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Montag, 31. Dezember 2012

Neuseeland / Opua, erste Eindrücke


Das von einigen Seglern als langwierig und kompliziert geschilderte Verfahren des Einklarierens verlief bei mir völlig problemlos. Es waren nur soooo viele Fragen zu beantworten…. Fairerweise muss man dazu sagen, dass die beiden Beamten (Zoll und Quarantäne), nachdem sie von „maritime Radio“ über meine Ankunft informiert worden waren, unverzüglich an Bord kamen und ihre Arbeit äußerst korrekt und höflich durchführten. Erfreulich war auch, dass diese Beamten, im Gegensatz zum Rest der polynesischen, den gesamten Schreibkram selbst erledigten. Der Quarantäne – Mann war ziemlich enttäuscht, da er nichts an „verbotenen“ Lebensmitteln fand:  Die Einfuhr (zumindest per Schiff)  von frischem Fleisch, Obst und Gemüse, Honig, Eiern, Pflanzen etc., nach Neuseeland ist nämlich streng verboten und wird auch scharf kontrolliert. Ich erklärte dem guten Mann, dass ich als gesetzestreuer Bürger (sorry, aber dabei musste ich selber lachen…) die Vorschriften genau befolgt hätte, und alle aufgelisteten Dinge entweder bereits verspeist oder außerhalb der 12 Meilen Zone über Bord entsorgt hätte. Mit dieser Erklärung, die natürlich nicht stimmte, gab er sich schlussendlich zufrieden. Ich kann zwar verstehen, dass versucht wird, die heimische Landwirtschaft zu schützen, deswegen werde ich aber ganz sicher nicht das gesündeste und unbehandeltste Obst und Gemüse, das ich je in meinem Leben erwerben konnte, als Sondermüll entsorgen lassen. So lagerten eben in einem guten Versteck Zwiebel, Erdäpfel und Knoblauch kurzfristig friedlich nebeneinander…
Nachtrag dazu: Da der Quarantänemann meine Lebensmittelkiste durchwühlen wollte, musste am Tisch Platz dafür geschaffen werden. Zu diesem Behufe musste der sich dort temporär befindliche Laptop auf die Bank ausweichen. Dabei fiel der Endstecker des 12 Volt - Netzgerätes ab. (Dabei handelt es sich um so ein Universal – Ladegerät mit auswechselbaren Einsätzen…) An sich kein Problem, sollte man meinen. Nur, beim wieder Zusammenstecken der beiden Teile achtete ich leider nicht auf deren Polarität. (Ja, die kann man ganz einfach anders herum auch zusammenstecken…) Die Folge davon? Blitzartig verbreiteten sich unangenehme Gerüche in der Kajüte, kurzfristig sendete das Scheißding von einem Laptop noch Rauchsignale, gab einige unangenehme Geräusche von sich und das war’s dann auch: Schon wieder einen Laptop geschrottet. Warum Scheißding? Weil ein konstruktiver Verpolungsschutz, eine einfache Diode als sms – Bauteil, ein Pfennigartikel ist und daran bei diesem Gerät, ein „ASUS“, gespart wurde…
Ganz ohne komische Note ging es auch weiterhin nicht ab: Der Zollbeamte fragte mich nämlich, ob ich einen Pfefferspray an Bord hätte. Hä? Was soll ich denn mit so was? Na für die Selbstverteidigung, meinte er. Daraufhin hielt ich ihm eine Sekunde später meine griffbereit, aber für uneingeweihte unsichtbar gelagerte, gute alte Machete – die mit den 45cm wirksamer Einsatzlänge –  (natürlich in gebührenden Abstand) unter die Nase. So große Augen habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Wir schieden aber als Freunde, da ich ihm hoch und heilig versprach, das Ding nicht an Land mitzunehmen und es nur an Bord gegen böse Buben einsetzen würde – was ja auch in etwa stimmt… Wenn der Gute wüsste, dass das nur die Stufe eins meiner Verteidigungsstrategie war…
Nach Erledigung des Behördenkrams verlegte ich mich weiter in die große Bucht hinein, wo ich neben der „Imagine“ ein schönes Ankerplätzchen fand. Leider ist das Wasser hier so trübe, dass ich nicht einmal das Ruder von Najadchen sehen kann. Außerdem ist es arschkalt. Mit Baden ist es also hier nichts, dafür wuchert der Unterwasserbewuchs wie wild… Trotzdem wimmelt es hier nur so von Bojen und Schiffen – ein Mekka für Segler. Ausschlafen und Erholung ist jetzt angesagt, denn die Strecke von Tonga nach Neuseeland war das bislang schwierigste und anstrengendste Teilstück meiner Reise.
Zuerst muss aber ein neuer Laptop her, ohne den ist eine Kommunikation über Kontinente und Ozeane heutzutage ja gar nicht so einfach. Ich frage mich sowieso immer wieder, wie haben wir eigentlich früher ohne Laptop, GPS, e – Book Reader, Kabelbinder und Küchenrolle überleben können??
Zum Glück leisteten sich Jutta & Albert den Luxus eines Pkws, mit dem sie mich geduldig in der Gegend herumkutschierten, bis ich endlich ein geeignetes Objekt meiner Begierde fand. So einfach ist das hier nämlich gar nicht, denn Opua ist eigentlich nur eine Marina mit ein paar Schiffsorientierten Betrieben und einem überteuerten „General Store“. Nicht einmal einen Bankomaten (oder einen Polizeistützpunkt) gibt es in dem Negerdorf…
Ein paar Tage darauf die böse Überraschung: Der schöne Honda von Jutta & Albert wurde in der Nacht heimgesucht: Nach Einschlagen der seitlichen Heckscheibe wurde versucht, mit Gewalt das Zündschloss und die Zündung zu überwinden, was den offensichtlichen Amateuren aber nicht gelang – ein Diebstahl des Wagens selbst wurde durch dieses laienhafte Vorgehen zwar vereitelt, aber ein beträchtlicher Schaden war trotzdem entstanden. Später erfuhren wir, dass dies kein Einzelfall in dieser Gegend ist…
Das Wetter macht ebenfalls keine  besondere Freude: Es regnet fast ununterbrochen, die Stimmung ist dementsprechend. Fleecejäckchen und Socken sind angesagt. Zudem wollte Hurrikan „Evan“, so wie ich, ebenfalls nach Neuseeland. Und er kam direkt auf uns zu, nachdem er auf Samoa und Fidschi gewaltige Schäden angerichtet hatte. Auf Samoa fielen ihm auch leider Menschen zum Opfer. Er kam zwar nur mehr in abgeschwächter Form an, aber er erwischte uns trotzdem mehr oder weniger kalt.
So stellte sich „Evan“ kurz vor seiner Ankunft an der Küste Neuseelands dar:


