Um 04:00 in der Früh, bei meinem Kontroll – Rundumblick, merke ich, dass der Anker meines italienischen Nachbarliegers schliert – er ist mir schon merklich nahe gekommen. Also heißt es alle Fender strategisch richtig positionieren und abwarten…
Es bläst noch immer stark, aber nicht mehr ganz so arg – heute haue ich von hier wieder ab. Wobei sich eigentlich die Frage stellt, ob ich überhaupt in Griechenland war? Griechischen Boden hat schließlich ja nur mein Anker berührt, nicht ich. Wie dem auch sei, für mich war es ja sowieso nur ein Zwischenstopp auf meiner Reise. Eigentlich war der ja zur Verproviantierung mit frischen Lebensmitteln und zur Müllentsorgung gedacht – aber es hat eben nicht sollen sein. In der Bilge habe ich sowieso noch Salami und Schinken lagern, Wasser ist auch noch ausreichend vorhanden, also alles kein Problem.
Um 06:00 tutet die Fähre ganz nervös und vertreibt die Schiffe, die sich Clevererweise wieder in ihre Ausfahrtsschneise gelegt haben…
Auch ein paar andere Schiffe verlassen mit mir die Insel, allerdings drehen diese alle Richtung Norden ab. So mache ich mich eben alleine auf den weiten Weg an die Südspitze Italiens, denn ich will diesmal „oben“ rum, durch die Strasse von Messina.
Kurs 135 Grad rechtweisend liegt an, ich kann bald das zweite Reff ausschütteln, wir machen gute Fahrt. Gegen Abend schläft der Wind ein, ich nutze die Flaute für ein Vollbad, da das Wasser hier mitten im offenen Meer erstaunlich warm ist. Die örtlichen Fische zeigen leider kein Interesse an meine ausgebrachten Köder – schade, frischer Fisch täte zur Abwechslung wieder einmal gut!
Es herrscht ganz wenig Verkehr – um 22:00 haben wir bereits 65 Meilen hinter uns gebracht. Ich befinde mich genau mittig vor dem Golf von Otranto, bis zur Südspitze Italiens sind es noch rund 130 Meilen.
Der Mond ist schon fast voll, überstrahlt daher die meisten Sterne. Wir gleiten hoch am Wind mit fünf Knoten dahin, die Restdüngung wiegt uns sanft. Geheimnisvoll glitzert das Wasser im Mondlicht, unsere gurgelnde Schaumspur verliert sich rasch im Dunkeln. Ich sitze in Luv im Schutze der Sprayhood, bin wieder eins mit den Elementen, ein Teil derselben. Ich fühle wie Najade geschmeidig durch die Wellen gleitet, jeden Windhauch in Fahrt umsetzt. Auch sie ist in ihrem Element; langsam werden wir zu einer Einheit zusammenwachsen.
Das Radar sagt mir, dass wir im Umkreis von 32 Meilen alleine sind. Also nur Einsamkeit und Stille um uns herum. Ich genieße diese Augenblicke, fühle mich wohl und bin glücklich. Schauen wir mal, was die weitere Nacht uns bringt!