sinnlose Prozedur, an deren Ende nichts herausgekommen ist außer Zeitverschwendung. Das wirklich Dumme an diesem Hafen aber ist, er liegt sozusagen in der Wüste. Absolut keine Versorgungsmöglichkeit, keine Tankstelle in (zu Fuß) erreichbarer Entfernung. Allerdings, Strom und Wasser gibt es am Kai. Eine Dusche und Toilette auch, über deren Zustand möchte ich mich aber lieber nicht äußern. Zumindest konnte ich mich mit kaltem Wasser (ohne Brausekopf….) säubern. Wenigstens etwas!
Ich versuche per Pedes in die Stadt Bozyazi zu gelangen, gebe aber auf, da es einfach zu weit ist und mir der Hauptstraßenverkehr zu viel ist. Ich finde am Straßenrand ein nettes Lokal und bekomme ein gutes Mahl zu einem annehmbaren Preis serviert. Zufrieden schlendere ich zu meinem Schiff zurück, hinter mir wird das Gelände abgesperrt:


Die Küstenwache (= Sahíl Güvenlik) hat auch einen Stützpunkt hier – vor was oder wem fürchten sich die eigentlich? Dieser Hafen hat eine Befeuerung, zumindest eine der beiden (die rote) funktioniert….

Etmal: 8sm, Position: N 36° 05,76’ / E 032° 56,32’

Dienstag, 21. April 2009

Kap Anamur

Ein strahlend schöner Tag beginnt, leider weht kein Wind. Kurzerhand beschließe ich, ganz einfach hier zu bleiben:


Ich schleife den Pinnenbeschlag fertig, was mit dem Sand vom Strand nicht besonders gut funktioniert, da die Körner vom andauernden Wellenschlag rundgeschliffen und nicht gebrochen sind. Ihre Schleifwirkung ist daher eher gering. Aber ich habe ja Zeit. Anschließend poliere ich das gute Stück noch mit „Pasta grün“ auf. Poliert schaut das Teil echt spitzenmäßig aus. Es wird stechend heiß, ich baue daher das Sonnenzelt auf – das erste Mal heuer. Die Leinenkonstruktion des Traveller kann ich auch vollenden, es funzt tadellos. Zur Abkühlung tauche ich unter das Schiff und reinige wieder einmal das Unterwasserschiff vom Bewuchs. Sagenhaft, wie hartnäckig fest manche Muscheln, insbesondere jene am Motorschaft, anhaften können.
Zum Aufwärmen unternehme ich einen ausgedehnten Strandspaziergang, bei dem ich einen pensionierten türkischen Arzt kennen lerne, der seine Praxis in Deutschland hatte. Er erzählt mir, das dieser Sandstrand ein beliebter Eiablageplatz der Meeresschildkröten sei, deren Hauptfeinde aber nicht der Mensch sondern freilaufende Hunde und Füchse seien, die die Eier ausgraben und fressen. Durch ihn erfahre ich einiges über das Land, die Kurden, Zypern, usw. Aber eben aus der Sicht eines Türken – eine Sicht, mit der ich nicht immer ganz einverstanden bin…. Er teilt seinen Vorrat an Orangen mit mir und lädt mich in sein Haus zum Abendessen ein. Das war zwar sehr nett von ihm, aber in der Finsternis durch die weglose Wildnis zu seinem Haus am Berghang stolpern – nein danke. Er versteht das aber. Dann wird es Zeit mich zu Verabschieden, ich kehre wieder auf mein Schiff zurück. Von dort beobachte ich einen einheimischen Schnorchler, der mit Neoprenanzug und Harpune auf Unterwasserjagd ist. Nach einer knappen Stunde hat er sechs mittelgroße Fische geschossen – es gibt also doch Leben in diesen Gewässern!!
Kurz vor 17:00 wird der Ankerplatz plötzlich unhaltbar. Wind kommt auf und dreht auf West, ich bin auf Legerwall….Zehn Minuten später bin ich startklar. So spät und unerwartet einen Ankerplatz zu verlassen gefällt mir zwar gar nicht, aber wenn ich die Möglichkeit habe, eine Legerwallsituation zu vermeiden, tue ich das unbedingt. Mit Wind von achtern rausche ich, wieder einmal nur unter Genua, Richtung OSO der Küste entlang. Der Wind vertreibt den Dunst und plötzlich ist in der Ferne ganz deutlich die Küste von Zypern zu erkennen!! Das erste Mal in meinem Leben sehe ich Zypern!! Luftlinie ist es eine Entfernung von 37sm (=68,5Km), gemessen von Anamur Burun (Burun = Kap) am türkischen Festland, zum nahesten Punkt Zyperns, Korucam Burun, im türkisch besetzten Teil gelegen. Auf Griechisch heißt dieses Kap Akra Kormakitis. Es ist ein herrlich entspanntes Segeln, nur kleine, nachlaufende Wellen, der Wind folgt der Küstenlinie und bleibt konstant. Ich schlüpfe in etwas Warmes und genieße einen guten Kaffee. Gott ist das schön! Einige auslaufende Fischer kreuzen meinen Weg, durch die Bank grüßen mich alle. Ich habe auf meiner ganzen Reise in den türkischen Gewässern noch keinen Fischer erlebt, der nicht gegrüßt oder zumindest zurückgewunken hätte – ein schöner Brauch. Alle Fischerboote, und seien es noch so kleine Barken, tragen eine türkische Flagge – Nationalisten sind schon ein bisschen….
Mit dem allerallerletzten Büchsenlicht kann ich unter Segel das Kap Anamur runden:


Das Besondere an diesem Kap ist, es ist das Südlichste der gesamten Türkei! Wieder habe ich ein Etappenziel meines Vorhabens erreicht. Ich laufe im Dunklen noch ein kurzes Stück die Küste hoch, um einen langen Sandstrand zu erreichen, wo sich in dreieinhalb Metern Tiefe mein Bügelanker für die Nacht eingräbt. Im Lee der Berge hoffe ich auf eine ruhige Nacht….