Bis 3o Knoten Wind war alles noch in Ordnung, bei 35 Knoten begann dann mein Anker zu slippen. Na bravo… Es hat mich etwas vertrieben, nahe zu einer Boje. Wie es der Teufel will, kam der Eigner besagter Boje mit seinem großen Stahl - Motorsegler alsbald zurück und begehrte verständlicherweise Raum. Also Anker auf - erwähnte ich schon einmal, dass meine Ankerwinde schon vor einiger Zeit den Weg allen irdischen gegangen ist? Also Einhand 40m Kette bei Starkwind aufholen ist soooo lustig auch wieder nicht. Die Verlegung brachte schlussendlich nicht viel, da am späten Nachmittag der Wind (und Regen) stetig zunahmen und etliche Schiffe in Bedrängnis brachte - darunter wie gesagt auch meines. Man sollte doch meinen, dass 40m 8mm Kette und ein 10Kg Delta Anker bei 7m Wassertiefe mehr als ausreichend sein sollte. Dem ist aber nicht so... Najadchen legte sich quer zum Wind, krängte und das war’s dann. Ab ging die Post… Mein Platz war zwar gut gewählt, ich hatte Raum und Zeit, um reagieren zu können. Ich startete die Maschine, um Zug von der Kette zu nehmen und bebojte die Ankerkette, um sie jederzeit los werfen (und wieder finden...) zu können. Während ich so im Regen an der Pinne stand und mit Motorkraft versuchte, Najadchens Bug im Wind zu halten, bemerkte Albert von der "Imagine" meine Zwangssituation und kam mir zu Hilfe. Zu zweit gelang uns dann trotz Starkwind ein Ankerauf - Manöver, mit anschließender Verlegung weit weg vom Schuss, eine halbe Meile tief hinein in die leere Bucht, wo ich auf 3m Wassertiefe den Anker neu setzte. Danke, Albert! Zudem habe ich es in der Hektik irgendwie geschafft, bei laufendem Motor die Zündung auszuschalten - ob das die Lima überlebt hat, weiß ich noch nicht.... (Nachtrag: Die Lima hat es überlebt!)
Alleine auf weiter Flur, aber in Sicherheit, verbrachte ich dann den heiligen Abend. Nicht so wie geplant mit Kaffee, Seglerkameraden und Kuchen, aber bei Kerzenschein und weihnachtlicher Musik wurde es trotzdem ein schöner, besinnlicher Abend.
Meine ersten Eindrücke von Neuseeland sind (neben den geschilderten negativen) eigentlich positiv: Wunderschön präsentiert sich eine herb - raue Landschaft, die von Gletschern auf der Südinsel bis zu den Palmenhainen an den Sandstränden der Nordinsel reicht. Die Inseln sind sehr fruchtbar, es gibt genug Wasser, die Landwirtschaft ist dominant und gut organisiert. Kühe sind zahlreich auf den Weiden vertreten, überrascht hat mich die eher geringe Anzahl von Schafen. Zumindest hier im „far North“, wie die Gegend genannt wird. Ist irgendwie so wie in Österreich das Waldviertel... Neuseeland ist eines der wenigen Länder der Erde, in denen es keine terrestrischen Schlangen gibt (wohl aber drei Arten von Seeschlangen im umgebenden Meer). Es ist der Staat, der am weitesten von Mitteleuropa entfernt liegt: Teile des Landes befinden sich auf der Erdkugel exakt gegenüber von Spanien, sind also dessen Antipoden. Das Warenangebot ist reichhaltig, qualitativ und quantitativ als sehr gut zu bezeichnen. Welch ein gewaltiger Unterschied zu den so genannten „Südseeparadiesen“, die eigentlich mehr Armenhäusern ähneln...
Die Menschen hier sind Pragmatiker, ein Beispiel: Seit 1999 ist der Kiwi-Dollar nach dem Australischen Dollar die zweite Währung der Erde, die Kunststoffgeld verwendet; alle Scheine bestehen aus Polypropylen. Im August 2006 wurden wegen steigender Materialkosten und Verwechslungsgefahr kleinere Münzen eingeführt; die bis dahin gültige 50-Cent-Münze zum Beispiel zählte mit einem Durchmesser von 3,2 Zentimetern zu den größten Münzen der Erde.
Die Kiwis sind freundlich und hilfsbereit, die Ureinwohner, die Maoris, sind allerdings nur mehr eine kleinere Minderheit und fristen eher als soziale Randschicht ihr Dasein. Die Häuser und Grundstücke sind sehr gepflegt, über ihren Baustil kann man natürlich geteilter Meinung sein... Touristisch ist das Land voll aufgeschlossen, die Wanderwege ohne Zahl sind in einem ordentlichen Zustand und gut beschildert. Allerdings ist Neuseeland auch das Land der Zäune und Schilder, von den Preisen will ich gar nicht erst reden, das Preisniveau ist teilweise ziemlich hoch - obwohl, ich bin schon so lange von Österreich fort, dass ich gar keinen objektiven Vergleich mehr ziehen kann.
Wie geht’s nun weiter bei mir? Ich werde hier die Hurrikansaison "abwettern", ungefähr Ende April, wenn das Wetter passt, wird es dann Richtung Fidschi weitergehen. Die dazwischenliegende Zeit werde ich nutzen um Land und Leute kennen zu lernen und mein Schiff auf Vordermann zu bringen.
Die Lösung meine Zahnprobleme werde ich allerdings bis Fidschi verschieben, da das Preisniveau hier diesbezüglich exorbitant hoch ist.
Nun ist es also geschafft, ich habe die Südsee glücklich durchsegelt. Wobei, von meinem selbst verschuldeten Radunfall einmal abgesehen, mein Schiff und ich die Reise bisher relativ (na ja…) unbeschadet überstanden haben. Die technischen Probleme waren bislang zu meistern und gesundheitlich geht es mir, von den Zähnen einmal abgesehen, hervorragend.

Für das neue Jahr wünsche ich mir die Kraft, den Mut und die Ausdauer, dass ich meine Fahrt wie bisher weiterhin durchziehen kann. Allen Lesern dieses Blogs wünsche ich alles erdenklich Gute und vor allem Gesundheit – und wenn jemand planen sollte, ebenfalls die Leinen Loszuwerfen: Dann tu es!!!
 
In diesem Sinne:

Anbei noch ein paar Eindrücke von Neuseeland:
 
Ankerplatz u. Bojenfeld vor Opua
Riggkontrolle - muss auch sein.
Gepflegte Landschaft
Gepflegte Häuser (mit Gartenzwerg...)
Könnte genau so gut bei uns im Voralpenland sein
Österreichs "Kulturbeitrag": Hundertwassertoilette in Kawakawa - ein Touristen Highlight... 
Ehemalige Walfang - Gerätschaften: Kochtöpfe für den Blubber

Montag, 24. Dezember 2012

Sonntag, 09. Dezember 2012

Von Tonga nach Neuseeland, 13. Tag


Noch am Abend geschieht das lang Erhoffte: Nach der nervenden Flaute setzt sich das Hoch durch, es kommt Ostwind auf, wird stärker und bläst uns in Rauschefahrt gen Westen, der wilden Küste Neuseelands entgegen. Es wird eine herrliche Fahrt durch eine sternenklare Nacht – zwar mit dem zweiten Reff und ziemlicher Schräglage, dafür aber mit 6 bis 7 Knoten Fahrt durch den nun raumschots einfallenden Wind. Mein Herz lacht, denn dieser herrliche Wind hält bis in den Morgen durch – genau bis zur Einfahrt in die Bay of Island - dort schläft er ein, ein herrliches Morgenrot beleuchtet die schroffe Küste, begrüßt unsere Ankunft an dieser vor kurzem noch so fernen Küste:



Zwei Frachter ziehen an der Kimm vorbei, dann laufe ich langsam mit ganz leichter Windunterstützung Richtung Opua, dem Einklarierungshafen. Da der Volltrottel von einem Mechaniker in Papeete mit seiner Bohrmaschine das Koaxialkabel des Funkgerätes im Mast gekillt hat, versuche ich mich mit dem Handfunkgerät bei „maritime Radio“ anzumelden - die Kiwis sind da etwas eigen. Nach einigen Versuchen gelingt mir das trotz der eingeschränkten Reichweite auch – meiner Ankunft steht nun nichts mehr im Wege. Außer einer Unzahl von Freizeit – Fischerbooten und Ausflugsschiffen. Das schöne Sonntagswetter will schließlich genutzt werden!
Um Punkt 13:30 Uhr Ortszeit, nach genau 12 Tagen und 6 Stunden Fahrzeit und einer zurückgelegten Fahrtstrecke von 1153 Seemeilen, davon 43 Stunden unter Maschine, lege ich am Quarantänesteg der Opua – Marine an, werde von bekannten Seglern freudig begrüßt, auch Albert und Jutta stehen schon am Steg und winken mir entgegen. Alle wissen, was hinter mir liegt, sie haben es ja selbst erlebt.
 
