Am Morgen fällt mir fast das Kaffeehäferl aus der Hand, als in meiner unmittelbaren Nähe ein Schuss knallt. Ich gehe erst mal in Deckung, greife nach meiner Waffe und peile dann vorsichtig die Lage. Schließlich bin ich hier Mutterseelen alleine in der Wildnis. Auf einem Felsen am Ufer steht ein Mann mit einer Schrotflinte und starrt angestrengt ins Wasser, nicht auf mich. Gut, also droht mir scheinbar keine unmittelbare Gefahr. Was macht der Kerl aber da bloß? Ich behalte ihn scharf im Auge, da ich mir aus seinem Verhalten keinen Reim machen kann. Plötzlich hebt er die Waffe, ich gehe in Deckung, er legt an, zielt kurz und schießt ins Wasser unter ihm. Dann lehnt er die Flinte an einen Strauch, zieht sich bis auf die Unterhose aus, klettert über die Felsen ins Wasser und – holt einen Fisch heraus!! Ich glaube es nicht. Ist das nun ein fischender Jäger oder ein jagender Fischer? Soll ich „Petri heil“ oder lieber doch „Waidmanns heil“ rufen? Bevor mir ein Fauxpas passiert, sage ich lieber gar nichts. Das Spiel wiederholt sich, ich gehe sicherheitshalber Ankerauf und verziehe mich, denn so sorglos, wie der Typ mit der geladenen Schrotflinte umgeht, ist er mir nicht ganz geheuer. Ich verlege mich zum Dorf Ücagiz, da ich sowieso Lust auf frisches Brot und Joghurt habe. Das einzige Internetcafe dort war leider baufällig und ist eingestürzt…. Zu dumm, ich hätte gerne meine Mails und einen aktuellen Wetterbericht abgerufen. Im Laden frage ich dann den Besitzer, ob es im Dorf eventuell eine andere Möglichkeit gäbe, um ins Netz zu gelangen. Daraufhin erlebe ich eine gewaltige Überraschung: Er räumt seinen Platz hinter der Buddel, bittet mich dort Platz zu nehmen, zieht das LAN – Kabel aus seinem PC damit ich meinen kleinen Laptop anschließen kann, bringt mir eine Tasse Kaffee, entschuldigt sich vor das magere Warenangebot – die Saison habe noch nicht begonnen - meinte noch, ich könne so lange hier bleiben wie ich wolle, und ging sodann seine Kunden bedienen, tratschen und ebenfalls Kaffee trinken. Zeitweise war ich ganz alleine in dem Laden. Ich war völlig von der Rolle. So was habe ich noch nicht erlebt. Nach dem ich meine Sachen erledigt und meine Einkäufe beisammen hatte, ging’s ans Bezahlen, wobei ich die nächste Überraschung erlebte: Für den Kaffee und den Internetzugang nahm der gute Mann kein Geld an! Er meinte nur „you are welcome“ und grinste freundlich….
Ich durchstreife das ärmliche Dorf, wo gerade ein neuer Hafen gebaut wird. Schön langsam kann ich verstehen, dass die Menschen hier um jeden Gast buhlen, denn andere Einkommensquellen sind, abgesehen von der Fischerei, in dieser kargen Landschaft extrem rar. Sie ist für uns Touristen zwar wunderschön, aber landwirtschaftlich kaum nutzbar. Industrie ist in dieser bergigen Küstenregion nicht existent, nur wenige Straßenverbindungen durchschneiden das Land.
Ich dümple im Schutz der Insel Kekova, an den steinernen Überresten einer im Dunkeln der Geschichte längst untergegangenen Kultur vorbei, nach Nordosten bis zu deren Ende, wo ich vis a vis am Festland in der Bucht Gökkaya Limani, dem „Himmelsfelsenhafen“, einem Naturparadies, einen traumhaften Ankerplatz finde. Eine große weiße Ente (oder ist es eine kleine Gans?) kommt in der Hoffnung auf Futter näher. Ich erkläre ihr, dass ich ihr auf gar keinen Fall etwas von meinem frischen Brot abgeben werde, da ich mich selber schon seit Tagen darauf freue. Im Gegenteil, wenn sie es wagen sollte, noch näher zu kommen, würde ich sie fangen, einen saftigen Braten aus ihr zubereiten und mit ihren Daunen meinen Kopfpolster füllen…. Na gut, viel mehr als einen halben Wecken kann ich eh nicht verdrücken, der Rest wäre mir sowieso hart geworden. Das nun satte Tierchen schwamm zufrieden zu einem kleinen Felsen in der Nähe, machte es sich dort bequem und schlief einfach ein. Ich machte es ihm nach, streckte mich im Cockpit lang und döste genüsslich in der Sonne. (Ja Mama, natürlich habe ich mich vorher mit Sonnenmilch eingelassen, dass ich wie eine Speckschwarte glänzte)
Ist eigentlich eine Ente eine kleine Gans oder ist eine Gans eine große Ente???
Mit dem Schlaucherl eine Grotte auf einer der kleinen Inseln erforscht, den dort lebenden Fledermäusen war das anscheinend gar nicht recht. Ihr Gepfeife klang ziemlich aufgebracht.
Am Ende der Fjordartigen Bucht, in der ich ankerte, steht eine verlassene Gaststätte. Zumindest erweckt sie diesen Eindruck. Ein Wanderweg führt direkt daran vorbei. Vielleicht war es so ein Herbergsbetrieb wie das „Purple House“ von gestern? Die Türen standen offen, wahrscheinlich aufgebrochen, da niemand da war, Ausrüstungsgegenstände, Werkzeug und Dinge des täglichen Gebrauches lagen verstreut herum, es schaute durchwühlt aus.
Ein altes Aggregat, eine verrostete Wasserpumpe, windschiefe Holzhütten, mit Plastik gedeckt, verdorrte Blumen, kitschige Dekorationen, alles macht einen ziemlich verwahrlosten Eindruck.