Etmal: 13sm, Position: N 36° 01,83’ / E 032° 48,72’

Montag, 20. April 2009

Von Gazipasa nach Anamur

06:30 Der Wecker läutet.
06:45 Der Kaffe ist fertig.
07:00 Der Skipper ist fertig (nicht mit den Nerven, sondern mit der Morgentoilette…).
07:15 Sandpiper läuft aus, Skipper ist mit kleinem Schwerwetteranzug bekleidet.
07:20 Skipper setzt Vollzeug, Kurs Kap Anamur liegt an.
07:40 Wind lässt stark nach, Genua geborgen, Blister gesetzt.
07:50 Wind lässt noch mehr nach, Groß geborgen, es wird warm, Skipper zieht den kleinen Schwerwetteranzug wieder aus.
08:00 Wind schläft komplett ein, Blister geborgen, Sandpiper dümpelt in der Flaute, Skipper zieht sich nackt aus….
Es ist zum Davonlaufen. Ich stehe extra zeitig auf, um den Wind zu nützen, und nach knapp zwei Meilen nun das. Das Meer wird glatt und ruhig, es wird stechend heiß. Ein Kreuzfahrtschiff zieht weit draußen Richtung Antalya vorbei. Das Erste seit langem.
Ich dümple so dahin, den Burgfelsen von Gazipasa noch in Sichtweite. Ich warte auf den Wind, nutze die Zeit und führe ein Motorservice durch und befreie den Motorschacht von Algen und Muscheln. Durch die beengten Verhältnisse ein eher mühsames Unterfangen. Eine Strömung mit knapp einem Knoten setzt hier nach Westen. Irgendwann beschließe ich, doch die eiserne Genua (den Motor…) zu bemühen. Ich halte auf das offene Meer zu, um der Landabdeckung zu entkommen. Nichts, kein Wind. So tuckere ich eben der Küste entlang nach SO, Kap Anamur entgegen. Die steilen und schroffen, südseitig gelegenen Hänge werden in diesem Bereich wieder extensiv auf schmalen Terrassen bewirtschaftet, es sind Bananenstauden, die hier angebaut werden. Unterwegs treffe ich auf zwei Fischfarmen, die in Google Earth sichtbar, auf der Seekarte aber nicht eingezeichnet sind….
Vorbei geht es am antiken Antiochia in der damaligen Provinz Kilikien:



Nachdem windmäßig gar nichts geht, suche ich mir nach Stunden ein halbwegs geschütztes Plätzchen, im Schutz einiger vorspringender Felsen lege mich dort vor Anker:


Die wildromantische Landschaft mit ihrem herrlichen Strand gefällt mir sehr, doch was ich beim Schnorcheln unter Wasser sehe, gar nicht: Das Meer ist, in diesem Bereich zumindest, ganz einfach tot. Obwohl das Wasser hier wieder relativ sauber ist, regt sich kein Leben, keine Pflanzen wachsen am Meeresgrund. Eine graugrüne Schicht bedeckt den Boden, hie und da etwas Seegras. Keine Muscheln, keine Seeigeln, keine Fische, nichts. Ziemlich erschrocken über das Gesehene zittere ich mich an Bord bei einem kärglichen Mahl wieder warm….
Ich beginne, den Traveller auf Leinenbedienung umzubauen, denn das Bedienen mit den zwei Stoppern nervt mich schon lange. Mit feinem Sand vom Strand, auf ein Stück Tuch verteilt, schleife ich den Aluminium - Pinnenbeschlag blank, der schon ziemlich unansehnlich aussah. Die Pinne selbst ziehe ich mit einer scharfen Glasscherbe ab und öle sie mit Olivenöl ein. Nach dem Trocknen reibe ich Kerzenwachs in die noch offenen Poren und poliere das Holz mit einem Tuch auf. In Alanya habe ich mir ein passendes Brett organisiert, aus dem ich eine neue Auflage für die Klappe der Pantry fertige. Das klapprige Originalteil aus Kunststoff hat leider seinen Geist aufgegeben. Allerdings durch meine Schuld, ich habe das Teil über Gebühr belastet.
Ich bin mit meiner Arbeit zufrieden, das Ganze ist gut gelungen und schaut schön aus.
Zwei Segler ziehen am Horizont unter Maschine Richtung Kap Anamur vorbei, die Dämmerung schleicht sich langsam heran, sanft rollt Sandpiper in der leichten Dünung. Eine richtige Idylle, nur wenn ich an den Meeresgrund denke, werde ich nachdenklich....