Wir sind wieder einmal gut angekommen. Danke…

Gesamtetmal: 1153sm, Position: 035° 18,7085` S      174° 08,5111` E

 

Samstag, 08. Dezember 2012

Von Tonga nach Neuseeland, 12. Tag


Das Unterliek der Genua wird am Relingskorb durch - geschamfielt, die Liekleine kommt frei, behindert den Rollvorgang nachhaltig. Der UV – Schutz der Genua hält den Belastungen nur mehr teilweise stand, seine Nähte lösen sich stellenweise auf, er wird wie ein Luftballon aufgeblasen.
In der Nacht überholt mich ein Frachter an Backbord, knapp 2sm Abstand. Bin ich froh, Radar zu haben!! Es erstaunt mich immer wieder, wie leise die modernen Biggis unterwegs sind.
Ich installiere den Reserve – Autopiloten, kann wieder auf Kurs gehen – trotzdem komme ich der neuseeländischen Küste nicht oder nur sehr langsam näher. Verdammt noch mal, irgendwann muss der Wind doch etwas drehen!! Permanent am Wind ist bei den Pazifikwellen nach einigen Tagen kein Spaß mehr. Zumindest ich kann nicht mehr darüber lachen.
Die Götter haben mich erhört, über den Tag hinweg wird der Wind kontinuierlich schwächer, hält aber seine Richtung, die mich der neuseeländischen Küste nicht näher bringt, bei. Die Situation an Bord entspannt sich, die Wellen werden immer flacher, keine weißen Kämme sind mehr zu sehen, das Knallen hat aufgehört. Ich kann die nassen Sachen zum Trocknen raushängen, etwas schlafen und mir etwas Warmes hinter die Kiemen schieben.
Am Abend schläft der Wind komplett ein, unter Motor versuche ich mit Kurs West – also im rechten Winkel zu meinem bisherigen Zwangskurs - näher an die Einfahrt zur Bay of Island heranzukommen.
Wir queren über eine Stunde (!!!) lang ein riesiges Quallenfeld – welche weiß, durchscheinend, und von denen die meisten nicht einmal handtellergroß sind.
Im Abendrot, es ist kühl und die Fernsicht ungetrübt, sichte ich zum ersten Mal einige Berggipfel der Nordinsel von Neuseeland, dem Land der langen weißen Wolke. Ein erhebendes Gefühl!! Aber bis zu meinem Ziel, Opua in der Bay of Islands, ist es trotzdem noch ein weiter Weg…
 

Freitag, 07. Dezember 2012

Von Tonga nach Neuseeland, 11. Tag


Ich würde es Sturmfahrt nennen… es treibt mich immer mehr nach Osten, die entgegenknallenden Wellen werfen mich permanent aus dem Kurs, knallen mit einem Höllenlärm gegen die Bordwand, waschen übers Deck. Und zwar so heftig, dass es Wasser durch das geschlossene Vorluk durchdrückt, obwohl die beiden Verriegelungen fest geschlossen sind. Wieder einmal ist mein Bett waschelnass. Diesmal ohne dass ich eine Luke offen gelassen hätte… Ich lege mich in den Ruhephasen ins Metazentrum des Schiffes – dem Cockpitboden – um ein bisschen Schlaf zu finden. Albert misst zu diesem Zeitpunkt in der Bucht von Opua 35 Knoten Wind. Einer der genähten Latten - Rutscher am Segel reißt. Tut leid, bei dem Wetter fange ich ganz sicher nicht am Mast mit Handarbeiten an. Es muss auch so gehen.
Hygienisch etwas vernachlässigt, durchnässt, hungrig, mieselsüchtig und fern der Heimat komme ich irgendwann zu der Erkenntnis, dass ich nun nicht mehr um Geschwindigkeit, Ankunftszeit oder Kurs kämpfe, sondern dass es nur mehr darum geht, heil aus dieser Situation wieder rauszukommen…
Der Autopilot stirbt in der Nacht mit herzerweichenden mechanischen Misstönen. Zwei von diesen Dingern waren bisher ihrer zugedachten Aufgabe nicht gewachsen, einen habe ich noch – hoffentlich hält der durch, zumindest bis NZ… Den Rest der Nacht lasse ich mich mehr oder weniger treiben, versuche durch Beiliegen nicht allzu viel Raum zu verlieren. Leeraum habe ich ja genug, potentielle Kollisionsgegner sind auch nicht in Sicht, also alles halb so wild. Sag ich mal…
Jedenfalls bin ich froh, ein drittes Reff und eine Sturmfock zu haben, die ich am Babystag – eine Superlösung – anschlagen kann.
Jedenfalls bekommt mein nächstes Schiff ein Rollgroß, performance hin oder her, die Rumturnerei im Mastbereich bei nassem Deck, starker Krängung und Starkwind ist eine tödliche Kombination…



Donnerstag, 06. Dezember 2012

Von Tonga nach Neuseeland, 10. Tag


Im Morgengrauen kommt es knüppeldick, hohe Wellen, Regen. Die erste starke Böe überrascht mich noch im Halbschlaf, wir werden beängstigend stark quer gelegt. Dann ist Hektik angesagt – ohne Groß, mit Sturmfock und mit der nur handtuchgroß ausgerollten und ausgebaumten Genua geht es dem Ziel entgegen. Es musste ja so kommen... Ich habe versucht, durch Maschineneinsatz dem nahenden Tief zu entkommen, aber die Fahrt dauert dafür ganz einfach schon zu lange. Unter Deck geht es turbulent zu, ich vergesse Etmal und Position zu notieren, habe gänzlich andere Sorgen.

Mittwoch, 05. Dezember 2012

Von Tonga nach Neuseeland, 9. Tag


Stimmung so lala, keine Sichtung, die Fische am Bug sind nun alle weg, schade… Ich weiß nur nicht, ob sie unser Tempo nicht mehr mithalten konnten oder Fressfeinden zum Opfer gefallen sind.
Gegen Abend frischt es ziemlich auf, mitten in der Nacht bin ich mit dem zweiten Reff und Sturmfock unterwegs, Regen setzt ein. Der Schlaf wird rationiert, die Küche bleibt kalt. Obwohl, wie bereits einmal angedeutet, ich kann keine Dosen mehr sehen…
Das Radar zeigt zuverlässig die herannahenden Squalls an, die ziemlich schnell da sind und extrem unangenehm sind… Jetzt ist es also da, das unerwünschte aber unvermeidliche Tief.
Trotz dem zweiten Reff wird mein kleines Mädchen unangenehm luvgierig, der Autopilot protestiert dagegen schon vernehmlich.
 
Etmal: 123sm, Position: 031 40.4828 S           175 57.1156 E
 

Dienstag, 04. Dezember 2012

Von Tonga nach Neuseeland, 8. Tag


Ein Frachter passiert uns auf Gegenkurs, 10sm Abstand.
Bis am Abend weht ein ganz leichter Wind, dann Flaute. Wieder muss wieder die Maschine ran. Es ist zum aus der Haut fahren…Ich muss schnell weg von hier, ich habe ein unangenehmes Gefühl in der Bauchgegend. Die Wettervorhersage hat jedenfalls kräftig danebengelegen – wieder einmal. So betrachtet wäre ein Blick in die Kristallkugel wahrscheinlich genauso zielführend gewesen…
Gegen Abend wird es jetzt kühl, Socken und Fleecejäckchen sind angesagt. Auch das Wasser hat deutlich abgekühlt.
Der Tag dauert hier, auf knapp 30° Süd, erfreulicherweise schon wieder länger, dunkel ist es erst nach zwanzig Uhr dreißig. Hier, in den gemässigten Klimazonen können sich ja Jahreszeiten ausbilden, was in den Tropen nicht möglich ist.
In der Nacht fängt es zu blasen an, noch dazu aus der richtigen Richtung und in der richtigen Stärke. Kaum zu glauben… Endlich einmal konnte ich eine Nacht ohne Störung durchsegeln!
Etmal: 80sm, Position: 029 50.3477 S      176 52.4743 E
 

Montag, 03. Dezember 2012

Von Tonga nach Neuseeland, 7. Tag


Fast die ganze Nacht unter Motor, um dem Flautenloch zu entkommen. Dann wieder einmal eine kurze Panikattacke (hatten wir ja schon lange nicht mehr…): Wasser im Schiff!! Woher bloß?? Die Volvo – Dichtung der Propellerwelle ist undicht geworden. Na bravo, das würde mir zu meinem Glück noch fehlen: Im Südpazifik abgesoffen… Ich presse die Dichtung mit Fett prall voll und entlüfte sie, danach tröpfelt es nur mehr – hoffentlich bleibt das so bis zum Ziel.
Am Morgen schwacher Wind, diesmal schon aus West – besser als gar nichts. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen...
Die Fischlein am Bug, die halten sich tapfer!



