In der Nacht ist ein riesiges, unter italienischer Flagge fahrendes Kreuzfahrtschiff eingelaufen. Daraufhin war das Stadtbild heute Vormittag ein völlig anderes: Alle Geschäfte hatten auf einmal geöffnet, bunter Tand, Kunsthandwerk und Kitsch füllte die Auslagen und Ständer, gutgelaunte Touristen zwängten sich durch die engen Gassen, fotografierten wie wild alles was irgendwie alt aussah, so dass die Objektive glühten. Teilweise schien sogar die Sonne, hätte der Wind nicht mit mehr als 20 Knoten über die Stadt gepfiffen, wäre es ein traumhafter Tag geworden.
Ich ärgerte mich eine Zeit lang mit Sigi und Christas Laptop herum, dann fiel im Hafen der Hotspot aus. Ich konnte gerade noch Gribfiles (= eine Wettervorhersage) herunterladen, dann ging gar nichts mehr. Am Abend legt der Wind wieder zu, es wird wieder eine unruhige Nacht werden…..
Freitag, 27. Februar 2009
Es bläst mit 20 Knoten aus NW. Ich liege zwar etwas unruhig aber sicher mit Heckanker und Mooring. Wieder durch die Stadt strawanzt. Der Marina PC funzt noch immer nicht…. Meine Nachbarlieger wollten sich für das „Private pleasure maritime traffic document“ beim Hafenkapitän den für das Auslaufen aus dem Hafen (nicht zu verwechseln mit dem Ausklarieren!) benötigten Stempel holen. Der schickte sie ans andere Ende (Gehzeit gut eine halbe Stunde) der Stadt zu einem Zollgebäude, wo sie um sagenhafte 0,80 € (!!!!) ein Formular auszufüllen hatten. Dauer mit in der Schlange anstellen: Geschlagene 2 Stunden…. Dann zurück zu besagtem Hafenkapitän, noch ein Formular ausfüllen, dann der begehrte Stempel. Der ganze Aufwand wegen achtzig Eurocent – mich können die gerne haben, ich tu mir diesen Aufwand ganz sicher nicht an, ich reise einfach ohne bürokratischen Hürdenlauf ab – wie bisher….
Wäsche gewaschen - Sigi hat mir eine illegale Wasserbeschaffungsmöglichkeit gezeigt. Eine verlustig gegangene Segellatte ersetzt. Die Segellattentaschen nähe ich ab sofort zu, damit mir bei Starkwind nicht wieder eine davonfliegt.
Die Solaranlage repariert. Wieder so ein Glumpert „Made in Germany“. Nach einem Meter Kabel haben die einen so genannten „Zellprotektor“ eingeschleift, dessen Gehäuse natürlich nicht wasserdicht ist……
Der „offizielle“ Internetzugang ist nun im Kaffeehaus am Hafenausgang erhältlich, für einen Euro eine Stunde – das ist kein Thema, da brauch ich mich nicht auf einem kalten Gartenbankerl um einen illegalen Zugang mehr bemühen…
Wäsche gewaschen - Sigi hat mir eine illegale Wasserbeschaffungsmöglichkeit gezeigt. Eine verlustig gegangene Segellatte ersetzt. Die Segellattentaschen nähe ich ab sofort zu, damit mir bei Starkwind nicht wieder eine davonfliegt.
Die Solaranlage repariert. Wieder so ein Glumpert „Made in Germany“. Nach einem Meter Kabel haben die einen so genannten „Zellprotektor“ eingeschleift, dessen Gehäuse natürlich nicht wasserdicht ist……
Der „offizielle“ Internetzugang ist nun im Kaffeehaus am Hafenausgang erhältlich, für einen Euro eine Stunde – das ist kein Thema, da brauch ich mich nicht auf einem kalten Gartenbankerl um einen illegalen Zugang mehr bemühen…
Donnerstag, 26. Februar 2009
Am Morgen lässt der Regen nach, der Wind dreht auf West, jetzt drückt er mich an die Mole. Mir kann man es aber auch nicht recht machen… Die Peripherie der Stadt erkundet – irgendwie trostlos das Ganze. Endlich ein halbwegs anständiges Lebensmittelgeschäft gefunden, allerdings erst nach einem Fußmarsch von gut 20 Minuten. Zum Lidl ist es dann noch einmal so weit. In dessen Nähe wurde vor Jahren mit dem Bau einer neuen Marina begonnen, sie ist allerdings immer noch nicht fertig. Im Gegenteil, in unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich eine Müllkippe und eine Sinti / Roma Brettersiedlung – niemand legt sich daher in das halbfertige Hafenbecken, da die Kleinkriminalität dort groß ist. Völlig unvorbereitet und unmittelbar wurde ich mit den Lebensbedingungen dieser Menschen dort konfrontiert, als ich an der Müllkippe vorbei zu besagter „Marina“ wollte. Für mich unvorstellbar, wie man in solchen Hütten, was sage ich, Verschlägen, leben kann. Aus Wellblech, Brettern, Plastikteilen, Schwemmholz, Teppichresten usw. primitivst zusammengeschustert, windschief geduckt in einer Mulde, die etwas Schutz vor den kalten Winterwinden bietet. Überall Abfall und Dreck, Dreck, Dreck. Kein Wasser, kein Strom, keine Kanalisation. Die dort „lebenden“ Menschen, am äußersten Rande der Gesellschaft, werden gerade noch toleriert, weil man nicht weiß, was man mit ihnen sonst machen soll. Hundert Meter davon entfernt, auf der Autostrada, rollen Luxuslimousinen dahin, funktioniert der Konsum reibungslos. Dass dieser eklatante Unterschied zwischen arm und reich extremen sozialen Sprengstoff birgt, wird doch hoffentlich den Behörden bewusst sein, oder etwa doch nicht??
Meine Nachbarlieger Sigi und Christa sind im Besitz des Schlüssels der einzig funktionierenden „Duschanlage“ der „Marina“ Mandraki. Über deren Zustand sag ich lieber nix, sonst graust mir jetzt noch.
Mit dem kleinen Laptop in den nahe gelegenen Park gewandert, dort habe ich nämlich freien und ziemlich stabilen Internetzugang. Während ich so dahinsurfe kommt eine kleine, dreifarbige Katze näher, beobachtet mich eine Weile, stuft mich anscheinend als harmlos ein, springt auf meinen Schoss und fordert Streicheleinheiten ein. Na gut, so wärmen wir uns eben gegenseitig ein bisschen. Muss schauen, ob ich wo Katzenfutter auftreiben kann.