Etmal: 24,5 sm, Position: N 36° 04,79’ / E 032° 35,49’

Sonntag, 19. April 2009

Gazipasa

Wenn nicht so ein blöder Trawler die ganze Nacht lang seinen Generator Laufen gehabt hätte, wäre dieser Hafen eine Idylle gewesen…. In der Nacht laufen noch zwei Fischer ein und legen sich neben mir ebenfalls vor Anker.
Ich beschließe einen Tag hier zu bleiben, da mich die Burgruine auf dem hohen Kliff reizt:


Gazipasa ist das antike Selinus (oder auch Trajanopolis), hier ist der römische Kaiser Trajan auf seiner Rückreise von einem Feldzug in Kleinasien nach Rom gestorben. Er wurde hier eingeäschert und seine Asche nach Rom gebracht. Ein leeres Mausoleum („empty Kenotaph“…) wurde ihm hier zu Ehren in der Nekropole, der Totenstadt, errichtet. Diese befindet sich am Fuße des Burgberges.
Der Fluss Sarisu hat hier eine fruchtbare Ebene gebildet und mündet unmittelbar neben dem Hafen, von dem er nur durch eine Art Mole getrennt ist, ins Meer:


Treibhäuser beherrschen das Bild dieser Ebene, der Übergang von extensiver zu intensiver Landwirtschaft ist hier augenscheinlich:


Übrigens hat hier bereits die Ananasernte begonnen! Ich habe den Frauen eine Zeitlang bei ihrer mühsamen Erntearbeit auf einem Feld zugeschaut: In gebückter Haltung in der prallen Sonne, und das stundenlang. Wahrscheinlich für einen Hungerlohn… Eine Schar Kinder spielte unbeaufsichtigt am Wegesrand, viel Spielzeug hatten die Kleinen nicht…. Überhaupt habe ich den Eindruck gewonnen, dass die Türken ein fleißiges Volk sind. Überall wo ich bis jetzt hinkam wurde gebaut, ausgebessert, geputzt oder gefärbelt. Halbfertige Häuser, wie man sie in Griechenland so häufig findet, sieht man hier fast nirgends.
Die Burgruine, welche hellenistische, byzantinische und römische Bauelemente aufweist, klebt wie ein Schwalbennest am höchsten Punkt eines hohen und fast senkrecht zum Meer abfallenden Kliffs:



Der etwas mühsame Aufstieg (typisch Gerhard – er nahm wieder einmal die Diretissima quer durch die Maccia…) hatte sich mehr als gelohnt, die Aussicht von dort oben war atemberaubend schön. Runter ging’s dann den normalen Weg, den ich vorher nur nicht gefunden hatte….
Obwohl ein herrlicher Sandstrand vorhanden, ist diese Gegend touristisch noch eher wenig erschlossen. Viele Neubauten wurden etwas planlos in der Gegend verstreut gebaut, trotzdem herrscht der ländliche Eindruck vor. Schafherden werden auf der Hauptstraße getrieben, niemand stößt sich daran. Die umgebende Landschaft ist bergig und teilweise bewaldet, auf den Höhenzügen des Taurusgebirges liegt noch Schnee.
Der Hafen an sich kann nur als Nothafen beschrieben werden. Allerdings ist es der einzige zwischen Side / Selimiye und Anamur. Er hat keine Befeuerung, es gibt weder vernünftige Anlegemöglichkeiten im Hafenbecken selbst, noch irgendwelche Versorgungsmöglichkeiten, von einem Kiosk und einem Restaurant in Hafennähe einmal abgesehen. Achtung, im Nord und Ostteil des Hafens (Bereich Sandstrand) wird es unerwartet schnell sehr, sehr seicht!
Am Nachmittag habe ich dann wieder einmal den Wasserpass vom Bewuchs befreit und einige kleinere Verbesserungen vorgenommen. Die aufgeklebten Nummern habe ich auch wieder entfernt, die waren viel zu groß für das kleine Schiff und sahen zudem grässlich aus.
Hoffentlich bläst es morgen anständig aus der richtigen Richtung, denn bis Anamur ist es ein Schlag über 40 sm – ohne Hafen dazwischen….

Samstag, 18. April 2009

Von Alanya nach Gazipasa

Am Morgen gibt es eine eher wehmütige Verabschiedung, die Kompaneros haben so wie ich bedrückte Mienen. Die letzten Fotos werden geschossen, meine Vorleinen werden (natürlich nicht von mir….) bedient, es geht wieder weiter. Noch ein paar betont forsche Zurufe, dann laufe ich aus. Freunde, ihr ahnt gar nicht, wie ihr bei mir das Bild der Türkei positiv beeinflusst habt! Ich habe mich in Eurer Mitte sehr wohl gefühlt. Danke für Eure Gastfreundschaft und alles, alles Gute! Ich kann gar nicht sagen, wie ich diese Abschiede hasse…...