Etmal: 83sm, Position: 028 35.5231 S 177 20.9202 E
 

Sonntag, 02. Dezember 2012

Von Tonga nach Neuseeland, 6. Tag


Wenig Wind, ruhiger Seegang. Die ganze Zeit über laufe ich immer noch am Wind oder hoch am Wind. D.h., ich habe meistens die Wellen immer noch von schräg vorne – das ist auf Dauer unangenehm, da dadurch das Schiff abgestoppt wird und nicht richtig laufen kann. Zudem kann ich die Bay of Island nicht anliegen, es drückt mich immer mehr nach Osten.
Die Verlängerung der Schubstange des Autopiloten dreht sich, von mir unbemerkt, aus der Schubstange heraus, dadurch wird die Verbindung Pinne – Autopilot gelöst. Die Folge ist eine Patenthalse, die sich gewaschen hatte. Ich war völlig überrascht, da auf diesem Kurs - am Wind - eine solche Patenthalse normalerweise nicht möglich ist. Der Bullenstander hielt aber.
Nach Mittag schläft der Wind komplett ein – Nervenstärke ist wiederum gefragt…
Irgendwann am Nachmittag nervt mich das Segelschlagen zu viel – ich werfe den Motor an, um ein bisschen Raum nach Süden zu gewinnen.
Keine Sichtung.

Etmal: 61 sm, Position: 027 23.7420 S            177 47.1947 E
 

Samstag, 01. Dezember 2012

Von Tonga nach Neuseeland, 5. Tag


Einen halben Tag lang liege ich in der Flaute, wir dümpeln nur so vor uns hin. Dann kommt Wind auf, bei ruhiger See zeigt mein kleines Mädchen, welches Potential in ihr steckt – Rauschefahrt gen Süden, trotz Wellen von vorne!
Einige mittelgroße Fische schwimmen im Schutze von Najadchens Bug mit, nutzen wie die Delfine geschickt die hydrodynamischen Gegebenheiten unserer Bugwelle aus.
Keine Sichtung, außer ein paar Seevögeln, deren Flug ich nach wie vor bewundere: In eleganten Kurven gleiten sie über die oft bewegte See, wobei ihre Flügelspitzen nur Millimeter über die Wasseroberfläche gleiten – phantastisch! 

Etmal: 105sm, Position: 025 22.1235 S           179 22.6754 E
 

Freitag, 30. November 2012

Von Tonga nach Neuseeland, 4. Tag


In der Nacht flaut der Wind immer mehr ab, es wird dümpelig, die Segel beginnen zu schlagen. Zu meiner Nervenberuhigung trägt bei, dass die Dünung angenehm schwach ist. Ich bleibe daher konsequent, kein Motoreinsatz. Gegen Morgen kreuzt ein großes Frachtschiff meinen Kurs, läuft 3,5sm hinter mir vorbei. War verdammt schnell da, der Bursche…
Bei einer meiner Kontrollen entdecke ich zu meiner grenzenlosen Verblüffung völlig zweckentfremdet zwei Schrauben an Deck liegen. Diese stammen von dem Teil der Rollreffanlage, der die Profile mit der Reffleinentrommel verbindet. Ohne einer Form- oder kraftschlüssigen Verbindung der beiden Teile würde sich die Trommel durch Zug an der Reffleine zwar drehen, aber das Vorsegel würde sich nicht mitdrehen. Das stelle man sich mal plastisch vor: Bei Starkwind versuchst du die Genua einzurollen, aber nichts geht mehr - Rien ne va plus. Na bravo. Wieder einmal Glück gehabt…
Im Laufe des Tages queren wir die internationale Datumsgrenze, ab sofort steht bei meinen Positionsangaben als Vorzeichen wieder „Ost“ (für „östlich von Greenwich“), nicht mehr „West“!! Es geht sozusagen wieder „abwärts“. Ich weiß nur nicht, ob ich mich darüber freuen soll, oder nicht… Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich am 22.09.2010 auf der Fahrt von Calpe nach Alicante, damals in Begleitung von Harry und Mathilde mit ihrer „Thari“, den Nullmeridian Richtung Westen querte. Für mich war es damals schon die zweite Null – Meridian Überquerung unter Segel, für Najadchen war es jedoch eine Premiere. Zwei Jahre und knapp drei Monate sind seither vergangen. Was durfte ich in dieser herrlichen Zeit, in dieser nur auf mich selbst gestellten, völligen Freiheit, nicht alles Erleben!! 

Etmal: 60sm, Position:  025 19.3796 S            179 29.8531 E
 

Donnerstag, 29. November 2012

Von Tonga nach Neuseeland, 3. Tag


Am Vormittag verlasse ich die Tropen, die „Sonnenwendegebiete“, in denen ich mich nun so lange aufgehalten habe. Diese werden ja begrenzt durch die beiden Wendekreise auf 23° 27′ nördlicher - Wendekreis des Krebses -  und 23° 27′ südlicher Breite - Wendekreis des Steinbocks. Diese südliche Breite habe ich gerade übersegelt, nun bin wieder in den sogenannten „gemäßigten Zonen“. Das merke ich auch daran, dass es empfindlich abgekühlt hat und auch die Wassertemperatur merklich gesunken ist.
An Deck finde ich leider wieder einige tote fliegende Fische – umsonst gestorben…
Zu meinem Erstaunen wird das Meer um uns herum plötzlich braun – ich befinde mich mitten in einem schwimmenden Bimsstein - Feld!!
 
(Mit  freundlicher Genehmigung von Albert Stöcker)

Was geht hier vor? Vulkanische Untergrundaktivitäten ohne mein Wissen? Nichts wie weg hier… Tatsächlich verfolgen mich diese feinporigen und porösen Bimssteine noch tagelang, treten aber nicht mehr so häufig auf.
Um 11:30 peile ich das nördliche Minervariff querab, ich passiere es im Lee, sicher ist sicher… 6 Schiffe liegen darin vor Anker, darunter die kanadische „Picara“, mit der ich Funkkontakt habe. Warten die alle auf besseres Wetter oder was? Nachdem ich jetzt eh monatelang an Riffen gelegen habe schaue ich lieber, dass ich weiterkomme. Denn so harmlos ist die Gegend hier ja nicht...
Um 16:30 peile ich das südliche Minervariff querab, kein Schiff lag darin. Von nun an gibt es kein Hindernis mehr bis Neuseeland!! Nur mehr nebbiche 765 sm bis zur Bay of Island auf der Nordinsel von NZ, meinem Ziel.
Diese Riffe, Eigentlich Ringatolle, erheben sich kaum über die Wasseroberfläche, nur brechende Wellenkämme und ein paar Korallenblöcke sind zu sehen – wie viele Schiffe mögen hier wohl schon zugrunde gegangen sein, wie viele Menschen mussten hier schon ihr Leben lassen??
Die Minervariffe liegen ein bisschen abseits meiner Route nach Neuseeland, ich laufe nur aus Sicherheitsgründen so nahe daran vorbei: Wenn etwas bei mir oder Najadchen nicht in Ordnung wäre, bekäme ich nur mehr hier Hilfe – ansonsten, wie gesagt, gibt es nur mehr Wasser bis NZ….
Diesiges Wetter und ein riesiger Halo um die Sonne machen mich leicht nervös…
P.s.: Meiner Meinung nach wäre das nördliche Riff der besser geeignetere Not – Ankerplatz.