Der Wetterbericht verspricht Besserung, am Montag in der Früh werde ich Richtung Marmaris aufbrechen. Bezahlen konnte ich noch immer nicht, da der Marina PC noch immer (oder schon wieder) nicht funktioniert…..
P.s.: Ich hab doch von der Insel Nisyros ein paar Brocken Schwefel zum Experimentieren mitgenommen. Passt mir bloß auf mit so einem Zeug! So ein Brocken ist ganz leicht anzuzünden, er brennt sofort mit einer kleinen, bläulichen Flamme, ist gar nicht einfach zu löschen, schmilzt relativ schnell und tropft auf den Boden – wenn man(n) nicht aufpasst. Und bloß nicht neugierig schnüffeln, die Nasenschleimhäute reagieren extrem ungehalten auf den stark stechend riechenden Rauch…
Meine Nachbarlieger Sigi und Christa sind im Besitz des Schlüssels der einzig funktionierenden „Duschanlage“ der „Marina“ Mandraki. Über deren Zustand sag ich lieber nix, sonst graust mir jetzt noch.
Mit dem kleinen Laptop in den nahe gelegenen Park gewandert, dort habe ich nämlich freien und ziemlich stabilen Internetzugang. Während ich so dahinsurfe kommt eine kleine, dreifarbige Katze näher, beobachtet mich eine Weile, stuft mich anscheinend als harmlos ein, springt auf meinen Schoss und fordert Streicheleinheiten ein. Na gut, so wärmen wir uns eben gegenseitig ein bisschen. Muss schauen, ob ich wo Katzenfutter auftreiben kann.
Der Wetterbericht verspricht Besserung, am Montag in der Früh werde ich Richtung Marmaris aufbrechen. Bezahlen konnte ich noch immer nicht, da der Marina PC noch immer (oder schon wieder) nicht funktioniert…..
P.s.: Ich hab doch von der Insel Nisyros ein paar Brocken Schwefel zum Experimentieren mitgenommen. Passt mir bloß auf mit so einem Zeug! So ein Brocken ist ganz leicht anzuzünden, er brennt sofort mit einer kleinen, bläulichen Flamme, ist gar nicht einfach zu löschen, schmilzt relativ schnell und tropft auf den Boden – wenn man(n) nicht aufpasst. Und bloß nicht neugierig schnüffeln, die Nasenschleimhäute reagieren extrem ungehalten auf den stark stechend riechenden Rauch…
Mittwoch, 25. Februar 2009
Im Morgengrauen beginnt es zu regnen, der Wind dreht auf NO. Ich klare das Schiff auf und koche mir Spaghetti, um das Schiff ein bisschen aufzuheizen. Das funktioniert aber nicht wirklich gut, denn durch das kochende Wasser habe ich Kondenswasserbildung an der Decke, ergo lebe ich nun in einer (nach wie vor kalten….) Tropfsteinhöhle. Am Nachmittag kommt auf VHF Kanal 16 Sturmwarnung, 7 – 8 Beaufort sind angesagt. Ich setze auf meinem Heckanker ein Reitgewicht auf, lege zwei zusätzliche Landleinen, die ich an den Mittelklampen belege, verzurre mein Solarpaneel, hole die Mooringleine dichter, damit das Schiff weiter von der Mole wegkommt und harre der Dinge, die da kommen werden. Am späten Nachmittag beginnt der Tanz, das Wasser kommt über die Mole, es bläst ordentlich. Ich liege mit dem Bug im Wind, „Sandpiper“ reißt und bockt wild an ihren Leinen. Ich probiere zum ersten Mal an Land meinen Schwerwetteranzug so richtig aus und bin begeistert. In Kombination mit meinen Gummistiefeln, Mützchen und Handschuhen komme ich zwar wie das Michelinmanderl daher, aber ich bleibe staubtrocken und warm. Natürlich bin ich der Einzige, der bei dem Regen fröhlich durch den Hafen stapft…. Und dann erlebe ich etwas, was mich mit der Stadt wieder ein bisschen versöhnt: Trotz dem Mistwetter kommt ein Mann mit einem Moped herangebraust und füttert die wilden Katzen im Hafen, die ihn offenbar gut kennen und mit hoch aufgerichteten Schwanz auf ihn zulaufen. In einer größeren, windgeschützten Mauernische hat er ihnen eine Art Schlafplatz aus alten Decken hergerichtet, die er säubert und ordnet. Auf ein Stück Pappendeckel hat er in Englisch die Bitte um eine Spende für Katzenfutter geschrieben. Daneben steht eine leere Kaffeedose mit einem Schlitz im Plastikdeckel. Ich gebe ihm meinen Obolus lieber persönlich, da besagte Dose ziemlich ungeschützt herumsteht….
Am Abend verpacke ich meine Verstärkerantenne so gut es geht wasserdicht und ziehe sie in den Mast hinauf, trotzdem bekomme ich nur kurzzeitig wackelige Internetverbindungen zustande. Ich liege diesbezüglich strategisch ungünstig, das große Stahlschiff schirmt wahrscheinlich sehr stark ab. Das Signal von „RodosWIFI“ kommt zwar sehr stark, aber die wollen 10 Euro für die Stunde….
Am Abend verpacke ich meine Verstärkerantenne so gut es geht wasserdicht und ziehe sie in den Mast hinauf, trotzdem bekomme ich nur kurzzeitig wackelige Internetverbindungen zustande. Ich liege diesbezüglich strategisch ungünstig, das große Stahlschiff schirmt wahrscheinlich sehr stark ab. Das Signal von „RodosWIFI“ kommt zwar sehr stark, aber die wollen 10 Euro für die Stunde….
Dienstag, 24. Februar 2009
Rhodos Stadt
Zu Fuß die Stadt durchstreift. Die riesige Festungsanlage ist zwar sehr imposant, die sich darin befindliche Altstadt architektonisch interessant und pittoresk, trotzdem kann ich mich für sie nicht recht begeistern. Sie wird leider mit (zumeist lauten) Mopeds verpestet, es gibt keine vernünftigen Lebensmittelgeschäfte in Hafennähe, nur Touristenquatschbuden. Fast alles ist auf Tourismus ausgerichtet, das Preisniveau dementsprechend. Viel Autoverkehr, Lärm, eine richtige Hektomatikerstadt. Viele Katzen streunen herum, ein kleiner roter Kater lässt sich zu ein paar Streicheleinheiten überreden, die er richtig genießt. Zu meiner Freude bemerke ich dann, wie ein Einheimischer diese Katzen füttern kommt. Das versöhnt mich wieder ein bisschen. Strom für die Kaisteckdose kann ich zwar für 10 Euro kaufen, es kann mir nur niemand sagen wie viel ich dafür bekomme….. Von den Verteilerkästen funktionieren nur 50 Prozent, auch die Hafenbeleuchtung ist großteils defekt. Von den Hafenkennfeuern sind ebenfalls zwei außer Betrieb. Der Computer im „Marinabüro“, mehr ein verludertes Raucherkammerl, ist defekt, auf einem riesigen Stahlschiff in meiner Nähe wird am Tag mit der Flex gearbeitet, am Abend piepst dort an Bord irgendein elektronisches Gerät andauernd und nervtötend, natürlich ist dann niemand mehr an Bord. Sigi und Christa, meine Nachbarlieger, aus Bad Tölz und Alex aus Triest kennen gelernt.