Der nächste Schutzhafen ist Gazipasa, so um die 20sm entfernt, wieder einer ohne Leuchtfeuer. Bei dieser Entfernung kann ich aber bei Tageslicht am Ziel sein, also sehe ich kein Problem. Der Tag verläuft gemischt, es ist zwar sonnig und heiß, nur der Wind will nicht ganz so wie ich….
Das Wasser ist seit Kemer / Antalya nicht mehr sehr sauber, Schnorcheln bringt nichts, die Sicht ist zu gering. Viel Kunststoffmüll schwimmt im Wasser. Falls es nicht bald sauberer wird, biege ich ab. Wieder begleiten mich Delfine ein Stück des Weges, eine Wasserschildkröte hebt erstaunt den Kopf aus dem Wasser, als ich an ihr vorbeisegle. Diese Tiere haben einen relativ großen Kopf, was irgendwie witzig ausschaut.
Nautisch betrachtet ist ab Antalya absolute tote Hose. Kein Segelschiff ist seit dort mehr zu sehen gewesen. Überhaupt gibt es in dieser Region sehr wenig Schiffe, auch die Häfen sind sehr dünn gesät.
Gegen Abend schläft der wenige Wind dann ganz ein, ich laufe Gazipasa unter Motor an:


Der Hafen ist zwar gut geschützt, es gibt aber nur sehr wenige Stellen zum Anlegen, welche natürlich schon alle belegt sind:


Mole ist gar keine Vorhanden, irgendwie ein seltsamer Hafen. Für mich aber kein Problem, ich werfe seitlich im flacheren Hafenteil meinen Anker, setze das Ankerlicht und koche mir ein gutes Karoffelsüppchen, auf das ich mich schon lange gefreut habe….

Etmal: 23,5 sm, Position: N 36° 15,80’ / E 032° 16,78’

Freitag, 17. April 2009

Alanya

In der Früh bin ich umzingelt von verhinderten Strandräubern:


als Bootstourenverkäufer getarnte Piraten:


und blasshäutigen Touristen. Alle grüßen mich freundlich, erkundigen sich nach meinem Befinden und fragen, ob ich was brauche. Geht denn das schon wieder los? Wie verhalte ich mich in so einer Situation richtig? Scherzender Weise rufe ich zu einer der Gulets hinüber, dass ich gerne einen Kaffee hätte, aber mit Milch und Zucker, bitte schön!! Ich falle vor Schreck fast über die Reling, als mich während des Zähneputzens von der Kaimauer aus ein Kellner anspricht und mir eine Tasse duftenden Kaffe hinhält. Ich turne also über besagte Kaimauer…


….an Land, inzwischen ein beliebtes Fotomotiv der Touristen, nehme ihn dankend entgegen und stelle die obligate Frage: „how much“? Die Antwort lautete - „Ist schon bezahlt, ich hole später die Tasse ab“. Sprachs und verschwand wieder. Das könnt ihr doch mit mir nicht machen, so kann das doch nicht weitergehen! Ich erkundige mich nach einem anständigen Supermarkt, sofort wird mir eine Fahrt mit einem Auto dorthin angeboten. Nachdem der aber nicht sooo weit weg ist, lehne ich dankend ab und verproviantiere mich per Pedes. Der Vollständigkeit halber erwähne ich nur, dass mehrere Männer dann mithalfen, den Proviant an Bord zu schaffen….
Nun war der Benzinnachschub dran, wobei man sich dazu folgendes Szenario vorstellen muss: Die Akteure sind: Ein unrasierter Tourist in Schlapfen mit zwei leeren Benzinkanistern (ich…), ein bislang noch nicht in Aktion getretener älterer Türke (Chef), ein bislang noch nicht in Aktion getretener jüngerer Türke (Adlatus) und ein klappriger Fiat Mirafiori. Ort des Geschehens: Der Kai vor Sandpiper. Die Übersetzung erfolgt sinngemäß aus dem Gedächtnis, keine Gewähr für deren Richtigkeit:

(Älterer Türke tritt zu dem am Kai mit seinen Benzinkanistern hantierenden Touristen)

Älterer Türke: Hallo Cheffe, woher kommst du?
Ich: Aus Austria, das ist gleich neben Germany.
Älterer Türke: Aha. Mit dem Schifferl da? (Älterer Türke macht große Augen)
Ich: Ja! Ich armer Tourist, kein Geld für größeres Schiff.
Älterer Türke: Du brauchen Diesel? Ich kann günstig besorgen!
Ich: Nein, Benzin.
Älterer Türke: Schiff fährt mit Benzin?
Ich: Ja, leider.
Älterer Türke: Blöde Konstruktion – du wollen zu Fuß Benzin holen?
Ich: Ja, ich hab da so ein kleines praktisches Wägelchen….
Älterer Türke: Du wissen das Tankstelle weit weg ist?
Ich: (Seufz) Ja leider.
Älterer Türke: (Älterer Türke winkt jüngeren Türken zu sich) Du nehmen mein Auto, Ahmed wird dich fahren. Besser so.