Etmal: 102sm, Position: 024 48.3480 S           179 41.3038 W
 

Mittwoch, 28. November 2012

Von Tonga nach Neuseeland, 2. Tag


Außer teilweise starken und böigen Winden keine besonderen Vorkommnisse in der Nacht. Es ist gerade Vollmond, das ist sehr angenehm beim Nachtsegeln – es ist nicht gar so grauslig finster...
Einmal warf uns eine seitlich heranrauschende Welle so weit aus dem Kurs, dass es zu einer Patenthalse kam – der Bullenstander hielt, unterstützt von der von mir provisorisch geriggten Baumbremse, die ich aus einem Abseilachter konstruiert habe. Bewährt sich ganz gut, diese zusätzliche Sicherungsmaßnahme. Kurs: Immer am Wind, Wellen immer von schräg vorne...
Ein Segelschiff an der Kimm gesichtet, ein paar Funksprüche in englischer Sprache, sonst keine besonderen Vorkommnisse an Bord, alles im grünen Bereich – das Bordleben normalisiert sich, nach der bei mir üblichen Hektik nach einem Aufbruch, rasch wieder. 

Etmal: ­­­125sm, Position: 023 24.9843 S           178 40.8798 W
 
 

Dienstag, 27. November 2012

Von Tonga nach Neuseeland, 1. Tag


Der Vortag verlief noch etwas stressig, da der Außenbordmotor an Bord gestaut und das Dingi zerlegt und an Deck sturmsicher verzurrt werden wollte. Ebenso gab es noch Arbeit mit dem Rad, welches nach der Reinigung zerlegt und in sein Bag unter Deck kam. Die Fender wurden ebenfalls unter Deck verstaut, die Festmacherleinen getrocknet und aufgeschossen – kurz, alle für eine längere Reise notwendigen Arbeiten mussten noch am letzten Abend erledigt werden…
Ich starte am Morgen um 07:30 Ortszeit, taste mich durch die Westausfahrt hinaus aufs offene Meer. Der bis dahin angenehme Schiebewind nahm immer mehr zu, ich musste gleich zu Beginn der Fahrt an den Wind gehen. In der Nacht wurde Najadchen so luvgierig, ich musste sogar das dritte Reff einbinden – keine angenehme Aufgabe, bei Starkwind und Welle.
Keine Sichtung, nur ein paar Vögel begleiten mich.

Etmal: ­­­126sm, Position: 022 09.8829 S           176 54.3694 W
 
 

Mittwoch, 14. November 2012

Tongatapu / Nuku’alofa


Nach einer erfreulich ruhig verbrachten Nacht entdecke ich zu meiner großen Freude den Katamaran „Imagine“ von Jutta und Albert in meiner Nähe – ein gemütlicher Gedankenaustausch unter Freunden ist also gesichert. Wir treffen uns ja schon seit Panama immer wieder zufällig an den verschiedensten Ankerplätzen dieser Welt. Die Chemie zwischen uns stimmt, unsere Interessen sind auch die Gleichen, so können wir uns austauschen und manchmal auch gegenseitig Hilfestellung bieten.
Nachdem die Beiden Richtung Neuseeland aufgebrochen sind möchte ich mich in den Hafen von Nuku’alofa verlegen – und gerate dabei prompt in Schwierigkeiten…
Frage an Radio Eriwan: Kann man beim Anlegen im Hafen von Nuku’alofa eigentlich in Seenot geraten?
Antwort von Radio Eriwan: Normalerweise nicht, aber bei dir ist ja, wie wir inzwischen wissen, alles möglich…
Also, das lief so ab: Die Hafenmole...
 
 
...ist eigentlich nur ein aufgeschütteter Fahrdamm, ohne Anlegemöglichkeit, nur mit Pollern bestückt. Die Frage stellt sich daher, wie ich als Einhandsegler dort festmachen soll? Ich hatte mir das so vorgestellt: Ich lege mich mit Najadchen außerhalb des Hafens vor Anker, fahre mit dem Schlaucherl in denselbigen und lege mir dort mit einer Kombination aus Leine an einem Poller, Fendern zum Aufschwimmen derselben und einem Anker meine rein persönliche Muring, die ich von Bord aus aufpicken und an der ich dann Najadchen festmachen würde. Soweit die Theorie. Die hätte an sich ja gestimmt, wenn der Wind nicht ein klein bisschen zu stark und noch dazu aus der „falschen“ Richtung geweht, und der Ankergrund etwas mehr Grip geboten hätte… So kam es, wie es kommen musste: Das Anlegen an der Behelfsmuring klappte an sich zwar problemlos, nur hielt der Anker leider nicht – mein Fehler, ich konnte ihn mit der schwachen Motorleistung des Schlaucherls nicht gut genug einfahren – und schon trieb es uns kurz darauf quer zu der verdammten Steinmole. Zum meinem Glück stieg vorher der Grund an, so dass wir knapp vor einer Touchierung „nur“ mit dem Kiel auf Grund aufsaßen und das Schiff dabei keinen Schaden nahm. Nun kam ungebremste Hektik auf. Mit dem Schlaucherl versuchte ich den zweiten (und später auch noch den dritten) Anker auszubringen, was allerdings außer einem kräftigen Leinen - und Kettensalat keinen greifbaren Erfolg zeitigte. Erwähnte ich in diesem Zusammenhang eigentlich schon, dass meine Ankerwinsch nur mehr dekorativen Zwecken dient und ihrer zugedachten Funktion wegen eines gröberen mechanischen Defektes schon seit geraumer Zeit nicht mehr nachkommen kann?? Ich daher alles mit purer Muskelkraft Händeln musste?? Ich wetzte jedenfalls wie vom wilden Affen gebissen umher, um mein an der Situation völlig unschuldiges Schiff freizubekommen, was mir schlussendlich aber nur mit Hilfe eines freundlichen neuseeländischen Motorbootfahrers gelang, der mit gefühlvollem Einsatz seines stark motorisierten Kleinwasserfahrzeuges Najadchen aus der Gefahrenzone und die Anker in eine adäquate Position brachte. Herzlichen Dank nochmals dafür!
Nach diesem unerfreulichen, aber glimpflich abgelaufenen Erlebnis ließ ich es ruhig angehen, besichtigte die Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt Nuku’alofa - hier der Königspalast...
 
 
...und erkundete mit dem Rad (ja, ich bin vorsichtig gefahren…) große Teile der Insel – was ein navigatorisches Problem aufwarf, da diese flach wie eine Flunder ist und daher nur wenige Orientierungspunkte bietet. Erschwerend kam noch hinzu, dass Wegweiser, Straßenbezeichnungen etc. in diesem Teil der Welt Raritäten sind. Prompt habe ich mich kilometerweit verfahren. Das ist mir auch schon lange nicht mehr passiert…
Nachdem ich der ärztlichen Versorgung hier nicht ganz traue (und ich unter Zeitdruck geraten würde) verschiebe ich meine Zahnsanierung lieber bis ich nach Neuseeland komme – das dauert ja nicht mehr lange.
Ich nutzte die Zeit der relativen Ruhe im Hafen, um Najadchens Rigg auf das Genaueste zu kontrollieren – denn wie es ist, mitten im Südpazifik den Mast zu verlieren, möchte ich mir gar nicht erst ausmalen…
Wie bisher im Königreich Tonga wird auch hier (von Kindern einmal abgesehen) „Full clothed“ gebadet, die Menschen sind im Wasser ziemlich züchtig bekleidet –  ob dies auf ein leicht übertriebenes Schamgefühl oder auf religiöse Vorschriften zurückzuführen ist, konnte ich allerdings nicht feststellen.
Die Menschen sind an sich freundlich, lachen viel und lieben ihre Kinder, von denen es eine ganze Menge gibt, sehr. Das macht sie mir sympathisch, obwohl ansonsten im Land viel im Argen liegt. Im Hafen liegen versunkene Schiffe...
 
 
...die Uferregionen sind mit gestrandeten Wracks gespickt...
 
 
...Müll häuft sich...
 
