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Mittwoch, 1. Dezember 2010

Von Arrecife nach Gran Canaria, 1.Tag

Gleich am Morgen ein Rückschlag: Gerade die beiden Schiffe, die ich als Peilmarken für die verloren gegangene Ankerleine verwendet hatte, laufen zeitig aus. Schön blöd für mich… Dann muss ich halt nach Schätzung tauchen, was soll’s. Es ist Hochwasser, das Wasser ist hier ca. sechs Meter tief. Durch den ziemlich hohen Schwebstoffanteil ist die Sicht auf ungefähr zwei Meter eingeschränkt. Das heißt, erstmal vier Meter runtertauchen (das Wasser ist warm, ich brauche nicht mal den Taucheranzug), dann am Grund entlang nach der Ankerleine suchen. Meine Einschätzung der Suchrichtung passt (oder ich habe einfach nur Glück gehabt, kann ja auch sein…), denn nach dem fünften Tauchgang finde ich das gute Stück – der Rest ist schnell erledigt. Ich bin froh, dass ich meinen gestrigen Fehler wieder ausbügeln konnte!
Eine halbe Stunde später laufe ich aus, nehme Kurs auf Gran Canaria. Von Beginn an kann ich segeln, nur wird meiner etwas verfrühten Euphorie ein gehöriger Dämpfer verpasst, als ich sehe, wie stark sich der Mast unter dem Winddruck seitlich verbiegt! Blitzschnell hole ich das Groß wieder herunter, so geht das also nicht. Ich rigge eine Talje in die luvseitige Hilfsabspannung, um die seitliche Biegung zu verringern aber diese Maßnahme hilft auch nicht viel, ich kann, halbwegs gefahrlos, nur mit der Genua segeln. Und selbst da pumpt der Mast noch kräftig im Seegang. Es wird also ein langer Weg werden…
In der relativ engen Durchfahrt zwischen den Inseln Lanzarote und Fuerteventura beträgt die Wassertiefe stellenweise nur zwanzig Meter, dementsprechend chaotisch ist dort das Wellenbild; dazu kommt noch die Düsenwirkung, die den Wind verstärkt und umlenkt – kurz gesagt, so durchgebeutelt hat es uns schon lange nicht mehr. Diese Konfusion hält die ganze Nordseite von Lanzarote lang an, als wir die offene See erreichen wird es erträglicher.
De Verkehr hält sich in Grenzen, mir kann das nur recht sein.
Ich bereite Najadchen für die Nachtfahrt vor, das Radar bietet mir wieder die Möglichkeit, gefahrlos stundenweise zu ruhen.
Mitten in der Nacht werde ich wieder einer Zahnplombe verlustig – aber nicht weil ich auf etwas hartem herumkaute, sondern während ich genüsslich einen weichen Schokoriegel verzehrte, um meinen Serotoninspiegel (=Glückshormon) zu erhöhen.

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