Anscheinend bin ich nicht der einzige Verrückte hier in der Gegend, denn es waren etliche Leute schwimmen, darunter auch Frauen. Wohlgemerkt, bei 13 Grad Celsius Außentemperatur und frischem Westwind!
Anscheinend bin ich nicht der einzige Verrückte hier in der Gegend, denn es waren etliche Leute schwimmen, darunter auch Frauen. Wohlgemerkt, bei 13 Grad Celsius Außentemperatur und frischem Westwind!
Montag, 23. Februar 2009
Von Symi nach Rhodos
Eine herrlich ungestörte Nacht, in der der Wind allerdings stark auffrischte und auf NO drehte. Blöd, den in genau diese Richtung möchte ich…. Gegen morgen beginnt es zu regnen. Mit dem Wetter schaut es also schlecht aus. Ich muss trotzdem versuchen, ein halbwegs günstiges Wetterfenster zu erwischen, denn hier in der Bucht, die zwar wunderschön, geschützt und ruhig ist möchte ich nicht bleiben, da keine Versorgungsmöglichkeit und keine Sehenswürdigkeiten vorhanden. Gegen Mittag hört es zu regnen auf, ich laufe aus. Beim Ankeraufholen merke ich erst, wie stark der Wind in der Nacht gewesen sein muss, da sich mein braver Bügelanker so tief eingegraben hat, dass ich echt Mühe hatte, ihn auszubrechen. Ich kann mein Ziel (Rhodos Stadt) nicht anliegen, so versuche ich zumindest so hoch als möglich am Wind überhaupt einmal zur Insel Rhodos hinüber zu gelangen, um dort in der Landabdeckung dann nach Nordosten zu motoren. Zwischen Rhodos und dem türkischen Festland, im Stenon Rodou, erwischen mich die Wellen dwars und verstärken meine Abdrift noch mehr. Es ist zum verzweifeln, ich kann mit dem Kielschwerter bei Welle und hoch am Wind kaum Raum nach Luv gewinnen. In der Landabdeckung werden dann die Wellen angenehmer, ich motore mit dem Groß als Stützsegel die Küste hoch, es wird natürlich wieder einmal finster….. Beim Runden des nördlichsten Kaps von Rhodos und beim Einlaufen in den Hafen Mandraki leiten mich meine elektronischen Seekarten wieder einmal falsch…… Ich weiß nicht, was da los ist, ich kann mich jedenfalls nicht mehr darauf verlassen. Ich erwische nach einer Hafenrunde ein halbwegs gutes Plätzchen, sogar eine Mooringleine kann ich aufnehmen. Strom und Wasser sind abgesperrt, da werde ich morgen den Hafenkapo bemühen müssen. Kaum habe ich mir mein kärgliches Mahl zubereitet, fängt es an zu regnen –bin ich froh im Hafen zu sein!
Etmal: 30 sm, Position: N 36° 27,04’ / E 028° 13,67
Etmal: 30 sm, Position: N 36° 27,04’ / E 028° 13,67
Sonntag, 22. Februar 2009
Von Nisyros nach Symi
6:30 Tagwache, ich will nicht wieder in der Nacht in einer unbekannten Ankerbucht ankommen. Der Wind passt genau, zwischen 15 u. 20 Knoten aus N/NW, da läuft mein altes Mädchen wie ein Wiesel. Nach einem gefinkelten Ablegemanöver, von dessen Gelingen ich selber überrascht war, ärgerte ich mich grün und blau darüber, dass ich nicht schon im Schutz des Hafens alle Leinen, Anker und Fender klariert habe, da mich draußen eine stürmische Kreuzsee umherwirft, dass einem übel werden kann. Langsam komme ich aus der Landabdeckung heraus, Wind und Welle werden gleichmäßiger, ich binde das erste Reff ein und nehme Kurs auf die Insel SYMI. Ein bisschen traurig verabschiede ich mich innerlich von der kleinen Insel Nisyros, die mir so schnell ans Herz gewachsen ist. Für mich war sie die landschaftlich schönste griechische Insel bisher überhaupt.
Der reparierte Autopilot erfüllt brav seine Aufgabe, ich kann endlich wieder am Vorschiff arbeiten ohne in Gefahr zu laufen, dass das Schiff im Kreis läuft. Es klart auf, die Sonne wärmt mich und liefert Energie für das Solarpaneel. Einige Küstenfrachtschiffe kreuzen meinen Kurs, jedoch ohne mich zu bedrängen, ich sichte am Horizont sogar eine Segelyacht, ein seltenes Ereignis um diese Jahreszeit in der Ägäis. Am späten Nachmittag laufe ich an der SW Seite von Symi, an deren südlichen Zipfel, in die gut geschützte Ankerbucht Limin Panormitou ein. Der Mini – Anleger vor einem ästhetisch ansprechenden Kloster erscheint mir nicht ideal, ich verhole mich lieber in die NO – Ecke der Bucht und fahre bei drei Meter Wassertiefe meinen Bügelanker in den Grund. Ein herrlicher Segeltag findet bei einem Reis/Gemüse/Fleisch Eintopf, Kaffee und Tee sein geruhsames Ende.
Etmal: 35sm, Position: N 36° 33,15’ / E 027° 50,83
Der reparierte Autopilot erfüllt brav seine Aufgabe, ich kann endlich wieder am Vorschiff arbeiten ohne in Gefahr zu laufen, dass das Schiff im Kreis läuft. Es klart auf, die Sonne wärmt mich und liefert Energie für das Solarpaneel. Einige Küstenfrachtschiffe kreuzen meinen Kurs, jedoch ohne mich zu bedrängen, ich sichte am Horizont sogar eine Segelyacht, ein seltenes Ereignis um diese Jahreszeit in der Ägäis. Am späten Nachmittag laufe ich an der SW Seite von Symi, an deren südlichen Zipfel, in die gut geschützte Ankerbucht Limin Panormitou ein. Der Mini – Anleger vor einem ästhetisch ansprechenden Kloster erscheint mir nicht ideal, ich verhole mich lieber in die NO – Ecke der Bucht und fahre bei drei Meter Wassertiefe meinen Bügelanker in den Grund. Ein herrlicher Segeltag findet bei einem Reis/Gemüse/Fleisch Eintopf, Kaffee und Tee sein geruhsames Ende.