 
...Armut und Verfall wohin man schaut. Trotzdem war ich gerne hier, aber zwei Monate sind nun genug, es wird wieder einmal Zeit Weiterzuziehen, denn die Hurrikansaison nähert sich mit Riesenschritten und ich bin sowieso schon spät dran – im Hafen bin ich das Einzige ausländische Schiff... Nach Erledigung der (zeitraubenden) Ausreiseformalitäten verlege ich mich vor ein kleines Inselchen, wo ich mein nur leicht bewachsenes Unterwasserschiff reinige – das in Panama City teuer gekaufte Antifouling bewährt sich recht gut. Nur: Ein Anstrich war halt zu wenig…
 
Ein paar Eindrücke noch:
 
Es gibt sehr viele Kirchen der verschiedensten Glaubenskongregationen im Königreich. Über Geschmack soll man aber nicht streiten...
 

Viele Hände werden anscheinend benötigt, um die Vorleine dieses Seelenverkäufers belegen zu können...

 
Markt an der Hauptstraße, Bio - Obst und Gemüse in reicher Auswahl:


Traditionelle Verarbeitung von Pandanuss zu Tracht. So ähnlich wird wohl früher  Papyrus hergestellt worden sein:


Chaos und Verfall im Hafen:


Es gibt aber auch Erfreuliches: Neu errichtete Groß - Solaranlage am Rande der Hauptstadt:


Der Wetterbericht passt, morgen geht es los -  zu dem wohl schwierigsten Abschnitt meiner Reise bisher, zur Fahrt nach Aotearoa, dem Land der langen weißen Wolke – besser bekannt als Neuseeland…
 
 

Sonntag, 11. November 2012

Von Vava’u nach Tongatapu / Nuku’alofa

Wieder einmal heißt es Abschied nehmen... Die See hat sich wieder beruhigt, um 06:30 geht’s los, der Tag will schließlich genutzt sein! Auf geht’s zur letzten (und südlichsten) Inselgruppe von Tonga, nach Tongatapu. Genauer gesagt möchte ich zur Hauptstadt, nach Nuku’alofa. Mal sehen, ob ich dort meine Zähne sanieren lassen kann – ohne Vorderzähne schaue ich ja grausam denaturiert aus…
Kaum bin ich aus der geschützten Hunga – Bucht ausgelaufen, geht es hart am Wind (und eingebundenem 2. Reff) gen Süden. Man kann über mein kleines Mädchen sagen was man will, aber in Punkto Höhe laufen ist sie kaum zu schlagen!
Es wird wieder ein nasses, hartes Segeln, wieder liegt mir so eine vermaledeite Vulkaninsel im Weg, wieder muss ich aufkreuzen. Am 12.11.2012, Schlag Mitternacht laufe ich mit Herzklopfen in die riesige Lagune ein, taste mich vorsichtig in eine Ankerbucht vor. Aber was willste machen, wenn Du aufkreuzen musst und daher dein Zeitplan nicht stimmt…. Wieder einmal bin ich froh darüber, in ein Radargerät investiert zu haben, denn es wies mir sicher den Weg zwischen der großen Boje, die wahrscheinlich für Kreuzfahrtschiffe ausgelegt wurde, den Ankerliegern, und warnte vor den Schiffswracks, die im Uferbereich liegen. Gefährlich wurde es dann allerdings wieder im Flachwasser, da ich die ausgelegten Kunststoffbojen oder Fischernetze der Einheimischen in der mondlosen Finsternis nicht oder erst zu spät erkennen kann. Aber alles ging gut! Erst mal ausschlafen, dann sehen wir weiter.
Ach ja: Das ich hier kein Seemannsgarn erzähle, möge folgendes Bild verdeutlichen…
 

Dabei handelt es sich um eine von mir erstellte Seekarte aus Google Earth, von einem kleinen Teil der Lagune von Tongatapu. Deutlich erkennbar sind die unter Wasser liegenden Riffe, die nach dem lateralen Betonnungssystem IALA gekennzeichnet sind. Die Trackaufzeichnung (Lila Linie) zeigt meinen Weg in die Ankerbucht, dann die Fahrt ins Lee einer kleinen Insel und abschließend die Fahrt zum Stadthafen, vor dem ich zur Erkundung desselbigen erstmal ankerte.
Randbemerkung: Mit den roten Punkten, die ich an navigatorisch sensible Stellen setze, überprüfe ich die anderen (z.B. cm93) digitalen Seekarten auf ihre Positions – Genauigkeit.  
Das es sich hier um eine gefährliche Gegend handelt zeigen folgende Links:
 
Kenterung der SY “Windigio”, welche zeitgleich mit mir in Neiafu gelegen ist und schon auf dem Weg nach Neuseeland war:

Strandung einer (mir unbekannten) Schmuggelyacht vor Tonga:
http://segelreporter.com/blog/2012/11/16/vestas-sailrocket-paul-larsen-schafft-auf-500-metern-5923-knoten-unter-segeln/

Etmal: ­­­183sm, Position: S 21° 07,96’ / W 175° 09,47’

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Von Niuataputopu nach Vava’u


Ich starte zeitig am Morgen, in der Nacht zerrten starke Böen am Schiff und der niederrauschende Regen hellte meine Stimmung auch nicht gerade auf. Irgendwie fühlte ich mich, als wenn mich eine Straßenbahn überrollt hätte. Alles schmerzt, besonders die Schürfwunden (jetzt weiß ich, warum sich die Radrennfahrer die Beine rasieren…), der Kiefer und die gespaltene Augenbraue… Dummerweise kann ich niemanden außer mir selbst die Schuld geben, da keine Feindeinwirkung vorlag...
Die See wurde rau und der Wind drehte immer mehr auf Süd, so dass ich mein Ziel nicht mehr anliegen konnte. Bravo, das muss anscheinend so sein… Aufkreuzen ist auf einem Ententeich ja ganz lustig, wenn man anschließend sein Schiffchen an den Steg legen und sich selbst gemütlich an der Theke platzieren kann. Hier, mitten im Pazifik bei Starkwind und mit Welle von schräg gegenan über eine Strecke von mehr als 200 sm, schaut das Ganze ein bisschen anders aus: Das Schiff ist bald salzüberkrustet, der Skipper nass, hungrig und müde, wegen der fehlenden Vorderzähne kann er sich nicht einmal ein aufmunterndes Liedchen vorpfeifen, die Stimmung tendiert gegen Null, die Frage über den Sinn des Lebens drängt sich aus dem Unterbewusstsein hervor. Zumindest gewinne ich beim Kreuzen Raum nach Luv, allerdings um den Preis von verlorener Höhe – ein Teufelskreis… In der Nacht überholt mich die „Lisa Kay“ –  das ging ganz einfach, die holten sich die benötigte Höhe nämlich mit der Kraft ihres Motors. Ich kreuzte stur weiter, mit dem Erfolg, dass ich mitten in der Nacht vor der Einfahrt der Vava’u  Gruppe stand. Das hatte ich nun davon… Nachdem ich wusste, dass meine Seekarten in diesem Bereich nicht stimmen, drehte ich bei, aktivierte das Radar sowie das Blitzlicht und legte mich einige Stunden aufs Ohr – die Strömung stand richtig. Bei Tagesanbruch lief ich ein, froh darüber, es nicht in der Nacht probiert zu haben, da mich die Seekarten akkurat übers Land geführt hätten…
Aus den theoretischen 176sm wurden schließlich 225sm – gegenan Kreuzen erfordert nun mal Weg und Zeit.
Kaum am Ankerplatz vor dem Hauptort Neiafu, der wegen der zum Ankern ungünstigen Wassertiefe mit privaten und kommerziellen Bojen gespickt ist, angekommen...


...sprang Larry von der „Lisa Kay“ in sein Schlaucherl, sauste herbei und übernahm meine Leine – Danke nochmals dafür!
Beim Einklarieren – zwischen den einzelnen Inselgruppen Tongas vorgeschrieben – zeigte die Bürokratie wieder einmal, zu welch hirnlosen Taten sie (straflos…) fähig ist. Der Hammer diesmal: Die Fragen nach der Farbe meines Unterwasserschiffes und der Form des Schiffhecks…
Es gibt eine Gute und eine schlechte Nachricht: Die Gute ist, hier wurden seit ewigen Zeiten keine Haie gesichtet. Die Schlechte ist, dafür gibt es Seeschlangen - tödlich giftig, aber nicht angriffslustig...