Sprachs, verabschiedete sich freundlich von mir und verschwand wieder zu seinen Kumpanen. Ich brauste daraufhin mit dem hoffnungsvollen Jungtürken, der mir natürlich zeigen musste, wie gut er Autofahren kann, zur Tankstelle. Nach der Rückkehr – richtig, ich musste meine Kanister nicht alleine an Bord hieven – wollte ich das Privattaxi bezahlen, aber der ältere Türke lachte nur und sagte; „Your welcome, my friend“ und nahm kein Geld. Wenigstens mein Fahrer nahm ein Trinkgeld dankend an. Mir viel nichts Besseres ein, als aus dem Supermarkt eine Runde Bier zu holen, das sie gerne annahmen. Einer meinte, ich solle hier mein Segelboot vermieten („rent the Sandpiper“), ein anderer meinte, er hätte in seinem Heimatdorf noch eine unverheiratete Schwester – ob ich vielleicht nicht…. Da wusste ich, es ist Zeit von hier abzuhauen! Wir hatten dann noch ziemlichen Spaß miteinander, nur, als sie mich dann am Abend in dunkle Spelunken mit angeblich losen Mädels verschleppen wollten, wehrte ich dankend ab, ich müsste noch dringend mein Tagebuch aktualisieren…
Die Stadt an sich ist sehr lebhaft, auch modern und ziemlich touristenorientiert, kann aber mit Antalya nicht ganz mithalten. Der Hafen ist groß, nicht mit Molen unterteilt, gegen Schwell sehr gut geschützt und mit Gulets ziemlich belegt:


Der (Diesel) Tankwagen kommt wegen deren großer Anzahl fast täglich. Benzin ist ein Problem, die nächste Tankstelle ist etwa eine Meile entfernt. Wasser und Strom gibt es am Kai, ist aber abgesperrt, den Wasser / Strommann muss man erfragen. Gut sortierte Lebensmittelläden sind etwas weiter entfernt.

Donnerstag, 16. April 2009

Von Side nach Alanya, Teil 2….

06:00 - Unangenehm scharrende Geräusche treiben mich blitzartig aus der Koje. Gerade jetzt, wo ich so schön träume!! (eine nur knapp bekleidete, hübsche Frau brachte mir mein Lieblingsessen ans Bett, gerade als sie mir ihre Telefonnummer geben wollte, weckt mich dieses Geräusch…) was ist denn jetzt schon wieder los?? Ich stürze ins Cockpit, natürlich regnet es, dunkle Wolken dräuen über mir. Meine Stimmung erreicht ihren historischen Tiefpunkt. Sandpiper steht an den verfluchten Kunststoffgebilden an, die Ankerkette reibt an ihnen und erzeugt dieses Geräusch!

Die Absperrung in der Marina Alanya:


Spinne ich schon komplett, ich und abgetrieben? Hier herrscht doch gar keine Strömung, kein Wind kann mich vertrieben haben, keine Wellen den Anker ausgerissen haben! Des Rätsels Lösung - in der Nacht hat der Wind gedreht, diese Kunststoffgebilde haben soviel Lose in ihrer Befestigung gehabt, das sie bis zu Sandpiper herantreiben konnten. Ich ignoriere erstmal die blöden Dinger, da ich aber schon munter bin mache ich mir gleich mal meinen Frühstückskaffee - soviel Zeit muss sein. Dann geht’s die paar Meilen rüber nach Alanya Ost, in den Stadthafen. Die gut erhaltene / teilrestaurierte Burg auf der großen Landzunge bietet bei der Überfahrt eine wunderschöne Kulisse.

Imposante Festungsmauern, Blick von See aus SW:


Ich drehe vorsichtig zwei Erkundungsrunden im Hafen und weiche den auf meinen Prop lauernden Leinen aus, bevor ich vorsichtig einen Platz zwischen zwei mittelgroßen Gulets ansteuere.

Stadthafen von Alanya:


Mitten im Anlegemanöver springen plötzlich von den beiden Schiffen Männer und übernehmen meine Leinen. Nachdem die dortige Kaimauer „Guletgerecht“ gebaut, sprich unerreichbar hoch für mich ist, habe ich ein Problem, von Bord zu kommen. Allerdings nicht lange, denn selbige Männer springen wieder von ihren Booten, holen Sandpiper dicht und kräftige Hände hieven mich auf die Kaimauer. Kaum festen Boden unter den Füssen werde ich mit Fragen überschüttet, alle stellen sich vor, schütteln mir die Hand und versichern mir, wenn ich Hilfe bräuchte – „no Problem, we help you, your welcome“! Ich fürchte, dass wird teuer… Offensichtlich bin ich hier der örtlichen Piratenorganisation schnurstracks in die Hände gelaufen. Zurück an Bord kann ich nicht, so weit und tief traue ich mich doch nicht zu springen – keine Problem, starke Arme hieven mich wieder auf Sandpiper zurück…. Nach einer Weile ruft einer der Piraten herüber, ob ich einen Kaffee will. Na gut, überredet. Ich werde wieder an Land gehievt – dieser Vorgang läuft zwischenzeitlich schon ziemlich flüssig, fast elegant ab. Der Oberpirat schnappt mich und entführt mich in den nahe gelegenen Basar, wo wir in einer finsteren Seitengasse unseren Kaffee schlürfen. Super gemacht, Gerhard, denke ich mir insgeheim, während ich hier sitze wird Sandpiper wohl gerade ausgeräumt…. Als ich Bezahlen will, übernimmt der Oberpirat die Zeche, lässt sich nicht davon Abhalten. Nach der Rückkehr werde ich wieder an Bord gehievt, nichts fehlt. Einer hantiert auf der Mauer mit einem Wasserschlauch, ich frage ihn (vom Schiff aus…) ob man dieses Wasser trinken könne? Die Frage wird bejaht und sofort beeilen sich zwei Männer, den Schlauch zu mir zu verlegen, damit ich meinen Tank füllen kann. Kein Mensch will dafür Geld von mir. Sagt mal, was ist hier eigentlich los? Ist meine Mutation zum Schmuse – Ösi oder Voralpen - Kuschler bereits abgeschlossen? Wieso bin ich auf einmal der „lovely austrian“? Ich verstehe die Welt nicht mehr.
Ich entwickle eine Technik, mit der ich unter Einsatz des Schlaucherls und etwas Akrobatik (man will ja dem anwesenden Publikum was bieten), ohne fremde Hilfe an und von Bord kommen kann. Ich hänge ein paar Wäschestücke auf und wandere die Burg besichtigen.

