Es regnet, daher bin ich unter Deck, will gerade das Radar justieren, als ich jemanden laut rufen höre. Ich stürze an Deck und sehe, gerade noch rechtzeitig zum Ausweichen, zwei Hobby - Fischer in Kajaks (!!!), die hier heraußen seelenruhig vor Treibanker liegen und im Regen fischen… Bei dem Ausweichmanöver verhängt sich mein bester Köder - der rote, dem schon einige der köstlichen Schuppenträger zum Opfer gefallen sind - mit den Leinen der Hobbyfischer und geht dabei leider verloren. So ein Mist.
Später, ich bin wieder unter Deck, höre ich wie der Autopilot unkontrolliert zu arbeiten beginnt – die Schubstange fährt völlig aus, Najadchen legt eine Patenthalse hin, aber der Bullenstander hält. Gerade als ich das backstehende Groß klarieren will, passiert es: Ich habe die Leine des Bullenstanders über eine Rolle auf der Schotschiene geführt. Der Druck im Segel ist anscheinend für diese Rolle zu groß, sie bricht mit einem Knall, der Baum schwingt urplötzlich wie eine tödliche Sense übers Deck – ich kann gerade noch meinen Kopf in Sicherheit bringen. Das war knapp… Leider hat es bei dem Vorgang zwei Relingstützen ziemlich verbogen. So ein Mist. Aber besser die mussten dran glauben, als mein Kopf. Nun stehe ich da, im strömenden Regen, ohne Zeit gehabt zu haben, mein Regenzeug anzuziehen. Der Autopilot hat’s vollbracht (ich glaube, die Dinger mögen mich nicht…), ich muss permanent an der Pinne stehen. Ich kurzer Zeit bin ich durchnässt, mich friert und die Stimmung ist auf der Skala von Null bis Hundert auf minus zehn gesunken…
Als für einen Moment die Wolken aufreißen, kommt weit Backbord voraus der markante Felsen von Gibraltar in Sicht...
...zum ersten Mal in meinem Leben!
Gleich darauf fetzen Böen heran, ich berge die Segel und starte fluchend den Motor, denn ohne Selbststeueranlage reffen und Vorsegelfläche verkleinern funktioniert nicht besonders gut.
Ich beschließe, bis Sotogrande durchzufahren und mich in die dortige Marina zu begeben – etwas Ruhe wäre mir jetzt sehr angenehm, noch dazu, wo der Wetterbericht nichts Gutes verheißt. Doch diese Ruhe war mir nicht so schnell vergönnt: Die Motortemperaturwarnung schlägt bei 2200 Touren an, der durchdringend Pfeifton zeigt zu hohe Motortemperatur. Mir bleibt vor Schreck fast das Herz stehen. So ein Mist, was ist denn jetzt schon wieder los?? Ich reduziere die Drehzahl, nach einer Weile hört das Pfeifen wieder auf, mit knapp 2000 Touren kann ich weiterfahren. Ich denke fieberhaft über Fehlermöglichkeiten nach, mir fällt aber nichts ein. Den Impeller habe ich bereits kontrolliert, der ist so gut wie neu. Dass der Motor nach dem Betrieb immer ziemlich heiß war ist mir schon aufgefallen, habe diesen Umstand aber keine allzu große Bedeutung beigemessen. Auch über den weißen Rauch, der aus dem Auspuff kommt, letztendlich als Wasserdampf identifiziert, machte ich mir schon Gedanken, kam aber auch zu keinem Ergebnis.
In der Marina gerate ich an einen leicht überforderten Marinero, der mich alleine den Platz suchen und alleine Anlegen lässt – noch vor gar nicht langer Zeit wäre ich darob in Panik verfallen – achselzuckend lehnte ich mich halt, gut abgefendert, an das Nachbarschiff und belegte in Ruhe meine Leinen und holte handschuhbewehrt die muschelverkrustete Muringleine aus der Tiefe empor. Na also, geht doch…
Leider gibt es keinen Internetanschluss und zur Dusche muss ich einen halben Kilometer laufen – aber die habe ich dann ausgiebig genossen!
Strom bekomme ich auch keinen, da es hier wieder eine völlig neue Steckerform gibt – die machen mich noch wahnsinnig…
…nur noch 12 Meilen bis Gibraltar…
Etmal: 38sm, Position: N 36°17,40’ / W 005° 16,30’