Albert und Jutta mit ihrer „Imagine“ kommen eines schönen Tages an, Juttas Bein ist nun vom Gips befreit, dessen Bewegungsumfang ist aber noch immer eingeschränkt und es ist immer noch etwas geschwollen.
Ich unternehme ausgedehnte Radtouren (ja, ich fahre vorsichtig…) übers Land, welches nur extensiv mit viel Handarbeit genutzt wird. Es gibt keinen Einsatz von Kunstdünger und nur sehr wenige Maschinen sind im Einsatz. Die rote, krümelige Erde ist sehr fruchtbar, anscheinend gibt es auch genug Regen, da alles saftig grün ist. Zu meiner Überraschung sichte ich  Eisvögel – die hätte ich hier nicht erwartet. Überhaupt verbringe ich hier eine entspannte, ruhige Zeit, genieße die unbeschwerten Fahrten durch die Landschaft.
Nun werden schön langsam die Mangos reif, die Tierwelt bekommt ihren Nachwuchs – die neugeborenen Kälber und Fohlen, Ferkel, Lämmer und Kitze sind ja allerliebst anzusehen! Hier sichtete ich auch erstmals Flughunde, die wie große Fledermäuse ausschauen und ziemlich gute Flieger sind. Erstaunlich ist ihr Gebiss: Obwohl reine Vegetarier, verfügen sie über ausgeprägte Fangzähne mit dahinterliegenden Mahlzähnen. Wie das reibungslos funktionieren kann, ist mir ein Rätsel…
Von Tonga bin ich insofern enttäuscht, da die meisten Menschen hier in einer erbärmlichen Armut leben - die Definition von einem "Südseeparadies" muss wohl noch einmal neu verhandelt werden... Ein Großteil der Häuser (eher Hütten…) sind verwahrlost, heruntergekommen und dreckig, so viele sich noch bewegende oder am Straßenrand für immer abgestellte Autoleichen wie hier sah ich noch nirgends – dagegen waren selbst die Fahrzeuge in Panama City als neuwertig und hochmodern zu bezeichnen… Auch die Strassen sind teilweise in einem katastrophalen Zustand, asphaltiert sind nur einige wenige Hauptrouten. Die Dominanz von ausgedienten Konsumgütern, wahllos in der Gegend platziert, bedrückt das Gemüt des dahingehend bereits lange sensibilisierten Mitteleuropäers. Alles was ausgedient hat wird einfach weggeschmissen, eine geregelte Müllentsorgung findet nur auf einem mittelalterlich anmutenden Niveau statt. Hier gibt es noch viel zu tun…
Am Ankerplatz lerne ich zufällig die netten Leiter des örtlichen TO – Stützpunktes, Elke und Werner Stumpe, kennen - http://www.hohnsbeen.de/ - auf deren Einladung hin ich eine herrliche Zeit an ihrer Boje in der geschützten Hunga – Lagune verbringen durfte. Danke nochmals dafür!! Auch nicht TO – Mitglieder sind als Besucher herzlich willkommen, eine Anmeldung auf VHF CH. 26 ist allerdings empfehlenswert, da die Beiden öfters auf Reisen und daher abwesend sind.
Meine Wunden verheilen schön langsam, der Kiefer ist allerdings noch immer teilweise gefühllos.
Ich glaube, nun wird es schön langsam Zeit Weiterzuziehen, bevor die Schlechtwetterfronten über die Gegend hier hereinbrechen.

Abschließend noch einige  Eindrücke von der Vava'u Gruppe.

Teilweise wunderschöne Strände:

 

 Die Kühe haben auffallend kleine Euter, werden anscheinend nicht gemolken. Ab und an werden sie an einen anderen Baum angebunden, um an frisches Gras zu kommen. In den Läden gibt es auch keine Frischmilch zu kaufen...


Was will uns dieses Bild bloß sagen?


Eine fjordähnliche Landschaft mit unzähligen schönen und geschützten Ankerplätzen:


Offensichtlich ein Kindergarten. Warum das in deutscher Sprache geschrieben steht, ist mir ein Rätsel...


Freilaufende Schweine überall und zuhauf:


Das Produkt einer fruchtbaren Erde -Taro:


Der Markt von Neiafu. Preiswertes Bio - Obst und Gemüse in reicher Auswahl:


Tierischer Nachwuchs, einfach herzig:



So schauen Kindergärten im ländlichen Bereich aus:



Neugierig wird der zuckerlverteilende Fremdling beäugt:


Geschützt an einer Boje in der Hunga - Lagune:


Verlassenes Haus mitten auf der Insel Fofoa - ein Traum ging unerfüllt zu Ende:


Etmal: 225sm, Position: S 018° 39,81’ / W 173° 58,95’

Mittwoch, 26. September 2012

Von Samoa nach Tonga, Niuatoputapu


Nachdem der Namen des Atolls „Niuatoputapu“ fast unaussprechlich ist, haben ihn die Segler für den internen Sprachgebrauch kurzerhand in „new Potatos“ umbenannt. Klingt so ähnlich und alle wissen, was damit gemeint ist.
Ich starte am Nachmittag gemeinsam mit Josien und Rob von der „Inish“ zu Überfahrt in das nördlichste Atoll des Königreichs von Tonga. Das Ausklarieren am Vortag in Apia hat fast den ganzen Vormittag gedauert… Es wurde eine ziemlich problemlose Fahrt mit wechselnden Winden, nur kurz vor der Einfahrt - Ankunft  Freitag, den 27.09.2012  um 09:00 nach 185 sm - erwischte mich doch noch ein kräftiger Regenschauer. Im Übrigen stimmte die Seekarte (cm93) wieder einmal mit der Realität nicht überein, noch dazu ist die Durchfahrt durch das Riff etwas tricky und die Seezeichen, welche bei einem Tsunami zerstört wurden, sind auch nur „provisorisch“ wiederhergestellt worden…
Die Offiziellen, zwei Damen (in traditioneller Kleidung) und ein Herr, wurden in einem Klein – Lkw zum Pier gebracht und begehrten, auf unsere Boote geholt zu werden, um den unvermeidlichen Papierkram zu erledigen. Wer mein Dinghi (und das von der „Inish“) kennt und dazu die Leibesfülle der drei Beamten in Relation setzt, ahnt, dass das ein länger dauerndes Unterfangen mit einer feuchten und komischen Note werden wird… Dean, ein freundlicher Amerikaner, erbarmte sich unser schließlich und brachte sie (mit seinem großen Dinghi) an Bord.
In der geschützten Lagune begann anschließend eine herrliche Zeit: Ich mutierte zum „Lolliman“, da ich bei meinen Rundfahrten immer Kaugummi dabei hatte, was die Kids (zu ihre wachsenden Begeisterung) ziemlich schnell herausfanden – wer kann schon den erwartungsvollen Blicken großer, brauner Kinderaugen widerstehen??
Die Insel ist fruchtbar und grün, Große Mangobäume und Kokospalmen, von extensiv bewirtschafteten Ackerflächen, die fast ausschließlich manuell bearbeitet werden, und von einigen ärmlich anmutenden Siedlungen unterbrochen, dominieren die hügelige Landschaft. Pampelmusen gibt hier leider auch keine.
Regelmäßig zogen Wale am Atoll vorbei, deren Fluken und Blasfontänen weithin sichtbar waren.
Kinder, Schweine, Hunde, Hühner und Pferde sind freilaufend und in allen Altersstufen vertreten, genau genommen herrscht hier das Chaos, die Hütten sind teilweise so was von armselig, erbarmungswürdig. Ende September 2009 zerstörte ein Tsunami einen Großteil der Küstensiedlungen, wobei auch 9 Tote zu beklagen waren. Einige neue Siedlungen in Fertigteilbauweise...