Burgruine von Alanya, doppelte Festungsmauern:


Reste einer byzantinischen Kirche in der Burgruine von Alanya:


Die Aussicht von dort oben war grandios. Hier bei Alanya rücken die Berge wieder bis an die Küste heran, auf ihren Gipfeln liegt immer noch Schnee. Das war zwar ein ganz schöner Hatscher, hat aber meiner Beinmuskulatur gut getan. Mittendrin fängt es zu regnen an. Ich natürlich keinen Regenschutz mit, wie immer. Als ich zum Schiff zurückkomme, ist die Wäsche verschwunden. Ha, ihr Schurken, wußt ich’s doch, auf meine Socken hattet ihr es also abgesehen! Aber einer der verhinderten Strandräuber erklärt mir so nebenbei, als es zu regnen begann hätten sie Sandpiper geentert, und die Wäsche abgenommen, da sie ja schon fast trocken war…. Schön langsam wird mir die Sache unheimlich. Als ich mich für ihre Arbeit und Lebensumstände interessiere, war das der Beginn einer interessanten und langen, in Deutsch / Englisch geführten Diskussion.
Am Abend leiste ich mir wieder ein gutes Fischgericht in einem sehr angenehmen Ambiente. Bei dieser Gelegenheit besorge ich mir gleich den Internetcode des Restaurants, um dann am Schiff meinen Blog aktualisieren zu können. Sandpiper sperrte ich schon gar nicht mehr ab….

Etmal: 5,5 sm, Position: N 36° 32,44’ / E 032° 00,03’

Mittwoch, 15. April 2009

Von Side nach Alanya, Teil 1….