Etmal: 35sm, Position: N 36° 33,15’ / E 027° 50,83
Samstag, 21. Februar 2009
Es ist zwar kühl und windig, aber wenigstens regnet es nicht. Ich plane eine Radtour „rund Nisyros“. Ich breche zeitig auf, da es ein weiter, beschwerlicher Weg ist. Ich schraube mich die Berge hoch, genieße die herrliche Aussicht, die das Herz weit werden lässt. Die Ruhe ist herrlich, nur die Stimmen der Natur sind zu vernehmen. Ich besuche das auf einem Berggipfel liegende Dorf Emporeos, welches fast ganz verlassen und zum Großteil bereits verfallen ist. Um eine Felsspalte, aus der Dampf aus dem Erdinneren strömt, haben die Anwohner eine Art Natursauna gebaut. Ich weiß nur nicht, ob dieser schwefelige Vulkandampf sehr gesund ist – ich habe es lieber nicht ausprobiert…..Die winzigen Häuser des Ortes kleben wie Schwalbennester am Kratersteilhang. Mich schaudert bei der Vorstellung, in welch extrem engen und kargen Verhältnissen die Menschen hier früher gelebt haben müssen. Wahrscheinlich hat die Angst vor räuberischen Übergriffen sie einst dazu bewogen, diesen steilen Berggipfel zu besiedeln. Mit Hilfe der EU wird gerade versucht, dem Dorf neues Leben einzuhauchen. Das neu erbaute Museum über dem Vulkan ist natürlich, wie fast alle Museen hier außerhalb der Saison, geschlossen. Ich fahre wiederum in den Krater hinunter, der mich irgendwie fasziniert. Ich klettere zu den Felsöffnungen hoch, aus denen der Dampf strömt und sammle dort einige Schwefelbrocken ein. Mal sehen ob das Zeug brennt oder schmilzt – ich hab eh’ schon lange keine Experimente mehr durchgeführt…. Schwitzend keuche ich den Vulkan wieder empor, genieße dann die Sausefahrt an überrascht dreinschauenden Ziegen und Kühen vorbei bis ans Meeresniveau hinunter. Dort empfängt mich heftiger Gegenwind, der mich bis zum Hafen nervt. Ich koche mir ein heißes Süppchen, zerlege und verstaue mein Rad wieder im Vorschiff und betreibe Törnplanung, denn morgen geht’s wieder weiter, zu den Inseln Tilos oder Symi, je nachdem wie die Windrichtung ist. Die Wettervorhersage spricht von 20 Knoten Wind aus N/NW. Das wäre ideal!
Freitag, 20. Februar 2009
Die Ostküste der Insel erkundet, teils mit dem Rad, teils zu Fuß. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Schwarze Lavastrände ziehen sich unberührt dahin, meine Fußspuren muten seltsam fremd darauf aus. Ein Eisvogel stößt steil ins Wasser herab, ein Raubvogel zieht am Kraterrand seine Kreise, schraubt sich hoch in die Luft. Landwirtschaft wird hier, wenn überhaupt noch, extensiv auf sehr kleinen Flächen betrieben, stellenweise werden mit eher primitiven Methoden und nur kleinräumig verschiedene Mineralien, wie Sand und Bims, abgebaut. Ziegen und Kühe weiden frei, wechseln unbekümmert über die Straße, mustern mich neugierig und ohne Scheu. Interessanterweise gibt es hier nur Ziegen, keine Schafe, obwohl viele Grünflächen vorhanden sind. Der einzige Laden im Ort ist, hygienisch und architektonisch, schlichtweg eine Katastrophe. In Österreich undenkbar, hier aber anscheinend normal. Am Nachmittag beginnt es wieder zu regnen, schön langsam wird es feucht und ungemütlich im Schiff. Der Wetterbericht verspricht leider auch keine Verbesserung. Im Restaurant versichert mir der dortige Chef, dass der Hafen nun im gesamten Molenbereich auf 2,5 – 3 m ausgebaggert sei. Einzig im westlichsten Teil, dort wo sich der Sandstrand befindet, läuft das Hafenbecken flach aus. Am Abend wird es so kalt, dass ich meinen Atemhauch sehen kann – vielleicht hätte ich mir doch einen Heizstrahler besorgen sollen…..
Donnerstag, 19. Februar 2009
Heute erkunde ich die Insel – mit dem Rad. Die Augen der umstehenden Neugierigen werden immer größer, als ich aus dem Vorschiff meiner kleinen 22er ein komplettes 26 Zoll Gatschhupferradl (für nicht – Ösis: Mountainbike…) in seiner Tasche ans Tageslicht zerre und rasch zusammenbaue. Dabei erlebe ich eine böse Überraschung: Die salzhaltige Luft hat den nicht Rostgeschützten Metallteilen arg zugesetzt. Zum Glück habe ich Rostlöser und Rostschutzöl mit dabei. Auf der Fahrt Richtung Mandraki komme ich an einem (der vielen) kleinen Bunker des Militärs vorbei. Dieser steht aber offen, neugierig wie ich nun mal bin, fahre ich hin. Was ich sehe macht mich leicht konfus: Einige Soldaten putzten dort eine im Bunker stehende Kanone und prüften deren Funktionsfähigkeit! Spielen die schon wieder Krieg oder wie oder was? Ich muss am Abend sicherheitshalber den Nachrichten von Radio Austria International lauschen, vielleicht habe ich was überhört? Dass in diesen Kleinbefestigungsanlagen noch Kanonen stehen, mit dem habe ich nicht gerechnet. Ich wollte die Situation zwar fotografieren, allerdings verhießen die Blicke der uniformierten nichts Gutes, daher vertschüsste ich mich wieder so unauffällig es eben ging. Die Mündung der Kanone zeigte übrigens Richtung Türkei…..