 

...wurden tsunamisicher höher liegend neu angelegt – allerdings sind die Bauarbeiten nach vier (!!!) Jahren noch immer nicht abgeschlossen… Es gibt keine geregelte Müllbeseitigung – das Ergebnis ist eine wilde Entsorgung ausgedienter Konsumgüter in der näheren Umgebung der Ortschaften – ein Graus. Tonga ist das einzige Königreich der südlichen Hemisphäre, umfasst die 169 früher auch „Freundschaftsinseln“ genannten Tongainseln, von denen nur 36 bewohnt sind, sowie die beiden Minerva-Riffe – die aber auch von Fidschi und Neuseeland beansprucht werden. Tonga ist der einzige Staat in Ozeanien, der nie von Europäern kolonialisiert wurde. Es liegt zwischen 15° und 23,5° südlicher Breite und 173° und 177° westlicher Länge – also östlich von Fidschi, südlich von Samoa und nördlich von Neuseeland - aber trotzdem westlich der Datumsgrenze. Darum ist die korrekte Datumseinstellung von Computern und digitalen Uhren mit Kalenderfunktion in diesem Teil der Welt gar nicht so einfach – manchmal sogar unmöglich… Tonga liegt mit seinen vielen Vulkaninseln im Gebiet des pazifischen Feuerrings. Östlich Tongas liegt der bis 10.882 m tiefe Tongagraben. Der höchste Punkt Tongas liegt mit über 1000 m auf der kleinen Insel Kao. Hauptstadt und größte Stadt des Landes ist Nuku’alofa. Tonga hat etwa 101.000 Einwohner, die zu 98 % Polynesier sind. Die Menschen aus Tonga essen gerne, viel und vor allem traditionell sehr kalorienreich (Yams, Taro und Kokosöl). Obwohl dicke Menschen auf Tonga noch immer als schön gelten und das Gesunde verkörpern, führte der Staat ein Programm zur Ernährungsberatung ein und animierte die Bevölkerung zu mehr Sport. Notwendig wurde das, weil rund 58 % der Männer und 75 % der Frauen einen Body-Maß-Index aufwiesen, der weit über 30 lag. Das sagt wohl alles über die Leibesfülle der Einheimischen aus…
Wir werden (gegen Erstattung eines Unkostenbeitrages) zu einem traditionellen Essen bei Einheimischen (Niko und Cia) eingeladen,...

 

...das traditionelle Kavatrinken ist etwas gewöhnungsbedürftig; die Brühe schaut nicht nur aus wie (benutztes) Abwaschwasser, sie schmeckt auch so… Ein seifiger Geschmack, ein leicht taubes Gefühl im Mund, in der Nacht dann vermehrter Harndrang; das war’s dann – nicht unbedingt das Meine…
Durch einen beherzten Biss auf einen Mangokern brach mir ein Schneidezahn ab, eine Plombe verlor ich auch wieder; nun muss ich mir wohl einen Walrossbart wachsen lassen, um wieder ungehemmt lachen zu können, ohne dass die Umstehenden laut schreiend das Weite suchen...
Eines Nachts erwischte mich der Zug, tagelang Kreuzschmerzen waren die Folge – ich hätte doch auf meine Exfrau hören sollen und statt nackt herumzuliegen ein Nachtleiberl anziehen sollen…
Trotz angeblich „schusssicherer“ Spezialreifen- und Spezialschläuche handle ich mir einen „Patschen“ ein – Werbung und Realität, zwei Welten prallen aneinander…
Am 2.10. unternehmen wir mit zwei (einheimischen) Booten einen Ausflug auf die Vulkaninsel Tafahi...,

 

...rund 4sm nordwestlich gelegen und 600m hoch. Es wurde eine nasse Reise mit abenteuerlicher Anlandung durch einen schmalen Durchlaß im Riff, mit Holzstämmen zogen wir die Boote den Strand hoch. Hier leben rund 30 Leute unter ärmlichen Verhältnissen, aber immerhin, es gibt eine Grundschule! Beim Aufstieg entdeckten wir Mandarinenbäumchen, allerdings keine Pampelmusen, leider.
Am Gipfel dann die Überraschung: Krabben in ihren Muschel - „Häusern“ hätte ich auf 6oom Seehöhe nicht unbedingt erwartet – allerdings ist es in der Gipfelregion extrem feucht, die Wolken fangen sich hier und laden ihre Last ab; richtiger Regenwald empfing uns...


...eine wilde, feuchtigkeitsschwangere Landschaft breitete sich vor uns aus – Jurassicpark lässt grüssen! Der Abstieg auf einer anderen Route gestaltete sich dann als eher schwierig, rutschiges und steiles Terrain behinderte unseren hurtigen Schritt nachhaltig.
Am (geplanten…) letzten Tag, bei meiner Abschiedsrunde am 09.10., reiße ich (bergab) mit dem Rad eine „Bretzn“, von der die Eingeborenen an ihren Lagerfeuern noch lange ihren Enkeln erzählen werden. (Es war ein reiner Fahrfehler, ohne Fremdeinwirkung): 

 

Die (nun kaputte) Brille hat mir die Augenbraue gespalten, der zweite Vorderzahn ist abgebrochen, die Lippe ist gespalten, im Kiefer knackst es, die linke Gesichtshälfte ist zerschunden, ebenso Hände, Arme und Beine. Bravo Gerhard, das hast du wieder einmal sauber hingekriegt. Mein Stolz ist nun leicht geknickt und meine natürliche Schönheit hat etwas gelitten …
Feldarbeiter haben mich bewusstlos gefunden und die Polizei verständigt, welche mich zur Krankenstation brachten. Lisa und Larry von der amerikanischen Yacht „Lisa Kay“ kümmerten sich dabei rührend besorgt um mich. Die Versorgung in der Krankenstation war zwar liebevoll aber auf einem Standard, der mich sehr nachdenklich stimmte… Am nächsten Tag überbrachte ich den Schwestern, nachdem ich meine Behandlungsgebühr von 50 Paanga bezahlt hatte, aus meinem (dank Eva) reichhaltigen Fundus eine Medicalspende, um den Versorgungsstandard der Insel etwas zu heben. Leicht peinlich war dabei nur, dass ich (in meinem bekannt guten englisch) einer Schwester den Einsatzzweck eines Klistierballes erklären musste….
Eine gute Nachricht gibt es aber auch: Dem Rad ist nichts passiert!
In der Hauptstadt Nuku’alofa gibt es angeblich einen Zahnarzt – mal sehen, ob der mir zwei Kronen anfertigen kann.
Die geplante Abreise musste ich anschließend um einen Tag verschieben, damit ich den Schock und die Schwellungen etwas abklingen lassen konnte.

Mein Lieblingsstrand:



Unser Führer Niko mit einer ausgegrabenen Taro - Frucht: 




Der Ankerplatz hinter dem Riff:



Das "Medicalcenter":




  
Nachtrag zu Samoa:
Obwohl im ganzen südpazifischen Raum beheimatet, gab es auf Samoa, das an sich ja sehr fruchtbar ist, keine Pampelmusen. Das war schade, denn gerade diese vitaminreichen und schmackhaften Früchte wären doch eine willkommene Bereicherung und Ergänzung für die eher ungesunde Ernährung der Einheimischen.
Durch die Umstellung auf Linksverkehr gibt es nun ein wildes Sammelsurium von Links- und Rechtsgesteuerten Kraftfahrzeugen. Das steht der Verkehrssicherheit aber genau diametral gegenüber. Zur Verringerung der Unfallhäufigkeit haben die Verantwortlichen große weiße Pfeile auf die Strassen malen, und an den Straßenrändern Schilder aufstellen lassen, zur Erinnerung daran, links zu fahren.
Ihre Toten beerdigen die Einheimischen im Garten, wobei die Gräber oft in einem besseren Zustand sind als die Häuser…

Etmal: 185sm, Position: S 015° 56, 48’ / W 173° 46, 13’