Die Nacht verlief dann ruhig, nichts passierte. Am Morgen lief ich zeitig aus, trotzdem standen einige meiner Helfer schon an der Mole und winkten zum Abschied. Lebt wohl und Danke nochmals für Eure Hilfe und die nette Aufnahme!!
Bis Mittag dümpelte ich so dahin, dann erst kam die Sache in Schwung. Allerdings stellte sich folgendes Problem: Von Side bis Alanya gibt es keinen Hafen oder Bucht, die vor dem zurzeit wehenden Südwind geschützt wären. Zudem bauen sich Wellen auf, die das freie Ankern an der ungeschützten Küste zu gefährlich machen. Nach dem es bis Alanya über 30 sm ist, wird es wohl oder übel eine Nachtfahrt werden müssen. Auch kein Problem, ich habe ja Zeit für die Vorbereitung. Es wird wieder ein herrlicher Segeltag, die lang gezogenen Wellen vermitteln ein Gefühl von hoher See. Die Stadt Alanya liegt westlich und östlich einer großen Landzunge. An der Westseite ist auf Google Earth ein großer, gut geschützter Hafen zu sehen, welchen ich Anlaufen möchte. Seltsamerweise ist er weder auf meinen elektronischen noch auf den Papierseekarten eingezeichnet. Komisch, jeder Hafen hat doch ein Leuchtfeuer? Auch wenn meine Papierseekarten einen großen Maßstab haben, alle Leuchtfeuer sind dort eingetragen. Außerdem sind die Karten neu und aktualisiert…. Rund 5sm um die Landzunge herum ist dann der an der Ostseite gelegene Stadthafen von Alanya, den ich dann morgen Anlaufen möchte. Die Nacht bricht herein, im Süden steht das Sternbild des Himmelsjägers Orion, gefolgt von seinem Begleiter, dem großen Hund. Dessen Hauptstern, Sirius, ist der hellste sichtbare Stern überhaupt. Nur Sonne, Mond und der Planet Venus, der zugleich der so genannte Abend- und Morgenstern ist, strahlt heller. Im Norden zeigen mir kleiner und großer Wagen den Standort des seit Jahrtausenden wichtigsten Stern für die Navigation, den Nord- oder Polarstern, an. Wie oft habe ich diese Sternbilder in den klaren Winternächten meiner Heimat wohl betrachtet? Wie lange ist das schon her…
Unbeirrt zieht Sandpiper seine Bahn, warm eingepackt genieße ich die Fahrt. Gegen einundzwanzig Uhr schläft der Wind ein, durch den Wellengang beginnen die Segel zu Schlagen. Ich hole sie herunter, die letzten paar Meilen muss ich wohl oder übel motoren. Nachdem der Hafen nirgends eingezeichnet ist, starte ich den Laptop und navigiere mit Google Earth. (Das geht auch offline, ich habe vorher online diesen Küstenabschnitt betrachtet, daher ist er im Cache gespeichert) Ich taste mich so in dem unbekannten Gewässer an die Anlage heran. Ich kann die ziemlich große Schutzmole erkennen, auch Masten von Schiffen sind dahinter deutlich erkennbar. Alles nur kein Leuchtfeuer. Seltsam. Normalerweise sind die Türken da sehr genau. Ich runde die Einfahrt mittig mit kleiner Fahrt, laufe in den Vorhafen ein. Die Schaukelei hört auf, ich komme in ruhigeres Wasser. Vor der Einfahrt in das Hauptbecken liegen ein paar Fischer im Päckchen, ordnen dort ihre Netze. Hinter ihnen leuchten zaghaft ein paar rote Lämpchen, von denen ich annehme, dass sie deren Netze markieren. Beim Vorbeifahren ruft mir einer der Männer etwas zu und winkt heftig. Na, der begrüßt mich aber freundlich! Ich grüße ebenso freundlich zurück und konzentriere mich auf die nun unmittelbare vor mir liegende Einfahrt. Ich sehe in dem großen Hafenbecken, welches mit unangenehm blendenden Scheinwerfern beleuchtet ist, nur wenige Schiffe liegen. Ich freue mich schon, da es anscheinend ein einfaches Anlegemanöver wird. In diesem Moment sehe ich etwas, dass mein Verstand nicht sofort begreifen will: Die Einfahrt ist gesperrt!!! Und zwar mit diesen viereckigen, etwa koffergroßen Kunststoffdingern, die miteinander verschraubt werden!!!! Diese Dinger schauen nur knapp über die Wasseroberfläche, außerdem hätte ich nie im Leben mit so etwas gerechnet – da liegen doch Schiffe im Hafen!!! Der Fischer hatte mich also nicht gegrüßt, der wollte mich warnen! Schlagartig kommt Panik an Bord auf, ich habe aber jetzt keine Zeit für eine Krise. Blitzartig, aber trotzdem getriebeschonend, lege ich den Retourgang ein, gebe Full pull retour, doch es ist zu spät, Sandpiper überfährt die Dinger, bis sie am Kiel hängen bleiben und wir zum Stehen kommen. Verdammter Außenbordmotor, warum entwickelst du retour bloß so wenig Schubkraft?? Zum Glück sind diese Dinger flexibel und mit einer Leine am Ufer befestigt, es ist nichts passiert. Sind die verrückt, die sperren einen ganzen Hafen ab! Langsam komme ich im Retourgang von den Dingern wieder runter, fahre zu den Fischern und frage, was da los sei. Einer erklärt mir, dass der Hafen nun Privatbesitz wäre und der Eigentümer ihn kurzerhand für die Allgemeinheit gesperrt hätte. Daher auch kein Leuchtfeuer. Alle dürften das allerdings noch nicht wissen, denn eine halbe Stunde später rauscht ein Neuankommender Fischer stichgerade auf die Absperrung zu, allerdings versteht der die in türkischer Sprache gerufene Warnung und kann seinen Kahn gerade noch vor dem Hindernis zum Stehen bringen. Mir ist saukalt, der Schreck sitzt mir in den Gliedern, ich bin hundemüde und die Bordküche ist nicht nur kalt sondern eiskalt. Jetzt stehe ich da vor einem abgesperrten Hafen. Wenn ich das zu Hause erzähle, glaubt mir das niemand. Was tun? Ich habe ganz einfach keine Lust mehr, um dreiundzwanzig Uhr nochmals durchzustarten und nach 5sm wieder einen unbekannten Hafen anzulaufen. Wer weiß, welche Gefahren dort auf mich lauern… So werfe ich kurzerhand im Vorhafen den Anker, heiße meine Stroboskoplampe vor und verputze meine letzte Dose Thunfisch. Wenn nicht bald was Ordentliches auf den Tisch kommt, trete ich in den Streik. Der Schwell im Vorhafen ist halbwegs erträglich, nur viel Platz zum Kette stecken habe ich nicht. Vor mir die Absperrdinger, seitlich die Schutzmole, hinter mir die Fischer. Aber es muss auch so gehen. Katzenwäsche und ab in die Heia – es reicht für heute….

Etmal: 33,5sm, Position: N 36° 33,46’ / E 031° 57,01’

