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Dienstag, 9. Dezember 2008

Von Astipalaia nach Kos

Nach einer ruhigen Nacht, von einigen Böen, ein und auslaufenden Fischern, sowie den üblichen Trotteln mit ihren Mopeds einmal abgesehen, laufe ich zeitlich aus, denn wiederum steht mir ein langer Tag bevor - Ich möchte bis zur Insel KOS kommen. Der Wind steht günstig, er bläst aber ziemlich heftig, darum ziehe ich noch im Schutz des Hafens mein Schwerwetterzeug und die Gummistiefel an. Das warme Mützchen noch und der Lifebelt, schon kann’s losgehen. Der Nordwind kühlte die Luft stark ab, es hat nur mehr so um die sechzehn Grad. Dafür gibt es eine tolle Fernsicht, ich kann die Insel KOS schon von Astipalaia aus sehen – das vereinfacht die Navigation….. Der blaue Himmel mit bizarren, sich jagenden Wolkengebilden verspricht nichts Gutes, das Baro ist stark gefallen. Kaum draußen, lege ich die Ohren an, mein Schiff sich auf die Backe, wir rauschen durch eine aufgewühlte See, der böige Wind verlangt von mir volle Konzentration. Außerhalb der Windabdeckung von Astipalaia überlege ich ernsthaft umzukehren. Die Ägäis fletschte die Zähne, schnappte nach mir, biss aber nicht zu. Neptun spuckte mir Gischt aufs Deck und Aäolus machte seinen Windsack weit auf. Es ist diesmal allerdings weniger der Wind – angesagt sind 5 Bft. - sondern der hohe Wellengang, der mir zu schaffen macht. Was da von Norden herangerauscht kommt, macht mir Angst. Ich versuche die Wellenhöhen abzuschätzen, was gar nicht so einfach ist, behalte aber meine Einschätzung der Höhen lieber für mich, da ich sonst als Angeber angesehen werde. Das Wellenbild ist sehr unregelmäßig, gefährlich werden mir aber nur die unvorhersehbaren Querläufer und die Brecher, denen ich nicht mehr ausweichen kann. Dann beschleunigt mein Schiff urplötzlich, dreht sich quer, die Ruderwirkung geht gegen null, die Schräglage wird momentan beängstigend. Am Besten geht es, wenn ich die Wellen schräg von achtern auflaufen lassen kann. Ich lege meine Denkerstirn in Falten, konzentriere mich an der Pinne – ein Autopilot wäre bei diesen Bedingungen sowieso hoffnungslos überfordert gewesen – und hoffe, dass diese Achterbahnfahrt nicht mehr allzu lange dauern wird. Unendlich langsam nähert sich die Südhuk von KOS, gleichzeitig taucht dahinter bereits die Küste der TÜRKEI auf. Viel Verkehr ist leider auch, die „Biggis“ ziehen unbeirrt ihre Bahn, zum Glück kommt mir keiner dieser Riesen zu nahe. Ehrlich gesagt bin ich dann heilfroh, dass ich in die Windabdeckung von KOS komme und die Wellen nicht mehr so hoch sind. Nach neuneinhalb Stunden Fahrzeit laufe ich mit dem letzten Büchsenlicht an der Südostseite von KOS den Minihafen von KAMARI an, welcher aber voll belegt ist. Unmittelbar südlich davon liegt eine, durch die Hafenmole geschützte Bucht, mit gut haltendem Sandgrund, wo ich meinen Anker auf vier Meter Wassertiefe mit zwanzig Metern Kette in den Grund einfahre. Hier liege ich windgeschützt, der Schwell hält sich in Grenzen. Ich hätte auch an der Außenseite der Mole anlegen können, diese ist aber für Frachtschiffe ausgelegt, entsprechend hoch und rau ist sie gebaut - nicht gut für Fender und Festmacherleinen. Ziemlich groggy, aber glücklich über das Erreichte köchle ich mir noch ein opulentes Mahl, ein heißer Kamillentee mit Zitrone und Honig wärmt mich wieder auf. Bei Kerzenlicht und leiser Musik liege ich satt und zufrieden in meiner Koje, lasse nachdenklich den Tag Revue passieren. Es muss einmal gesagt werden: Was dieses Schiffchen abkann, ist mehr als großartig, begrenzt nur durch die Leistungsfähigkeit seines Skippers.
Etmal: 38sm, Position: N 36° 44,10’ / E 026° 58,37’