Nun kurz etwas zur Insel: Sie hat eine Größe von rund 41 km² und wird von ca. 1.200 Menschen bewohnt. Nisyros ist eine rein vulkanisch gebildete Insel, die überseeischen Gesteine sind Andesit- bis Dacit-Lavaströme im Wechsel mit pyroklastischen Aschen, Bimse und Schlacken ähnlicher Zusammensetzung. Die momentane vulkanische Aktivität beschränkt sich auf heiße, schwefelreiche Dämpfe in einem Schlammkrater am Südende der Caldera. Letzte hydrothermale Ausbrüche gab es 1887. Neben Santorin ist Nisyros damit die einzige in der Neuzeit noch aktive Vulkaninsel Griechenlands. Seit 2000 wird die Insel geophysikalisch überwacht, weil man auch in Zukunft Vulkanausbrüche erwartet – es wird also wieder Zeit, dass ich von hier verschwinde….. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde der Schwefel im Bereich der Schlammkrater im Südwesten der Caldera abgebaut und über einen kleinen Hafen an der Südküste verschifft; im 20. Jahrhundert wurde der Bims im Norden der Insel abgebaut und über eine Ladestation nahe Pali als Baumaterial verschifft. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts gab es Bemühungen, eine Geothermal-Bohrung zur Energie-Gewinnung zu nutzen, was sich jedoch nicht als praktikabel erwies. In Zukunft möchte man die Geothermale Energie mit moderneren Mitteln nutzen. So wie ich Griechenland zwischenzeitlich kenne, wird das aber wohl nichts - leider.
Der Hauptort ist Mandraki an der Nordküste der Insel – ich würde ihn als extrem pittoresk bezeichnen. Der Hafen ist bei Winden aus dem ersten und zweiten Quadranten völlig ungeschützt. Das örtliche Museum ist zurzeit leider geschlossen, da im Umbau begriffen. Oberhalb des sehr alten Mandraki liegt ein altes Johanniterkastell an Stelle antiker Vorgängerbauten. Es wurde im 14. Jahrhundert erbaut und trägt den Namen „Panagia Spiliani“. In westlicher Richtung liegt die beeindruckende antike Festung und Akropolis "Paliokastro" mit ihren riesigen Mauern aus Basalt – angeblich eine der besterhaltenen antiken Burgen aus der Zeit um 300-400 v.Chr. Genau dort erwischte mich eine durchziehende Gewitterfront. Ganz ging es sich nicht mehr bis zu einem Unterschlupf in einem Schulgebäude aus, aber zwischenzeitlich bin ich ja Nässe am Körper bei niedrigen Außentemperaturen bereits gewohnt…. Nichtsdestotrotz kämpfte ich mich anschließend auf abenteuerlichen Schotterwegen über die Westseite der Insel zum südlichen Kraterrand hinauf, belohnt durch eine atemberaubende Felskulisse und einem unvergleichlichen Ausblick auf die sturmgepeitschte Ägäis. Endlich oben angelangt blies es zwar mächtig, ein verlassen daliegendes, malerisches Kloster bot mir aber Windschutz und Trinkwasser aus einer Zisterne. Der Anblick des nun unter mir liegenden Kraters mit seinen bizarren Felsformationen, den verschiedenen Farbschattierungen und seinen beträchtlichen Ausmaßen war unbeschreiblich. Wahnsinn, das ich das noch erleben darf! Überhaupt gefällt mir Nisyros landschaftlich weit besser als Thira / Santorin. In wilder Fahrt ging es auf der Schotterpiste zum Grund des Kraters. Endlich einmal geht’s anständig bergab! Unten angekommen war es sogleich windstill, der Geruch von faulen Eiern stieg mir in die Nase, erinnerte mich an den heimatlichen Neusiedlersee. Hier beim Schlammkrater dominiert die Farbe schwefelgelb. Aus einer Spalte trat tatsächlich Dampf aus! Ziegen rupften am spärlichen Grünzeug, 10 kleine Ferkel (ohne Muttertier) kreuzten meinen Weg. Nachdem sie von rechts kamen, blieb ich stehen und ließ die Rotte vorüberziehen. Wohin sie, zufrieden vor sich hingrunzend, hintrotteten, wird wohl für immer ihr Geheimnis bleiben. Ich musste jedenfalls hellauf lachen, ihr Anblick war zu goldig! Zum ersten Mal in meinem Leben stand ich am Grund eines Vulkankraters und was passiert? Zehn Schweinderln kreuzen meinen Weg! Ich bin ja, so wie alle Seemänner, überhaupt nicht abergläubisch, aber wenn das kein gutes Omen war, dann weiß ich nicht… Ein mysteriöses Gefühl ist es übrigens schon, sich so Mutterseelen alleine ganz nahe an einem erdgeschichtlichen Umformungsprozess zu befinden. Ich bin jedenfalls sehr froh darüber, diese Insel besucht zu haben!
Eine Asphaltstrasse begann, die sich am anderen Ende des Kraters in Serpentinen zum Kraterrand emporschlängelte. Für meine schon müden Beine eine echte Herausforderung! Ich will aber nicht verhehlen, dass ich an den Steilstücken geschoben habe, damit ich morgen keinen zu großen Muskelkater habe, denn ich will ja den Rest der Insel auch noch erforschen – wenn das Wetter es zulässt….. Oben keuchend angekommen empfing mich ein kalter Westwind, die Ägäis zeigte durchgehend weiße Schaumkronen – jetzt möchte ich nicht unbedingt auf See sein….. Ich ziehe den Reissverschluß meiner Windjacke hoch, ziehe mein Mützchen über die Ohren und los geht’s – fast durchgehend bergab bis in den Hafen – Radlerherz, was willst du mehr!
Müde liege ich nun in meiner bequemen Koje, heißer Tee wärmt mich von innen, Leonard Cohen singt mir was von seiner Susanne vor, ich bin glücklich und zufrieden, ziemlich beeindruckt von dem Gesehenen.
Nun kurz etwas zur Insel: Sie hat eine Größe von rund 41 km² und wird von ca. 1.200 Menschen bewohnt. Nisyros ist eine rein vulkanisch gebildete Insel, die überseeischen Gesteine sind Andesit- bis Dacit-Lavaströme im Wechsel mit pyroklastischen Aschen, Bimse und Schlacken ähnlicher Zusammensetzung. Die momentane vulkanische Aktivität beschränkt sich auf heiße, schwefelreiche Dämpfe in einem Schlammkrater am Südende der Caldera. Letzte hydrothermale Ausbrüche gab es 1887. Neben Santorin ist Nisyros damit die einzige in der Neuzeit noch aktive Vulkaninsel Griechenlands. Seit 2000 wird die Insel geophysikalisch überwacht, weil man auch in Zukunft Vulkanausbrüche erwartet – es wird also wieder Zeit, dass ich von hier verschwinde….. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde der Schwefel im Bereich der Schlammkrater im Südwesten der Caldera abgebaut und über einen kleinen Hafen an der Südküste verschifft; im 20. Jahrhundert wurde der Bims im Norden der Insel abgebaut und über eine Ladestation nahe Pali als Baumaterial verschifft. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts gab es Bemühungen, eine Geothermal-Bohrung zur Energie-Gewinnung zu nutzen, was sich jedoch nicht als praktikabel erwies. In Zukunft möchte man die Geothermale Energie mit moderneren Mitteln nutzen. So wie ich Griechenland zwischenzeitlich kenne, wird das aber wohl nichts - leider.