Dienstag, 14. April 2009

Side / Selimiye

Für mich nicht ganz nachvollziehbar warum interessieren sich hier, wo ich es am allerwenigsten erwartet hätte, Türken für mich und mein Boot – und zwar ohne irgendwelche hintergründige Interessen. Mein Schiff wird begutachtet, mir werden eine Menge Fragen gestellt. Während ich auf der Mole meine Segel schön zusammenlege, kommt einer der gerade in der Nähe arbeitenden Straßenkehrer zu mir, gibt mir einen neuen Müllsack und hilft mir, das eben zusammengelegte Segel darin zu verstauen. Ich bin bass erstaunt über diese Hilfsbereitschaft.
Beim Laufen entdecke ich einen Eisvogel, der sich mit seinem charakteristischen Ton verraten hat. Mauergeckos flüchten bei meinem Herannahen in schützende Felsspalten.
Die Stadt (eigentlich ein Dorf mit einem überproportionalen Anteil an Verkaufslokalen jeder Art) durchwandert und die antiken Stätten besichtigt. So wie z.B. Korfu fest in englischer Hand ist, ist das Touristenzentrum Side fest in deutscher Hand. Verärgert bin ich über die nachgemachten Säulen des Apollon – Tempels, welche den Touristen als echt verkauft werden. Das fast pausenlose angemacht werden von den Anreißern vor den Geschäftslokalen nervt mit der Zeit, auch wenn ich ein gewisses Verständnis dafür aufbringen kann.
Am Nachmittag bastle ich ein bisschen am Schiff herum, da nehmen einige Männer, die hier im Hafen ihren Geschäften nachgehen, Kontakt mit mir auf. Wir setzen uns an der Mole zusammen, bei einem Kaffee erfahre ich einiges über ihr Land und ihre Sorgen. Sie selbst sind über das Überhand genommene Ausmaß des Fremdenverkehrs nicht ganz glücklich, aber in dem Bewusstsein, leider davon Abhängig zu sein.
Was gibt es zu Side / Selimiye zu sagen? Nun, ein Teil der Stadt wurde vom Sand verschlungen, was Mitschuld an ihrem Untergang war. Side, teilweise unter dem heutigen Selimiye gelegen, ist ein bekannter Urlaubsort an der Türkischen Riviera. Die Stadt liegt zwischen den Städten Antalya und Alanya. Side blickt auf eine etwa 3500 Jahre lange Vergangenheit zurück und war in der Antike eine bedeutende Hafenstadt in der Region Pamphylien, wie diese Landschaft an der mittleren Südküste in der Antike genannt wurde. Von der antiken Hafenstadt sind viele Bauwerke erhalten geblieben. Das antike Side liegt auf einer flachen Halbinsel mit Hafenanlagen an der Spitze. Side wurde etwa im 7. Jh. v. Chr. gegründet. Die bedeutendsten Ruinen stammen aus der römischen Epoche, dem 2. und 3. Jahrhundert. Die Stadt wurde vermutlich im 10. Jahrhundert verlassen. Ein Erdbeben zerstörte viele Bauwerke. Die antike Stadt auf der Halbinsel wurde überbaut, so dass nur die Hafentherme und die Große Therme aus den Häusern hervorragen. Der nordöstliche Teil der antiken Stadtfläche ist von einer Düne überdeckt. Vom Apollon-Tempel wurden 5 Säulen wieder aufgerichtet und bilden aufgrund der exponierten Lage ein beliebtes Foto-Motiv. Leider werden die Touristen für dumm verkauft, da es sich bei den Säulen um Nachbauten handelt, gekrönt von einigen echten Bruchstücken. Side wurde über Aquädukte mit Trinkwasser aus dem 30 km entfernten Fluss Manavgat versorgt. Reste der Aquädukte sind an verschiedenen Stellen noch zu sehen. Auf der südlichen Hälfte liegt das Ende des 19. Jahrhunderts gegründete Fischerdorf Selimiye, das in den 1970er Jahren als Badeort entdeckt wurde. Der Ort Selimiye überbaut den südlichen Teil des antiken Side und bildet heute das Zentrum von Side. Beiderseits der Halbinsel liegen Sandstrände und dahinter zahlreiche Hotels für Urlaubsgäste. Eine besondere Attraktion ist hier angeblich das Beobachten der zahlreichen Meeresschildkröten in der Nähe des Strandes.
Am Abend kommen Fischer und bedeuten mir, Sturm sei angesagt. Ich kann es zwar nicht ganz glauben, da ich einen aktuellen Wetterbericht habe, der in dieser Region nur ein bisschen mehr Wind voraussagt. Trotzdem Danke für die Warnung! Sie zeigen mir einen Platz an dem ich mich verlegen soll, wenn der Wind auf Süd drehen sollte. Durch die nach dieser Seite offenen Hafeneinfahrt soll dann gefährlicher Schwell entstehen können. Rat von Einheimischen nehme ich in solchen Situationen immer gerne dankend an, da sie die örtlichen Situationen ja, im Gegensatz zu mir, genau kennen. Ich verlängere meine Vorleinen und ziehe mich weiter ins Hafenbecken hinaus, setze sicherheitshalber das von mir nicht besonders geliebte aber trotzdem nützliche Reitgewicht auf die Ankerleine, bereite mir wieder einmal ein kärgliches Mahl zu (irgendwie muss ich ja die 17 Teuros der Dorade wieder reinbringen….) und beginne dann mein Tagebuch zu schreiben. Der Wind frischt etwas auf, aber nicht besonders. Da braust plötzlich mein Nachbarlieger mit seinem Moped heran, schreibt mir seine Handynummer auf und legt mir nachdrücklich nahe, ihn, egal zu welcher Nachtzeit, anzurufen, wenn es Probleme geben sollte. Er würde dann kommen und mir helfen. Ich kann es kaum glauben, diese Leute hier sind wirklich um mich besorgt!! So etwas von spontaner Hilfsbereitschaft habe ich bisher in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt!!
Wenn das kein schöner Abschluss eines ebenso schönen Tages war, dann weiß ich nicht…

Reste des Aquädukts:


Vom Sand verschlungen:


Die Triumphstraße:


Der (teilweise) nachgebaute Rest des Apollon - Tempels:


Apollon - Tempel, Detail: