Trotz Lärm und Gestank habe ich gut geschlafen. Lästige Fliegen wecken mich; bei all dem Unrat hier ist es ja kein Wunder, dass sie vermehrt auftreten.
Der Franzose, an dem ich liege, läuft am Morgen aus, das heißt für mich Ablegen, ein Kringerl drehen und wieder (diesmal bei einem Italiener) anlegen.
Beim Abrufen meiner Mails komme ich dahinter, dass der Internetzugang in Tunesien stark zensuriert ist. „www.youtube.com“ z.B. kann nicht aufgerufen werden – so kann ich mir nicht mal mein eigenes Video anschauen. Auch die Pressezensur ist eine der Schärfsten der Welt. Na ja, lange habe ich sowieso nicht vor, in diesem Polizeistaat zu bleiben. Da habe ich eine instinktive Abneigung dagegen…
Natürlich wusste ich schon vorher, dass die Landessprache Arabisch und (teilweise) Französisch ist. Aber dass man mit Englisch und Deutsch alleine absolut keine Chance hat, mit dem habe ich nicht gerechnet. Man(n) vereinsamt direkt, da meine Französischkenntnisse fast null sind.
Auf manchen Münzen steht kein Wert drauf, dem Missbrauch dem Unkundigen gegenüber wird dadurch Tür und Tor geöffnet.
Das die Stadt beherrschende Fort Kelibia besucht, außer dessen beeindruckende Mauern war aber nicht viel zu sehen.
Zweieinhalb Kilometer ins Stadtzentrum gehatscht – das war es aber wert. Dort geht es zu wie in einem Bienenstock. Den Verkehr zu beobachten ist ein Hochgenuss. Was die für einen Stiefel zusammenfahren ist unvorstellbar!! Dagegen sind ja die Italiener richtige Fahrkünstler. Zu dritt oder gar zu viert (Kleinkind in Kiste am Gepäckträger…) auf einem Moped unterwegs zu sein ist hier nichts Außergewöhnliches!
Gehandelt wird mit allem, gebrauchte Schuhe und Handys, sogar die Früchte von Kakteen wurden angeboten. (ja, ja, genau jene, von denen sich der schlaue Gerhard einst die feinen Stacheln in den Lippen eingehandelt hat…)