Der Hauptort ist Mandraki an der Nordküste der Insel – ich würde ihn als extrem pittoresk bezeichnen. Der Hafen ist bei Winden aus dem ersten und zweiten Quadranten völlig ungeschützt. Das örtliche Museum ist zurzeit leider geschlossen, da im Umbau begriffen. Oberhalb des sehr alten Mandraki liegt ein altes Johanniterkastell an Stelle antiker Vorgängerbauten. Es wurde im 14. Jahrhundert erbaut und trägt den Namen „Panagia Spiliani“. In westlicher Richtung liegt die beeindruckende antike Festung und Akropolis "Paliokastro" mit ihren riesigen Mauern aus Basalt – angeblich eine der besterhaltenen antiken Burgen aus der Zeit um 300-400 v.Chr. Genau dort erwischte mich eine durchziehende Gewitterfront. Ganz ging es sich nicht mehr bis zu einem Unterschlupf in einem Schulgebäude aus, aber zwischenzeitlich bin ich ja Nässe am Körper bei niedrigen Außentemperaturen bereits gewohnt…. Nichtsdestotrotz kämpfte ich mich anschließend auf abenteuerlichen Schotterwegen über die Westseite der Insel zum südlichen Kraterrand hinauf, belohnt durch eine atemberaubende Felskulisse und einem unvergleichlichen Ausblick auf die sturmgepeitschte Ägäis. Endlich oben angelangt blies es zwar mächtig, ein verlassen daliegendes, malerisches Kloster bot mir aber Windschutz und Trinkwasser aus einer Zisterne. Der Anblick des nun unter mir liegenden Kraters mit seinen bizarren Felsformationen, den verschiedenen Farbschattierungen und seinen beträchtlichen Ausmaßen war unbeschreiblich. Wahnsinn, das ich das noch erleben darf! Überhaupt gefällt mir Nisyros landschaftlich weit besser als Thira / Santorin. In wilder Fahrt ging es auf der Schotterpiste zum Grund des Kraters. Endlich einmal geht’s anständig bergab! Unten angekommen war es sogleich windstill, der Geruch von faulen Eiern stieg mir in die Nase, erinnerte mich an den heimatlichen Neusiedlersee. Hier beim Schlammkrater dominiert die Farbe schwefelgelb. Aus einer Spalte trat tatsächlich Dampf aus! Ziegen rupften am spärlichen Grünzeug, 10 kleine Ferkel (ohne Muttertier) kreuzten meinen Weg. Nachdem sie von rechts kamen, blieb ich stehen und ließ die Rotte vorüberziehen. Wohin sie, zufrieden vor sich hingrunzend, hintrotteten, wird wohl für immer ihr Geheimnis bleiben. Ich musste jedenfalls hellauf lachen, ihr Anblick war zu goldig! Zum ersten Mal in meinem Leben stand ich am Grund eines Vulkankraters und was passiert? Zehn Schweinderln kreuzen meinen Weg! Ich bin ja, so wie alle Seemänner, überhaupt nicht abergläubisch, aber wenn das kein gutes Omen war, dann weiß ich nicht… Ein mysteriöses Gefühl ist es übrigens schon, sich so Mutterseelen alleine ganz nahe an einem erdgeschichtlichen Umformungsprozess zu befinden. Ich bin jedenfalls sehr froh darüber, diese Insel besucht zu haben!
Eine Asphaltstrasse begann, die sich am anderen Ende des Kraters in Serpentinen zum Kraterrand emporschlängelte. Für meine schon müden Beine eine echte Herausforderung! Ich will aber nicht verhehlen, dass ich an den Steilstücken geschoben habe, damit ich morgen keinen zu großen Muskelkater habe, denn ich will ja den Rest der Insel auch noch erforschen – wenn das Wetter es zulässt….. Oben keuchend angekommen empfing mich ein kalter Westwind, die Ägäis zeigte durchgehend weiße Schaumkronen – jetzt möchte ich nicht unbedingt auf See sein….. Ich ziehe den Reissverschluß meiner Windjacke hoch, ziehe mein Mützchen über die Ohren und los geht’s – fast durchgehend bergab bis in den Hafen – Radlerherz, was willst du mehr!
Müde liege ich nun in meiner bequemen Koje, heißer Tee wärmt mich von innen, Leonard Cohen singt mir was von seiner Susanne vor, ich bin glücklich und zufrieden, ziemlich beeindruckt von dem Gesehenen.
Mittwoch, 18. Februar 2009
In der Nacht wird es saukalt, in der Koje habe ich nur noch 11 Grad. Trotzdem gut geschlafen. Ich beginne die Insel zu durchstreifen, zuerst einmal zu Fuß. Teilweise mehr als armselig müssen hier die wenigen Menschen leben, obwohl der Boden fruchtbar erscheint. Die wenigen Schiffe im Hafen sind in einem erschreckenden Zustand. Ähnlich wie auf Thira / Santorin wechseln sich auch hier verschiedene Sand und Erdschichten, durchsetzt mit schwarzem Lava- und Bimsstein, ab. Der Untergrund ist häufig Bimssteinartiges Geröll, welches ein leichtes Opfer der Fluten ist. Tiefe Auswaschungen in der Brandungszone und an den Hängen sind ein untrügliches Zeichen dafür. Zwischendurch ragt bizarr geformtes Gestein der bereits in grauer Vorzeit erkalteten Lavaströme hervor. Viel Grün beherrscht die Insel, die Strände bestehen aus schwarzem Lavasand. Viele Menschen hier sind, wie allgemein in Griechenland, gläubige Christen. Sichtbares Zeichen ist, unter anderem, das sich bekreuzigen, wenn sie an einer Kirche vorbeigehen. Griechenland ist ja das Land der zig- tausend kleine und kleinsten Kirchen und Kapellen.
Gegen Abend setzt wieder Regen ein, ein schaurig schönes Gewitter, teilweise mit Hagel, zieht über die Insel. Ich bin heilfroh, in einem geschützten Hafen zu sein.
Gegen Abend setzt wieder Regen ein, ein schaurig schönes Gewitter, teilweise mit Hagel, zieht über die Insel. Ich bin heilfroh, in einem geschützten Hafen zu sein.
Dienstag, 17. Februar 2009
Von Kos nach Nisyros
Es geht wieder weiter !! Am späten Vormittag werfe ich die Leinen los, nehme Abschied von der (wirklich gut geführten) Marina und seinem freundlichen Personal. Dieses Kos ist mir irgendwie ans Herz gewachsen….
Die Wettervorhersage bietet mir für heute moderate Bedingungen, bevor das nächste Tief aus Italien herangerauscht kommt - das muss ich ausnutzen!
Beim Ausrollen der Genua trifft mich fast der Schlag: Im Bereich von zwei Stagreiter ist an mehreren Stellen das Segel punktförmig durchgescheuert!! Obwohl die Persenning als Schutz darüber war!! Ebenso ist die Reffleine an zwei Stellen in ihren Führungsösen halb durchgescheuert!! Ich bin so was von stocksauer. Die Winterstürme haben die Persenning in Schwingung versetzt, daher die verstärkte Abnutzung.
Schwache Winde, zumindest aus der richtigen Richtung kommend, lassen mich die Nordostseite der Insel unter Segel runden, ich nehme Kurs 215 Grad auf die Insel NISYROS, mein nächstes Ziel. Dort gibt es, fast genau im Zentrum der Insel, eine Caldera, einen Vulkankrater. Auf dessen Grund gibt es mehrere Schlammkrater, aus Spalten und Höhlen (Fumarolen) kommen schwefelige Dämpfe. Das möchte ich mir ansehen.
Auf der Hälfte des Weges schläft der Wind komplett ein, selbst das Sensibelchen, mein Blister, fällt in sich zusammen. Zumindest regnet es nicht, Glück gehabt. Wohl oder übel werfe ich die Maschine an, motore den Rest. Drei Meilen vor NISYROS tauchte wie zur Begrüßung eine Gruppe von Delfinen auf, welche mich zu meiner großen Freude ein Stück begleitete. Ich bewundere diese liebenswerten Säuger, die, schwimmtechnisch perfekt, spielerisch um meinen Bug herumwuselten. Wenn sie aus dem Wasser sprangen hatte ich den Eindruck, als würden sie mich neugierig betrachten. Ich werte diese Begegnung beim Start als gutes Omen für den nächsten Abschnitt meiner Reise.
Nach einer Fahrzeit von knapp acht Stunden, kam ich im Hafen PALOI auf der Insel NISYROS an. Dort erlebte ich die nächste Überraschung: Der Hafen wird gerade umgebaut, die Hafeneinfahrt schaut daher völlig anders aus als sie auf meinen Seekarten eingezeichnet ist. Aber entgegen meiner bisherigen Gewohnheit, im Dunkeln einzulaufen, gelang es mir diesmal, mit dem letzten Büchsenlicht anzulanden – man merkt, die Tage sind schon länger!! Daher konnte ich die nur mit einer blinkenden Baustellenlampe (!!!) gekennzeichnete Einfahrt problemlos meistern. Ein ruhiges Plätzchen im fast leeren Hafen war schnell gefunden, ein nettes Restaurant ebenfalls. Satt und zufrieden kuschelte ich mich in meine Koje, der bald einsetzende, monoton auf das Kajütendach trommelnde Regen begleitete mich sanft in das Land der Träume….
Etmal: 21sm, Position: N 36° 27,12’ / E 027° 10,27’
Die Wettervorhersage bietet mir für heute moderate Bedingungen, bevor das nächste Tief aus Italien herangerauscht kommt - das muss ich ausnutzen!
Beim Ausrollen der Genua trifft mich fast der Schlag: Im Bereich von zwei Stagreiter ist an mehreren Stellen das Segel punktförmig durchgescheuert!! Obwohl die Persenning als Schutz darüber war!! Ebenso ist die Reffleine an zwei Stellen in ihren Führungsösen halb durchgescheuert!! Ich bin so was von stocksauer. Die Winterstürme haben die Persenning in Schwingung versetzt, daher die verstärkte Abnutzung.
Schwache Winde, zumindest aus der richtigen Richtung kommend, lassen mich die Nordostseite der Insel unter Segel runden, ich nehme Kurs 215 Grad auf die Insel NISYROS, mein nächstes Ziel. Dort gibt es, fast genau im Zentrum der Insel, eine Caldera, einen Vulkankrater. Auf dessen Grund gibt es mehrere Schlammkrater, aus Spalten und Höhlen (Fumarolen) kommen schwefelige Dämpfe. Das möchte ich mir ansehen.
Auf der Hälfte des Weges schläft der Wind komplett ein, selbst das Sensibelchen, mein Blister, fällt in sich zusammen. Zumindest regnet es nicht, Glück gehabt. Wohl oder übel werfe ich die Maschine an, motore den Rest. Drei Meilen vor NISYROS tauchte wie zur Begrüßung eine Gruppe von Delfinen auf, welche mich zu meiner großen Freude ein Stück begleitete. Ich bewundere diese liebenswerten Säuger, die, schwimmtechnisch perfekt, spielerisch um meinen Bug herumwuselten. Wenn sie aus dem Wasser sprangen hatte ich den Eindruck, als würden sie mich neugierig betrachten. Ich werte diese Begegnung beim Start als gutes Omen für den nächsten Abschnitt meiner Reise.
Nach einer Fahrzeit von knapp acht Stunden, kam ich im Hafen PALOI auf der Insel NISYROS an. Dort erlebte ich die nächste Überraschung: Der Hafen wird gerade umgebaut, die Hafeneinfahrt schaut daher völlig anders aus als sie auf meinen Seekarten eingezeichnet ist. Aber entgegen meiner bisherigen Gewohnheit, im Dunkeln einzulaufen, gelang es mir diesmal, mit dem letzten Büchsenlicht anzulanden – man merkt, die Tage sind schon länger!! Daher konnte ich die nur mit einer blinkenden Baustellenlampe (!!!) gekennzeichnete Einfahrt problemlos meistern. Ein ruhiges Plätzchen im fast leeren Hafen war schnell gefunden, ein nettes Restaurant ebenfalls. Satt und zufrieden kuschelte ich mich in meine Koje, der bald einsetzende, monoton auf das Kajütendach trommelnde Regen begleitete mich sanft in das Land der Träume….
Etmal: 21sm, Position: N 36° 27,12’ / E 027° 10,27’
Montag, 16. Februar 2009
Morgen möchte ich meine Reise fortsetzen, die Wettervorschau gibt grünes Licht dazu, die Reparatur- und Servicearbeiten am Schiff sind soweit (zumindest halbwegs…) abgeschlossen.
Beim letzten Einkaufen dann eine böse Überraschung: Die Kassiererin hat mich um gut fünf Euro betrogen. Natürlich habe ich es erst zu spät gemerkt….. Stinkesauer stiefele ich, beladen mit zwei Prallgefüllten Plastiktüten, zum Schiff zurück. Auf halbem Weg beginnt es (stark….) zu regnen, ich als alter Optimist bin natürlich ohne Regenschutz unterwegs. Kann die Stimmung denn noch weiter in den Keller fallen? Ja, sie kann!! Denn, als ich in der Dunkelheit zum Schiff zurückkomme und in gewohnter Manier lässig über den Bugspriet an Bord kraxeln will, rutsche ich aus, schlage mir dabei ein Schienbein kräftig an, und als Draufgabe stürze ich noch dazu ins Wasser. Mit der rechten Hand halte ich mich wie ein Klammeraffe am Bugkorb fest, mit der linken versuche ich krampfhaft die beiden (Prallgefüllten…) Plastiktüten (nur über meine Wasserleiche lasse ich für vierzig Euro Lebensmittel im trüben Hafenbecken versinken!) über Wasser zu halten, bis zum Hosenbund hänge ich im arschkalten Wasser. Ach ja: Außentemperatur 13 Grad.... Ein Hund, dem dieses Szenario anscheinend gar nicht gefällt, kommt heran und fühlt sich bemüßigt wie verrückt zu bellen. Schön langsam werde ich grantig…. Mühsam wuchte ich zuerst die beiden (Prallgefüllten…) Plastiktüten und dann mich selber über die Reling wieder an Bord. Wie ein begossener Pudel trotte ich zur Dusche, stelle mich mitsamt dem nassen Gewand (….das Salz herausspülen) unter das heiße Wasser und lasse meinen Frust etwas abklingen. Zurück an Bord schlüpfe ich in was bequemes, verstaue meine Einkäufe, (nicht einmal das Brot ist nass geworden!) bereite mir eine extragroße Tasse Kamillentee mit einer Riesenportion Honig darin zu, lecke meine Wunden und weiß nun ganz genau: Jetzt wird es Zeit, dass ich abhaue!
Beim letzten Einkaufen dann eine böse Überraschung: Die Kassiererin hat mich um gut fünf Euro betrogen. Natürlich habe ich es erst zu spät gemerkt….. Stinkesauer stiefele ich, beladen mit zwei Prallgefüllten Plastiktüten, zum Schiff zurück. Auf halbem Weg beginnt es (stark….) zu regnen, ich als alter Optimist bin natürlich ohne Regenschutz unterwegs. Kann die Stimmung denn noch weiter in den Keller fallen? Ja, sie kann!! Denn, als ich in der Dunkelheit zum Schiff zurückkomme und in gewohnter Manier lässig über den Bugspriet an Bord kraxeln will, rutsche ich aus, schlage mir dabei ein Schienbein kräftig an, und als Draufgabe stürze ich noch dazu ins Wasser. Mit der rechten Hand halte ich mich wie ein Klammeraffe am Bugkorb fest, mit der linken versuche ich krampfhaft die beiden (Prallgefüllten…) Plastiktüten (nur über meine Wasserleiche lasse ich für vierzig Euro Lebensmittel im trüben Hafenbecken versinken!) über Wasser zu halten, bis zum Hosenbund hänge ich im arschkalten Wasser. Ach ja: Außentemperatur 13 Grad.... Ein Hund, dem dieses Szenario anscheinend gar nicht gefällt, kommt heran und fühlt sich bemüßigt wie verrückt zu bellen. Schön langsam werde ich grantig…. Mühsam wuchte ich zuerst die beiden (Prallgefüllten…) Plastiktüten und dann mich selber über die Reling wieder an Bord. Wie ein begossener Pudel trotte ich zur Dusche, stelle mich mitsamt dem nassen Gewand (….das Salz herausspülen) unter das heiße Wasser und lasse meinen Frust etwas abklingen. Zurück an Bord schlüpfe ich in was bequemes, verstaue meine Einkäufe, (nicht einmal das Brot ist nass geworden!) bereite mir eine extragroße Tasse Kamillentee mit einer Riesenportion Honig darin zu, lecke meine Wunden und weiß nun ganz genau: Jetzt wird es Zeit, dass ich abhaue!
Donnerstag, 12. Februar 2009
Mittwoch, 11. Februar 2009
Dienstag, 10. Februar 2009
Montag, 9. Februar 2009
Am Tag in der Stadt strawanzen gewesen, war aber total tote Hose. Der Wind dreht auf Nord, es kühlt ab. In der Nacht ist dann die Hölle los: Der Wind frischt auf Sturmstärke auf, zuerst setzt starker Regen ein, der dann schlagartig in Hagel (!!!) übergeht. Der trommelt wie Maschinengewehrfeuer auf mein armes Schiff. Ich bleibe in Deckung, mache mir zur Beruhigung einen Kamillentee mit Honig und Zitrone, dazu gebe ich mir u.a. Cris Reas „road to Hell“ (lange Version…) und den Soundtrack von „Das Boot“.
Sonntag, 8. Februar 2009
Samstag, 7. Februar 2009
Ich nehme Abschied von meinen Lieben, die Reise geht weiter! Mein Bruder Hermann bringt freundlicherweise zum Flughafen. Spannung kommt auf, als ich meinen Koffer auf die Waage stelle, was sage ich, wuchte: Sagenhafte 33 Kg bringt das gute, sicherheitshalber mit einem Spanngurt gesicherte Stück auf die Waage. Was soll ich machen, Schiffszubehör, Laptops und Autopiloten haben nun mal ihr Gewicht – aber das kostet mich 60,- € extra – ein bisschen happig, wie ich finde.….
Der Flug verläuft problemlos, auch das Umsteigen in Athen. Von dort nach Kos ging’s mit einer Propellermaschine weiter. In der Marina finde ich mein Schiff in Ordnung vor, ich bin heilfroh darüber.
Der Flug verläuft problemlos, auch das Umsteigen in Athen. Von dort nach Kos ging’s mit einer Propellermaschine weiter. In der Marina finde ich mein Schiff in Ordnung vor, ich bin heilfroh darüber.
Freitag, 6. Februar 2009
Sonntag, 1. Februar 2009
Cousinchen Ingrid verwöhnt mich kulinarisch, Günther fordert mich beim Laufen bei Schneegestöber und eisigem Wind – so komme ich auf andere Gedanken. Ich bin zwar unverletzt geblieben, aber mental hat mich der Crash etwas aus der Bahn geworfen….. Die Organisation des Wrackverkaufes gelang ziemlich problemlos, der administrative Teil ebenfalls. Schade um den braven Skoda, er war mein bisher bestes Auto. Ich weiß es klingt blöd, aber im Prinzip hat er sich mit seinen Sicherheitseinrichtungen geopfert, damit ich unverletzt blieb…..
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